14
Jun
2007

Die Menschheit ein bißchen anschieben

Geschichten von der Kraft

(Song-Text des Stücks "Tarinoita voimasta", aus dem gleichnamigen Album der finnischen Alternativ-Gruppe Kosmos, übersetzt ins Deutsche)

Es war in die Sterne geschrieben,
aber keiner verstand zu lesen.
Die Geschichten von der Kraft und von den Urklängen der Welten.
Von hinter einem geheimgehaltenen Wissen her
ruft das mystische Weltall.
Aber nur die Irren und die Ungeborenen können dessen Ruf hören.
Wir sollten uns Getreide aus Geist anbauen,
Damit wir die Wahrheit ernten können,
mit der Sense der Liebe.

Wasser, Erde, Luft und Feuer,
Keiner weiß, woher sie kommen.
Wir haben noch eine Reise vor uns
aber wie könnten wir weiterreisen
Ohne eine neue blutige Geschichte, ohne rüde Ausbeutung.
Wenn wir uns nur der Visionen bewußt würden, die der Tag und die Nacht uns vorstellen.
Wir sollten uns Getreide aus Geist anbauen,
Damit wir die Wahrheit ernten können,
mit der Sense der Liebe.

Die Jahrtausende folgen uns immer mit offenen Augen. Wir können uns nicht
Verstecken.
Wir müssen es neu erlernen,
Die Warnungen der Götter,
zu sehen und zu hören.
Wir sollten uns Getreide aus Geist anbauen,
Damit wir die Wahrheit ernten können,
mit der Sense der Liebe.
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Mit entsprechend starkem Willen kann man sich Gehör verschaffen, auch wenn es gilt, gegen den Strom anzuschwimmen

Eine Musikergruppe aus dem finnischen Turku hat sich Fans in der ganzen
Welt geschaffen


Das Internet - eine unabdingbare Bedingung bei alternativer Musik

(ein Bericht aus der Sparte Extra der finnischen Zeitung Turun Sanomat
vom 9.6.2007, übersetzt aus dem Finnischen)


- Unsere Musik findet seine Zuhörer übers Internet. Ohne das Netz waren
wir mit unserem Sound aufgeschmissen, sagt Olli Valtonen, der
Organisator der Gruppe Kosmos aus Turku.

Der als leidenschaftlicher Sammler bekannte Valtonen ist ein mit
Fleisch und Blut auf Vinyl eingeschworener Mann, und von daher kommt es auch,
daß es die Platten von Kosmos in erster Linie als Vinyl-Ausgaben gibt.
CDs gibt es von ihnen nur als eine Ergänzung für all jene, die keinen
herkömmlichen Plattenspieler im Gebrauch haben.

- Und wenn man seine Musik im Radio hören will, wird man auch
gezwungen, sie auf CD aufzunehmen, stellt Valtonen daran erinnernd fest.

Laut Definition der Gruppe selbst stellt die Gruppe Kosmos einen
"Grenzfall" dar: eine Gruppe, die lediglich Platten aufnimmt, deren Musik
aber auch etwas ganz anderes ist, als was heutzutage sonst so in die
Spiellisten der Radioprogramme kommt.

Von ihren Einflüssen her klingt die Musik von Kosmos so wie echter
progressiver Rock der End-1970er Jahre, ist aber auch ausser von
Psychedelik stark von Elementen der Folk-Musik durchsetzt. Musik von dieser Art
sucht man vergebens in den Plattenabteilungen der Warenhäuser, und man
dürfte sie selbst in Schallplattenläden kaum finden.

Die finnische Sprache wirkt im Ausland faszinierend

Im Falle von Kosmos haben die beiden von ihnen bisher erschienenen
Scheiben, "Tarinoita voimasta" (Geschichten von der Kraft) aus dem Jahre
2005, und "Polku" (Fußweg)aus dem Jahre 2007 ihren Weg außer auf die
Netz-Seiten der Gruppe selbst auch in zahlreiche Netz-Radios hinein und
auch auf verschiedene Fan- und Bewertungs-Seiten gefunden.

Dutzende von kritischen Betrachtungen kamen im Netz zu den Platten
hervor, und eine rege Diskussion über die Musik der Gruppe hat sowohl Asien
wie auch Südamerika erfasst.

Und dies, obwohl die Platten auf Finnisch aufgenommen sind.

- Offensichtlich steigert dies das Interesse, da Finnisch doch als
etwas Exotisches gilt, auch vom Standpunkt gerade von japanischen Fans her,
bemerkt dazu Valtonen, der hauptamtliche Texte-Schreiber der Gruppe.
Die lyrischen Botschaften sind jedoch für die Musik von einer derartigen
Bedeutung, daß man mit der Platte eine englische Übersetzung davon mit
dazu erhält.

Einen wesentlichen Anteil an dem, was Kosmos im ganzen ausmacht, trägt
auch Kirsti Lento mit ihrer Künstlerarbeit für die Plattenumschläge,
welche einen Hauch von Mystik mit sich bringen.

Ein entscheidender Faktor für Kosmos ist auch die Tatsache, daß die
Gruppe im Obergeschoß des Einfamilienhauses von Olli Valtonen eine eigene
'Kosmos Factory' hat.

- Da uns die Zeit im Studio nichts kostet, haben wir die Möglichkeit,
alles mögliche auszuprobieren, stellen die Musiker fest.

Von Korppoolaismäki aus, wo die Gruppe heimisch ist, wird das auf
Master-Tape aufgenommene Material in die Tschechische Republik geschickt, wo
die Vinyl-Scheiben der Gruppe gepresst werden.

Nein danke! zu Tourneen

Die Geschichte von Kosmos lief im Jahr 2005 an, als der im Laufe der
Jahre an etlichen Projekten mitgewirkte Valtonen und der Komponist und
Multi-instrumentalist Ismo Virta sich dazu entschlossen, gemeinsam etwas
Experimentelles zu unternehmen. Mit hinzu kamen dann die
Gesangssolistin Päivi Kylmänen, der das Schlagzeug und Tasteninstrumente bedienende
Kimmo Lähteenmäki, der Gitarrist und Conga-Trommler Aapo Helenius und
der Gitarre und Bass spielende Kari Vainionpää. In den Phasen, während
denen die Platten aufgenommen wurden, kam in den Studios von
Korppoolaismäki noch eine ganze Schar von weiteren Künstlern auf Instrumenten zu
Besuch vorbei.

Kosmos ist hin und wieder als eine Band von älteren Hippies bezeichnet
worden, aber eine solche Charakterisierung ist irreführend. Das Alter
der Gruppenmitglieder ist bei den meisten erst über dreißig Jahre, und
zum anderen gehen alle der Musiker tagsüber einer Arbeit nach.

- Es gibt unter uns ein paar akademische Gabelstapelfahrer, einen
Wachtposten, eine Krankenpflegerin und einen Studenten, zählt Ismo Virta es
auf.

Als wesentlicher Bestandteil im Leben einer Band werden lange Etappen
im heruntergekommenen Tournee-Bus und nächtliche Kaffeepausen in
Raststätten für Lastwagenfahrer angesehen. Bei Kosmos verhält sich die Sache
jedoch genau andersherum. Die Musiker machten nur unter der Bedingung
mit, daß die Gruppe nicht auf Tournee gehen wird.

- Wir sind mit diesen Scherzen durch, und es interessiert uns nicht
mehr. Außerdem wäre es in der Praxis auch unmöglich, da alle von uns so
viele Projekte und so viel an Arbeit am Wickel haben, und Päivi obendrein
in Stockholm lebt, bemerkt Kimmo Lähteenmäki, der sich seine eigene
Lust, mal auf Tournee zu gehen, innerhalb den Reihen der Gruppe Viima
(kalt schneidender Wind) befriedigen geht.

Die bisherigen Platten von Kosmos sind in einem Abstand von genau zwei
Jahren herausgekommen. Den Rhytmus will man angeblich auch weiterhin
beibehalten, so daß es also unter diesen Vorzeichen die dritte Platte im
März 2009 geben wird.

- Unsere Musik wird vielleicht ein bißchen mehr in Richtung Folk-Musik
gehen. Wir haben auch beschlossen, daß es auf jedem Album einen
Cover-Song geben wird, gewissermaßen ein Hinweis zu Ehren unseres eigenen
Lieblingsstücks, meint Olli Valtonen.

Kimmo Lilja

Wenn Notstände keinen Aufschub mehr vertragen

Porno in der Physikstunde

(aus dem hauseigenen Blog der Zeitung Turun Sanomat, übersetzt ins Deutsche)

Was ist der Gipfel aller Bedauerlichkeit? Pornobilder, die auf dem
Mathe-Rechner heruntergeladen werden. Die Kalkulatoren der Höheren
Mathematik bei uns auf dem Gymnasium waren schon so weit entwickelt, daß man in
der Lage war, dieselben, außer mit Spielen wie Bubble Bobble und Super
Mario, auch mit Porno vom Netz zu beladen.

Daß die Bilder ein einziger Pixelverhau waren, spielte dabei keine
Rolle. Nur mit einem guten Willen konnte man nämlich dieselben als Porno
erkennen. Am meisten zählte dabei, daß man es hingekriegt hatte, aus
etwas so Banalem, wie einem Rechner, ein geiles und verbotenes Gerät zu
machen.

"Den Instrumenten-Freak-Wahnsinn zu solchen Extremen getrieben, daß es
schon eine sprachlose Würdigung erregt," meinte mein Freund zu der
Angelegenheit.

Oder könnte es sein, daß es sich um einen schieren sexuellen Notstand
handelt, den es gilt, sogar in der Stunde für Höhere Mathematik zu
befriedigen? Eine Mathematik-Klasse ist vielleicht der Welt dritt
unerotischste Platz auf Erden.

Liebe Leser, könntet Ihr eventuell Vorschläge dazu machen, welche die
zwei noch weniger erotischen Plätze waren?

Julia Thuren
(11.6.2007)

Anm.: Es gibt keinen weiteren Eintrag auf diesem Blog mehr

13
Jun
2007

Sich es gemütlich in der freien Natur einrichten - so daß es nur noch schöner sein könnte, wenn es kein Geld mehr gäbe

Eine Lebensveränderung zugunsten der Familie

(ein Bericht aus dem Sonntagssonderteil der finnischen Zeitung Turun
Sanomat vom 10.6.2007, übersetzt aus dem Finnischen)


Minnamari Marttila ereiferte sich zehn Jahre lang für eine Karriere in
der Hauptstadt im Dienste eines großen Konzerns. Das nahezu rund um die
Uhr sich abmühende Energiepaket brachte es in rasantem Tempo bis in die
Führung des Konzerns hinein.

Dann kam das Baby. Nach einem rekordmäßig kurzen Mutterschaftsurlaub
machte Marttila die Feststellung, daß jedesmal, wenn sie ihr Kind zu
sehen bekam, es gerade am Schlafen war. Eine Lebensveränderung ließ dann
die Familie aufs Land hinaus nach Talerei (Taalintehdas) gehen, mitten
hinein in die blühendste Landschaft der dem südlichen Festland Finnlands
vorgelagerten Schäreninseln der Provinz Turku.

- Der beste Entschluß meines Lebens war es, daß, wenn ich mir von etwas
mal einen Traum ausgemalt habe, er auch alsbald zur Verwirklichung
gebracht werden sollte! entfährt es einer vor Lebensfreude sprühenden
Marttila.

Vor gut zwei Jahren stach die Familie Marttila schnell mal wieder in
ihrem Sommerhäuschen auf Västanfjärd vorbei und beide versprachen sich
damals gegenseitig hochheilig, daß irgendwann einmal, und, sei es erst in
der Pension, hier an diesem Ort ein Traumplatz für sich errichtet
werden würde und man dann einfach auf dem Lande bliebe.

Die beiden Worte Irgendwann und Dann klangen im Ohr von Minnamari auch
dann noch nach, wenn sie, die tägliche Hektik in der Hauptstadt
durchstanden, allabendlich ihr Bündel an Zeitungen durchforstete.

- In der Zeitschrift Wirtschaftsleben sah ich eine Anzeige, in der die
Gemeinde von Dragsfjärd eine(n) leitende(n) Manager(in) für ihre zwei
Töchterunternehmen suchte. Ich sagte meinem Mann: Hei, würde ich nicht
dort dafür tauglich sein? Und als mein Mann mich dann dazu ermutigte,
machte ich mich daran, die Bewerbungspapiere zu schreiben.

Aber erst als der Gemeindeleiter anrief und mitteilte, daß man sich für
mich Minnamari entschieden hätte, um den Unternehmungen der Gemeinde
und der Vermarktung des Gebiets vorzustehen, kam die Idee von der
Lebensveränderung, um sie zur Wirklichkeit werden zu lassen, zum Durchbruch.

- Ich überlegte mir: "Aber Augenblick mal! Wie würde ich mich, die ich
mein ganzes Leben in der Hauptstadt zugebracht habe, dem Leben auf dem
Lande anpassen können?" Je mehr ich jedoch darüber nachdachte, desto
mehr hatte ich das Gefühl, daß es der richtige Entschluß war.

Es gab vieles an praktischen Dingen abzuwägen: Würde es eventuell dazu
führen, daß mein Ehemann sich von seinem angestammten Arbeitsplatz
trennen müßte, oder fände sich eine flexiblere Lösung bis hin zu einer
Fernarbeit? Und wie würde es um die Wohnung stehen?

Die Gemeinde bot als eine Alternative ein Reihenhaus an, das der
Familie als geeignet erschien. Auch mein Mann, der in der IT-Branche
beschäftigt ist, konnte es fertigbringen, daß seine Arbeitsstelle nach Ödwald
(Salo) verlegt wurde, von Talerei aus eine annehmbare Fahrtstrecke.

- Mit einem Schlag war der Aufbruch zu neuen Ufern Wirklichkeit
geworden.

- Ich bemerkte, daß es nur noch gut einen Monat bis zum Umzug hin war,
und ich immer noch keine Tagesstätte für die zweijährige Ronja gefunden
hatte. In Espoo mußte man fast ein Jahr auf eine Tagesstätte zuwarten.
Ich machte einen Anruf und fragte vorsichtig an, ob es denn irgendwie
anginge, für meine Ronja noch eine Tagesstätte zu organisieren - und
bekam zur Antwort, daß man nur darauf gewartet hätte, wann ich denn
endlich anrufen würde. Jeder kennt hier eben jeden, und alle wissen, wer in
die Gemeinde kommt.

Für Ronja war eine zweisprachige Tagesstätte mit dem Namen Kottebo
gefunden worden. Die in einem Holzhaus in einem Birkenwäldchen entlang des
Weges arbeitende Kleine Tannenzapfen-Höhle (Käpykolo) ist wie eine
Großfamilie mit mehreren Müttern: Es gibt dort gerade mal 12 Kinder. Ronja
hat obendrein zusätzlich zu einer naturnahen Tagesumsorgung mithin auch
noch eine fliessende Zungenfertigkeit im Schwedischen erhalten, worum
ihre Mutter sie sehr beneidet: Das Beschäftigtsein mit Führungsaufgaben
für eine zweisprachige Gemeinde ist eine Herausforderung, die die
Energiereserven in Anspruch nimmt. Davon hat Minnamari zwar zur Genüge.

Minnamari Marttila bringt ihre Schaffenskraft nun in der Vermarktung
von Dragsfjärd und dessen Gemeindezentrum für die anderen, die auch nach
einem Traumplatz für sich suchen, ins Spiel. Das DIT Center, dem sie
vorsteht, bietet denen, die in der Gemeinde einziehen, moderne
Arbeitsräumlichkeiten in einem Hochhaus an, von dessen Fenstern aus man das Meer
im Blickfeld hat. In dem Haus ist auch ein kleines Apartment-Hotel
untergebracht, in dem ein Fernarbeitender übernachten kann. Mietwohnungen
in Naturnähe finden sich für ungefähr sechs Euro pro Quadratmeter: Eine
Zweizimmerwohnung von 50 Quadratmetern bekommt man für 300 Euro im
Monat. Viele der Neusiedler, die eine Familie mit sich bringen, beginnen
umgehendst damit, sich auf einem von der Gemeinde angebotenen Ufer- oder
Waldgrundstück ein Eigenheim hinzustellen.

- Auch andererseits kommt einem das Leben inmitten einer Gemeinde von 1
500 Einwohnern billiger zu stehen: Es gibt kein einziges
Einkaufsschlemmerland, das einen überwältigen könnte, und auch nicht leicht fällt man
einer Muntermacher-Einkaufstour zum Opfer, wie Minnamari sich
ausdrückt.

Drei Läden, ein reger Wochenmarkt, zweimal die Woche, und eine Fahrt
von einer Stunde nach Turku tun auch den Einkaufsgewohnheiten der Familie
Marttila Genüge. Für kulturellen Umtrieb sorgt in Talerei jeden Sommer
das Baltic Jazz-Ereignis, ansonsten gibt es ein Laientheater und eine
virulente Volkshochschule, auf der man fast alle möglichen Hobbys
betreiben kann, angefangen von der Herstellung seines eigenen Finnendolchs.

Trotzdem steht bei den Einwohnern von Dragsfjärd und bei denen, die
dorthin ziehen, eine Lieblingsbeschäftigung höher im Kurs wie alle
anderen: Das Meer und die Bootsfahrt. Ein Fußmarsch von nur fünf Minuten bis
zum Boot hin ist eine gefällige Trumpfkarte in der Hand, und wenn noch
dazu hinter einer kleinen Bootsfahrtstrecke auf Västanfjärd ein weiterer
Traum steht, zu dessen Erfüllung nur noch das i-Tüpfelchen fehlt, die
völlig umgebaute Freizeitwohnung und, wichtiger als alles andere, das
Spiele-Häuschen - nun, dann dürfte es sich erübrigen, danach zu fragen,
wann die Familie Marttila ins hektische Leben von Groß-Helsinki
zurückkehren würde.

Eva Latvakangas

Die Nöte des kleinen Mannes geben letztendlich den Ton an im Zeitgeschehen

Wenn du ein einflußreicher Mann bist, werden oft Bittsteller zu dir kommen. Höre jeden von ihnen freundlich an und laß es nicht so weit kommen, daß er sein Inneres vor dir umstülpt und seinen Leib auskehrt. Auch legt der Bittsteller Wert darauf, daß man ihm zu verstehen gibt, daß man seinem Wort folge - nicke ihm daher öfter zu, während er sein Anliegen vorträgt. Aufmerksames Zuhören erfreut das Herz.

Aus der Weisheitslehre des Ptahhotep, eines Ägypters der vorislamischen Jungen Ära
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12
Jun
2007

Lobpreisungshymne auf den Sonnengott Sawitri aus den edel-gesinnten wedischen Weihe-Schriften Indiens

Gott Sawitri hat sich in seiner goldenen Karosse auf den Marsch gemacht, in der zappen-dustern weiten Leere umherkreisend in Bezug auf uns, seinen Blick auf alle erschaffenen Geschöpfe gerichtet, Menschen sowie Götter zu bequemem Dasein anleitend.

Würdig einer Lobpreisung geht er seinen Geschäften nach, erst auf, dann nieder, seine Rosse glänzen nur so. Aus den äußersten Extremen in der Welt ist Gott mit der Sonne, Sawitri, für uns am Kommen, alle Sorgen und jedwede Gefahr von uns abzuwenden.

Der Gott hat aufs neue wieder seine mächtige, schmucke Karosse bestiegen, lasset uns sie mit Perlen verzieren, die Karosse mit den Achsen aus dem Gold der Sonnenstrahlen. Gelassen in seinem Glanz, durchaus würdig der Verehrung, handhabt er seinen mächtigen Hinwurf, die Dunkelheit dabei zerschellend.

Um die Karosse mit dem goldenen Schaft voranzubringen, haben die Hengste in dessen zwei Lagern in der Welt, die Hufe weiß im Galopp, die Menschheit mit ihren Blicken fixiert. Alle Lebewesen, der Mensch und die Geschöpfe, sind immer dank der erhellenden Sonne einem Wissenden, der das Spektrum der gesamten Entwicklung der Zeit unter der Sonne durchschaut hat und auf den Punkt bringt, Sawitri, im guten anvertraut.

Es gibt dreierlei ideologische Welten: zwei im Busen des Sawitri, die dritte der Bereich des göttlichen In-die-Schranken-Weisers, des Gevatters Tod. Die Unsterblichkeit des Lebens steht fest wie die Achse eines Gefährts. Wer es durchschaut hat, soll es erklären!
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11
Jun
2007

Jugendlich eingestellte Menschen braucht die Welt, um Weltbewegendes voranzubringen

Ich war ein kleines Kind

Ich war ein kleines Kind. Und mit einem fahlen Gesicht
und blau-rötlichen Augenrändern
ging ich empfindsam zur Schule.

Der Rektor war ein alter und ein weiser Mann.
Oft fürchtete ich, er wüßte,
aus welchem Grund mir das Köpfchen schwer wurde.

Und die Tante zuhause, sie schaute auf solche Weise
im Kinderzimmer meiner Augen herein
,
daß ich davonlief und weinte.

Wenn ich die anderen Gesichter der Kleinen sah,
wie sehr haßte ich mein eigenes
und mein wundes Leben.

-- Ah, damals wußte ich noch nicht,
daß niemand, auch kein Mensch
es hier besser hat wie ein anderer.

Der Junge ahnte dies. Und darüber lernte es
der Mann, seine Jugendlichkeit
und seine eigenen Mäkel wertzuschätzen.


(ein Gedicht des Kulturschaffenden Uuno Kailas der finnischen
Feuerträger-Ära zu Beginn des letzten Jahrhunderts [1901-1933], in erstmaliger
Übersetzung ins Deutsche)

Einen Samen für etwas neues zu legen ist einfacher als, etwas zu verändern

Schwächlinge sind es, die immer nur auf das Schicksal pochen, und nicht die Menschenarbeit preisen; Helden schlagen durch Menschenarbeit auch das Schicksal nieder, indem sie ohne Unterlaß sich anstrengen.

Was nicht kommen soll, das kommt auch nicht, und was kommen soll, das kommt auch ohne Anstrengung von deiner Seite; was aber nicht kommen soll, das entwischt dir, läge es dir auch schon auf der Hand.

Wer, wenn er stets abwärts schaut, erscheint sich nicht groß? Alle, die stets nach oben blicken, dünken sich arm.

Sehet ihr nicht, o Leute, daß Tag für Tag aus eurem Körper übelriechender Unrat hinausgeht? Wie könnte das Behältnis solchen Unrats rein sein?

Ein Mädchen wählt sich eine schöne Gestalt, eine Mutter sieht auf Vermögen, ein Vater auf Gelehrsamkeit, den Angehörigen ist es um eine edle Familie zu tun, den übrigen um ein leckeres Mahl.

Aus kleinen und großen Büchern, von überall her nehme der erfahrene Mann das Beste, wie die Biene aus den Blumen.

Eine Katze kauft man sogar von andern für Geld und füttert sie, weil sie Nutzen bringt; eine Maus sucht man auf jegliche Weise zu töten, obgleich sie im Hause selbst geboren wurde, weil sie Schaden anrichtet.

Zuneigung besteht so lange in der Welt, als Gaben gereicht werden. Gewahrt das Kalb, daß die Milch versiegt, so verläßt es die Mutter.

Fürsten, Feuer, Lehrer und Weiber bringen in allzu großer Nähe Verderben, aus der Ferne aber keinen Nutzen: In mittlerer Entfernung muß man mit ihnen verkehren.


SPD-Poster von 1932
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Post-modernes Gedicht eines jungen zeitgenössischen Nordländers

Vier unbetitelte Gedichte

NICHT.FÜR.DIE.SCHULE.SONDERN.FÜRS.LEBEN
stand an der Tür, die ich mehr fürchtete als das Leben selber.
Der Hof erschien von hinter den Weiden her,
in der Seifen-Oper roch die Geschichtsstunde nach.
Ich fürchtete die Assyrer, sie schnitten ihren Feinden Nase und Ohren ab.
Es gab wohl schönere Zivilisationen,
flüsterte das kupferne Lächeln der Ägypter dem Gewölbe der Göttlichkeit entgegen.
Die Glocke läutete, das auf die Schläfen gemalte Auge schlug zu:
Stärke ist nur ein Zufall, der von der Schwäche der anderen herrührt.

Wir lagen auf dem Sofa, die auf dem Stoff eingetrockneten Spermaflecken werden das Meer nie erreichen.
Auf einer Wolke zogen wir uns Salmiak hinein.
Nur als Junge in den Sommerferien konnte man die Zeit ebenso billig vertrödeln.
Die Freundschaft wurde in einem Waschbecken ausgepresst wie ein Putzlappen.

An einer elektrischen Leitung hängt das Paar Jogging-Schuhe herab,
ich kann die Zeichen bereits lesen
ich mache mir keine fiebrigen Vorstellungen mehr, suche nicht mehr,
mir sind der Überzeugung neue Fingersätze gegeben.

So sehr ich Geld liebe
weiß ich nicht wovon ich schreiben sollte.
Die Natur steht mit dürren Beinen schlotternd im Matsch, im Dunkeln.
Die Liebe ist ebenso wie einst, ein schwankendes Nachtlager,
Freundschaft verschleißt sich wie ein Stuhl aus Holz.
In den Abteilen der Flügel-Türen bleibt von uns jeden Tag etwas zurück.
Der Mensch lebt nachahmend,
ich spiele jetzt den einer Arbeit nachgehenden Menschen.

Mikko Viljanen
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10
Jun
2007

Tierisch außergewöhnliche Nachrichten aus aller Welt

Bier verringerte Cholesterolwerte von Nonnen
(7.7.2007)

Ein neuer Beweis dafür, daß Bier gesund ist, wurde erbracht. Eine neue
Untersuchung, unterstützt durch Spaniens Nonnen, zeigt, daß Bier
hilfreich sein kann, indem es den Cholesterol-Pegel sinken läßt. Mit der
Untersuchung wurde auch klar, daß das Bier nicht unbedingt Alkohol
enthalten, und daß man es auch nicht in großen Mengen trinken muß.

Die Untersuchung zeigte auf, daß der maßgebliche Faktor, der die
Cholesterol-Werte herabsetzt, der im Bier in erster Linie vorhandene Hopfen
ist.

50 Nonnen tranken gemeinschaftlich über einen Zeitraum von 45 Tagen
täglich einen halben Liter Bier, wonach sie das Trinken von Bier für ein
halbes Jahr einstellten. Hernach nahmen die Nonnen täglich über eine
Zeit von 40 Tagen 400 Milligramm Hopfen zu sich. Die Werte der an hohem
Cholesterol Leidenden nahm als Folge der Kur um sechs Prozent ab.

"Wir nahmen an der Kur teil, um der Menschheit dienlich zu sein,"
begründete Schwester Almerinda Alvarez der Zeitung El Pais gegenüber ihre
Bierkur.

Die Untersuchung war von Spaniens Brauereiverband finanziert worden.

Bill Gates schloß sein Universitätsstudium ab
(7.6.2007)

Der Milliardär und Gründer von Microsoft kehrte am Donnerstag an die
Universität von Harvard zurück, wo er dereinst sein Studium unterbrochen
hatte. Zwar nur, um sein ihm bewilligtes Ehrenexamen der
Rechtswissenschaft in Empfang zu nehmen.

Gates hätte in Harvard im Jahre 1977 fertig sein sollen, hatte jedoch
ein Jahr davor ausgesetzt.

"Während seine Studienkommilitonen für die Prüfungen büffelten, plante
er eine Revolution, den Aufstieg des persönlichen Computers," sagte
Rektor Steven Hyman aus Harvard.

Muhammed sputet sich, zum Lieblingsnamen in England zu werden
(7.7.2007)

Muhammed ist allen Ernstes dabei, dieses Jahr den Titel des am meisten
bevorzugten Namens von in Groß-Britannien geborenen männlichen
Nachkommen in Beschlag zu nehmen. Geschrieben zwar auf 23 verschiedene Arten,
handelt es sich doch bei allen Versionen um ein und dasselbe.

An der Spitze der Liste steht derzeit Jack, auf welchen Namen dieses
Jahr 7 000 Britenjungens getauft wurden. Muhammed hält sich jedoch wacker
an zweiter Stelle, und ist obendrein dabei, an Vorsprung zu Jack
aufzuholen. Als dritter auf der Liste ist gerade Thomas. Auch Joshua und
Oliver stellen sich gut.

Blamables Ende einer Fahrstunde
(7.7.2007)

Die Fahrstunde eines US-amerikanischen Teenagermädchens an der Seite
ihres Vaters ging blamabel aus. Die 15-jährige Jordan M. Sander krachte
mit dem Pick-up-Auto an die Wand ihrer eigenen Schule, der Jasper High
School. Es entstand dabei ein Schaden von 50 000 Dollar, berichtete die
Polizei.

Personenschäden gab es bei dem Aufprall keine. Die über den Unfall
berichtende Nachrichtenagentur AP wusste nicht zu sagen, ob Sander auch in
der Zukunft noch das Familiengefährt geborgt bekäme.

Bei den olympischen Spielen von Peking wird es auch kein einziges "WC" geben
(6.6.2007)

Bei den olympischen Spielen von 2008 in Peking wird kein einziges "WC"
im Gebrauch sein. Das dürfte sich eigenartig anhören, ist aber die
reine Wahrheit.

Pekings Behörden sind nämlich derzeit schwer damit beschäftigt, alle
möglichen englischsprachigen Schilder und Tafeln zu vereinheitlichen. Auf
dem Klosett-Sektor haben die Behörden dem "WC" eine ganz klare Abfuhr
erteilt. Natürlich wird es in Peking auch weiterhin Klosette geben, aber
diese werden bald allesamt die Bezeichnung "Toilet" tragen.

Auch die Menükarten von Pekings Restaurants werden umgearbeitet. Die
Gäste während den Spielen sollen in der Lage sein, sehr genau zu
erkennen, was sie in einem Restaurant bestellen. Die Speisen erhalten neue
Namen, welche von allen Restaurants und Hotels von wenigstens drei Sternen
übernommen werden müssen.

So wird also zum Beispiel die traditionelle chinesische Delikatesse
"Ameisen krabbeln auf einem Baum" einen neuen Namen haben. Zumal die
Essensration noch keine Ameisen zu sehen bekommen hat. Würde die
Vorgehensweise Pekings in Finnland entsprechend angewendet werden, würden von den
Menükarten bestimmt die Armen Ritter, das Seemannssteak und der
Räuberbraten verschwinden.

Eine Ratte am Tag hält dir die Krankheiten vom Leib
(5.6.2007)

Ein Chinese behauptet, das Verspeisen von Ratten und Fröschen seit 40
Jahren sei das Geheimnis seiner unerschütterlichen Gesundheit.

Jiang Musheng, 66, sagt, daß er als junger Mann recht kränklich gewesen
sei. An allen möglichen Stellen hätte er Wehwehchen gehabt, und nichts
schien, zu helfen.

Die Situation veränderte sich erst, als Yang Dingcai unserem Jiang das
Essen von Fröschen empfahl.

"Zuerst brachte ich es nicht fertig, sie lebend zu essen. Aber als ich
sah, daß Yang es machen konnte, machte ich mich auch daran. Ich nahm
zuerst einen lebenden Frosch und aß ihn auf, dann einen zweiten und so
fort," erzählt Jiang.

Als Jiang einen Monat lang lebende Frösche vertilgt hatte, waren alle
seine Beschwerden verschwunden.

Seither ist die Diät von Jiang Musheng etwas vielfältiger geworden. Auf
der Speisekarte stehen derzeit auch lebende Ratten und kleine Mäuse.
Jiang erklärt stolz, daß er einmal während eines einzigen Tages 20 Mäuse
verdrückt hatte.

wo-finde-ich-die-nackte-Schoene

Mit Klingeltönen hinter Leoparden her
(4.6.2007)

Forstwärter bei Ahmedabad im westlichen Teil Indiens haben eine neue
Methode herausgefunden, wie man Leoparde in die Falle locken kann. Sie
machen sich bei ihrer Arbeit Klingeltöne von Handy-Telefongeraten
zunutze, die das Muhen einer Kuh, das Bläken von Ziegen und das Krähen eines
Hahns nachäffen. Mit den Tönen werden Leoparden angelockt, die sich in
die Nahe einer menschlichen Siedlung verirrt haben, um nach Nahrung zu
suchen.

Laut dem älteren Forstwärter D. Vasan haben sich bei der Jagd die Töne
als effizienter wie lebende Köder erwiesen.

Die Klingeltöne werden aus kleinen Lautsprechern abgespielt, die in
einem Käfig mit einer Falle befestigt sind. Der in den Käfig geratene
Leopard wird zurück in die Wälder gebracht, hinweg von einer menschlichen
Ansiedlung.

Der Welt teuerste Katze
(4.4.2007)

Auf dem Markt der Vereinigten Staaten hat der Welt teuerste Hauskatze
aller Zeiten einen verschmitzten Auftritt gemacht. Die Rasse lautet auf
den Namen Ashera. Das Katzenwesen hat das Zeug von der afrikanischen
Zerbelkatze, von der asiatischen Leopardenkatze, aber auch einen Teil von
einer schlicht gewöhnlichen Hauskatze mit abbekommen. Eine Ashera
erzielt einen Preis von 16 000 Euro.

Das die Katzen veräußernde Unternehmen Los Angeles Lifestyle Pets
preist den Miau-Kumpel als den der Welt größten, teuersten und exotischsten
Schnauzerschelm an. Eine Ashera wirkt mit ihren Streifen und Flecken wie ein Tiger oder Leopard. Ausgewachsen, hat sie ein Gewicht von 16 Kilogramm und Zähne wie ein Raubtier der üblereren Sorte.

Jedoch betont man bei Los Angeles Lifestyle Pets, daß eine Ashera vom
Naturell her äußerst vertraglich und friedliebend sei. Es mache ihr
Spaß, in Gesellschaft mit anderen Tieren und bei Kindern zu sein. Auch
fühlte sich eine Ashera auf der Straße an der Leine wohl. Wenn nur jemand
dann auch die entgegenkommenden Hunde daran erinnern wollte, daß es
diesen Kollegen, wenn er auch nur eine Katze ist, nicht anzukläffen gilt.

Bis jetzt sind soweit zwei Stück der Ashera-Katzen verkauft worden. Der
eine davon lebt in Los Angeles und der andere in Moskau. (Anm.:
Vielleicht hat sich ja der russische Allerweltsbolzen Roustam Tariko eine
ebensolche zugelegt)

Ein Japaner war ganz verrückt nach Frauenkleidern
(4.6.2007)

Die japanische Polizei fand zuhause bei einem 60-jährigen Mann 8 000
gestohlene Frauenkleidungsstücke. In des Mannes Ansammlung von Bekleidung
fanden sich in reichlicher Anzahl allerhand Sachen zum Anziehen,
angefangen von Unterwäsche. Auch befanden sich 600 Kimonos in dem
Kleiderhaufen.

Der Mann hat sich als schuldig erklärt an den Diebstählen, bei denen er
in einem Fall gar ein Hochzeitskleid hatte mitgehen lassen.

"Offensichtlich genießt es der Mann, inmitten von Damenkleidern zu
schlafen. Es scheint, daß er den Geruch von denen mag," vermutet der
Sprecher der Polizei.

Ein Kalifornier stellte einen neuen Rekord im Hot-Dog-Essen auf
(4.6.2007)

Der Kalifornier Joey Chestnut, 23, erbrachte einen neuen Weltrekord im
Essen von Hot Dogs, indem er am Samstag 59 und ein halbes
Würstchensemmel in 12 Minuten in sich stopfte. Der Wettbewerb wurde in der
U.S.-Stadt Tempe abgehalten.

Chestnut hatte sich vormals als zweiter bei der Weltmeisterschaft im
Hot-dog-Essen platziert.

"Er ist unglaublich. Er hört nicht auf und macht einfach weiter. Die
Mengenzahl von Hotties von diesem Kollegen sind in gewaltigem Tempo in
die Höhe gegangen," kommentiert Ryan Nerz, der für eine Organisation
arbeitet, die sich auf verschiedene Essenswettbewerbe konzentriert.

"Ich hatte geglaubt, daß es für den menschlichen Magen und dessen Willen eine Grenze gibt, dem ist aber anscheinend nicht so."

Chestnut gewann eine kostenlose Reise nach New York, Hot dogs für ein
Jahr, und eine Geschenkkarte für ihn, einzulösen in einem
Kaufhauszentrum, von 250 Dollar.

Ein Zirkuskrokodil machte sich auf die Flucht auf
(1.6.2007)

Aus einem ukrainischen Zirkus war ein Krokodil auf Fluchtwege geraten,
berichteten die Behörden am Freitag. Das Tier, Godzi genannt, machte
sich auf eigene Wege auf in Mariupol und hopste in das Meer von Azov,
dessen Strände bei Sonnenanbetern beliebt sind.

Laut den Behörden wurde der einmeterlange Godzi im Meer von Azov
schwimmend gesehen und Beschäftigte des Ministeriums für Notstände
versuchten, es einzufangen.

Trotz Warnungen nahmen viele Ukrainer weiterhin ihr Sonnenbad ein und
einige schwammen sogar in der Nähe des flüchtigen Unholds. Die
Unbekümmertheit der Zeitgenossen hatte die Bekanntgabe gesteigert, daß Godzi
sein Maul an den Kiefern zusammengebunden hat.

In Japan fand sich eine uralte Melone
(1.6.2007)

Archäologen, die im Westen von Japan am Arbeiten sind, glauben, die
Überreste einer uralten Melone ausgemacht zu haben, sagte am Freitag ein
japanischer Beamter. Mit der radioaktiven Kohlenstoff-Methode ließ sich
bestimmen, daß das halbkreisförmige Stück Frucht um die 2 100 Jahre alt
ist, sagte Shuji Yamazaki, ein Beamter der Stadt Moriyama. Das
Fruchtstück dürfte die älteste je gefundene Melone sein, bei der noch
Fruchtfleisch übrig ist.

Die Melone dürfte sich ausnahmsweise gut erhalten haben, da sie sich in
einem vakuumartigen Raum in einer unterirdischen Feuchtschicht befunden
hatte, in der Pflanzen zersetzende Organismen nicht gedeihen.

Mit der Kehrseite Bürgermeister geworden
(1.6.2007)

In Spanien waren vergangenen Sonntag örtlichen Wahlen abgehalten
worden, bei denen unter anderem die Bürgermeister gewählt wurden. Im
andalusischen Dorf Carataunas ging die Bürgermeisterwahl fifty-fifty aus, da
die zwei Kandidaten jeweils 66 Stimmen erhalten hatten.

Nach dem Gesetz von Spanien kann man in einer solchen Situation eine
Entscheidung herbeiführen, indem man eine Münze wirft. Diese
Vorgehensweise wird äußerst selten angewandt, aber in Carataunas entschloß man sich
dazu, die Münze zu werfen.

Salvador Rodriguez von den Konservativen hatte mehr Glück als sein
Konkurrent, der die Sozialisten vertrat. "Es ist Zahl gefallen, sodaß
also ich der neue Bürgermeister bin," sagte Rodriguez, nachdem die Münze
auf die von seinem Standpunkt her richtige Seite gefallen war.

Vor dem Wurf der Münze schätzte Rodriguez seine Siegeschancen als
gering ein. "Ich hatte in letzter Zeit nicht viel Glück gehabt," stellte er
fest.

Das Ungeheuer von Loch Ness zeigte sich wieder einmal
(1.6.2007)

Das legendäre Monster von Loch Ness war wieder einmal in Erscheinung
getreten, wie die Internet-Seite news.com.au berichtete. Und dieses Mal
wurde die Superberühmtheit auch auf einem Videoband eines Amateurwissenschaftlers aufgezeichnet.

"Ich konnte meinen Augen nicht trauen. Ich sah ein 15 Meter langes
Ungetüm, das sich mit schneller Geschwindigkeit im Wasser fortbewegte,"
erzählt der 55-jährige Gordon Holmes.

Holmes schätzte, daß die Geschwindigkeit der Gestalt so um die zehn
Kilometer in der Stunde betrug.

"Meiner Meinung nach könnte es sich um einen riesigen Aal handeln. Ein
solcher könnte die ganze Legende von dem Ungeheuer von Loch Ness
erklären," wie Holmes die Freuden der Monsterbegeisterten abflachen läßt.

Das Ungeheuer von Loch Ness war zum ersten Mal in den 1930ern
photographiert worden. Danach waren von dem Ungeheuer des 230 Meter tiefen Sees
4 000 weitere Beobachtungen gemeldet worden.

(sämtliche Artikel aus dem Finnischen übersetzt)

7
Jun
2007

Banken können in einer Welt ohne Geld eine andere Funktion übernehmen

Banken führen eine heimliche Klassifizierung der Person ihrer Kunden durch

(aus einem aktuellen Bericht einer nordeuropäischen Hauptstadt-Zeitung [6.6.2007], übersetzt ins Deutsche)

Die Banken haben begonnen, der Person ihrer Kunden Ziffern und Buchstaben auf der Grundlage von deren Kreditwürdigkeit zuzuweisen. Die Finanzinstitute teilen Personen wie aber auch Unternehmen beispielsweise in zehn verschiedene Kategorien ein - bzw. sie ordnen diese für sich nach ihrem eigenen Wertungssystem (Rating) zurecht.
Die Banken reden nicht gerne über ihre Bewertungsmethode. Natürlich wird diese von allen als ein strenges Betriebsgeheimnis behandelt....

Einen Hinweis über seine eigene Kreditibilität-Kategorie kann man aus der Tatsache erhalten, wie hoch die Zinsmarginale ist, die man der Bank bezahlt. Eine gute Kreditwürdigkeit führt im allgemeinen zu einem niedrigeren Preis für ein Darlehen, also zu einer niedrigen Marginale, aber der Preis eines als schwächer bewerteten Kunden für ein Darlehen ist ein höherer.

"Im Prinzip ist es so, aber heutzutage haben auch die Marktsituation und viele andere Faktoren einen Einfluß auf die Zinsspanne. Aber es ist richtig, ein kreditwürdiger Kunde hat im allgemeinen eine niedrige Marginale," sagt ein leitender Bankmann....

In allen Banken wird betont, daß es immer ein Mensch ist der den eigentlichen Kreditvergabe-Beschluß trifft, was auch immer die Kreditwürdigkeitsklasse aus dem Computer einer Person sein mag.
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Keines von den so wenigen uneinträglichen, dafür aber so richtig schönen Festen draußen auf dem lustig-fidelen Lande bräuchte eigentlich je fallengelassen zu werden, wenn es nur das liebe Geld nicht gäbe

Kleine gesellschaftliche, seinerseits sehr zu denken gebende Studie anhand von einem leicht makabren Fallbeispiel mit zwei sich gegenüberstehenden Artikeln, die vom traurigen Ende, aus reiner Geldgier der Verantwortlichen heraus, eines früher sehr beliebten und traditionellen Festtag-Ereignisses - wiederum einmal für den inner- und außereuropäischen Vergleich, wie ich meine, sehr tauglich gewählt - in der tiefen Provinz von Finnland berichten.

Zeitungsbericht vom 20. April 2003 aus den Kurznachrichten des Tages:

Die Gemeinde Dorf Hügel im Bezirk Dreckshofen wacht aus ihrem Winterschlaf auf

(Anm.: die finnischen Eigennamen Kylämäki und Kurala bieten sich hier
sehr schön an, um ins Deutsche übersetzt zu werden)


Die Osterfesttagsbegebenheit läßt Dorf Hügel bei Dreckshofen wieder zu
Leben erwachen. An Ereignissen gibt es im Hauptgebäude von Groß-
Beulenhügeln (Iso-Kohmo), im Hofbereich von Nieder-Beulenhügeln (Vähä-Kohmo)
und in der Experimentierwerkstatt den ganzen Tag über genügend. Im
Kaffeehaus kann man hausbackenes Gebäck kaufen. Den Kindern stehen
Ostermärchen ins Haus. Eine Spielstube wartet auf die kleinen Hofvorsteherinnen
und Bauern. Niedliche, winzige Ostertags-Küken, sowie Schafe mit ihren
kleinen Lämmern gibt es zu bewundern. Zum Programm gehört natürlich
auch das Bemalen von Ostereiern mit der Wachs-Technik.

Leserbrief vom 19. April 2006 in der gleichen finnischen Zeitung:

Warum kam man an Ostern nicht nach Dorf Hügel bei Dreckshofen?

Frohe Ostern denn, hoffentlich kamen dann auch ansehnliche Einsparungen
zusammen, wenn schon die traditionelle Osterfesttagsbegebenheit von
Dorf Hügel bei Dreckshofen abgeblasen war.

Wirklich bedauerlich, daß darüber keine Informationen auf den Weg
kamen, wir von unserer Clique hatten sogar etliche Male im Internet unter
Osterfesttagsbegebenheit des Dorfs Hügel 2006 nachgeschaut. War sie doch
unseren Kindern schon in sechs Jahren zu einer Tradition geworden.
Andere hatten angeblich auf einem ausgedruckten Blatt lesen können, was
sich in Turku an Ostern tut. Trotz des verregneten Wetters zählte ich
bereits während der ersten Stunde der vermeintlichen Öffnungszeit 11
enttäuschte Kinder und, mit dabei, sechs Erwachsene.

Wieviele sind es wohl den ganzen Tag über gewesen, die sich über das
verschlossene Dorf Hügel wunderten. Würde mich echt interessieren, wessen
Beschluß das war und wieviel dabei eingespart wurde.

Fragt Inna L.-J.

6
Jun
2007

Ruhm um des Ruhmes willen allein bringt nichts ein

Sibirien war ihm eine Lehre

(aus dem Sonntagssonderteil der Turun Sanomat vom 3.6.2007, übersetzt aus dem Finnischen)

Das Jahr in einem russischen Gefängnis befreite mich von meinen Jugendträumen, vom Vorantreiben des Friedens und der Waffenabrüstung, wie der demnächst 40-jährige, hauptsächlich in Berlin lebende Mathias Rust in einem Zeitungsinterview mit seinen Erfahrungen abrechnend sagte.

Rust machte vor 20 Jahren (28.5.1987) Geschichte, indem er mit einer Cessna 172-Kleinmaschine neben dem Kreml auf dem Roten Platz von Moskau landete. Jetzt würde er, wenn es möglich wäre, den Flug ungeschehen machen wollen. Das gleiche würden auch die wegen des Flugs entlassenen russischen Offiziere wollen.

Die Berühmtheit brachte Rust kein Glück ein. Nachdem er aus dem Gefängnis freigekommen war, wurde er wegen eines Ladendiebstahls und während seines Zivildiensts wegen einer Messerstecherei mit einem Krankenpfleger verurteilt.

Der durch berufsmäßiges Pokern sich über Wasser haltende, schlaksige, kurzhaarige und sportliche Rust betreibt Dauerlauf und segelt. Der Moskau-Flug hatte ihn um seine Fluglizenz gebracht, letztes Jahr hat er sich jedoch in Südamerika eine neue beschafft.

Der ruhige und zurückgezogen lebende Rust hat nicht den richtigen Lebenspartner gefunden. Vor drei Jahren trennte er sich von seiner zweiten Frau aus Indien.

Risto K. Tähtinen
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Es gibt kein größeres kulturelles Gut, als der trägen, dekonstruktiv wirkenden tückischen Zeit, in der man lebt, mit edlen Pioniertaten die Stirn zu bieten



Posse eines Abends im Sommer

Schau, Liebstes, wie fahl
der Flügelschlag des mit den Wolken fliegenden Vogels ist.
Mit demselben hat sich der Abend bereits mit katzengleichem Schritt ins
Gebüsch verzogen.

Er hält sich versteckt, einen Schalk ausheckend,
und spitzt zu uns herüber.
Ein Verzauberer ist er. Aber auch ich gehöre den Verzauberern an.

Von den Ästen eines Baums, schau nur her, entwendete ich
eine Handvoll Wind
und von deiner Wange das Abendrot
und vom Munde weg Schmetterlinge.

Und trotzdem spielte der Abend uns einen Streich, gewann er das Spiel:
still und heimlich führte er dich und mich von uns selbst hinweg.


(ein Gedicht von Uuno Kailas [1901 - 1933], eines Dichters der
Feuerträger-Ära Finnlands zu Beginn des letzten Jahrhunderts, in erstmaliger
Übersetzung von mir ins Deutsche)


Kurze Vorgeschichte zu einem Epilog:

Der Leiter des Theaters der nordfinnischen Stadt Oulu (Oulu hatte sich
vor einigen Jahren allen Ernstes um den Rang der Kulturhauptstadt
Europas beworben), Jussi Helminen, fordert im Januar 1987 vier
Theaterstudenten aus Helsinki an, um beim Profi-Treffen während der Theatertage von
Oulu "etwas herbes" aufgeführt zu bekommen.
Aus einem Performance-Stück des Gottes Theater wird denn auch ein die Nation
erschütternder Kulturskandal. Der dafür verantwortlich zeichnende Jari
Halonen
und Kumpane werden in den Bau auf Urlaub geschickt.

Der Film von ebenjenem Halonen über das Leben des berühmtesten
finnischen Nationalschriftstellers des vorletzten Jahrhunderts Aleksis Kivi
("Die sieben Brüder")
hat im Januar 2002 seine ganz Finnland einnehmende
Erstaufführung. Im Februar 2002 vermarktet die Filmstiftung Finnlands
den Film von Halonen auf dem Filmfestival von Berlin.

Zitat aus einem Artikel des besagten Jari Halonen aus dem Jahre 2002
zur gesellschaftlichen Funktion von Kunst und zu deren effektiver
Stellung in der Gesellschaft von Heute:


'"Kunst ist eine gesellschaftliche Funktion, sie vermittelt der
Gesellschaft und den politischen Entscheidungsträgern die menschlichen Werte.
Jedoch war die Kunst während der 1990er völlig ins Abseits geraten, und
Beschlüsse sind gefasst worden, die lediglich auf den harten Werten der
Wirtschaft fundieren. Wenn eine Gesellschaft gesund ist, sind die
Beschlüsse auf menschlichen Werten gegründet."

Laut Halonen setzte der Verfall der Kunst in Finnland bereits zu Ende
der 1980er ein.

"Im Januar 1987 war das finnische Theater das letzte Mal in einer
zentralen Position innerhalb der Gesellschaft gewesen. Ich bin stolz darauf,
daß wir die Situation realisiert hatten, das Gottes Theater war
doch nichts anderes als ein Schrei um Hilfe in der Not. Jetzt erst habe
ich begriffen, daß es eine Tat von der Größenordnung eines Aleksis Kivi
war, und daß ich ein Künstler der Schule von Aleksis Kivi bin."

Kivi hatte als finnisch schreibender Schriftsteller der Belletristik
sich gegen die auf Schwedisch publizierende kulturelle Elite des damals
noch unter der Fuchtel Schwedens gestandenen Landes als erster
durchgesetzt, und damit eine Pioniertat geleistet.

In "Gottes Theater" war die Kacke am Fliegen

Wenn Menschen durchbrennen, ist es immer irgendwie ein Notsignal

(Ein Bericht des Finnischen Radios YLE vom 11.12.1987, übersetzt aus dem Finnischen)

Im Januar 1987 stellten vier Schauspieler- und Regisseur-Studenten
während der Theatertage des Nordens von Oulu eine provokatorische
Aufführung auf.

Das Publikum, das sich aus einheimischem Theatervolk zusammensetzte,
bekam, begleitet von hochgehenden Feuerwerkskörpern, Hühnereier,
Exkremente und Feuerlöscherschaum über sich an den Ranzen. In der
Öffentlichkeit wurde das Zuschlagen der "Gottes Theater" sich nennenden Gruppe als
ein terroristischer und faschistischer Akt betitelt. Es wurde sogar
vorgeschlagen, die ganze Theaterhochschule schließen zu lassen. Der
Minister fürs Rechtswesen Gustav Björkstrand forderte die Entlassung des als
Ziehvater der Rabauken angesehenen Professors Jouko Turkka und Lektors
Jussi Parviainen. Als Theaterstudenten, die diese unterstützten, im
Zusammenhang von Demonstrationen von ihnen, Fenster und Mobiliar der Schule
zerbrachen, verloren die Mitglieder des "Gottes Theater" und vier
weitere Studenten für ein Jahr ihre Studiererlaubnis.

Der abschließende Kontobestand aus dem Theaterereigniss vom Januar 1987
in Oulu waren 849 Tagesbußgelder, 40 000 Finnmark für den Ersatz der
Schäden, und Gefängnisstrafen von je sieben Monaten, zur Bewährungsprobe
belassen. Obwohl die dem "Gottes Theater" angehörenden Jari Halonen und
Jorma Tommila zwar an die Einflußmöglichkeiten des Theaters glaubten,
ließen sie wegen dessen gegenwärtiger, fast ausschließlicher Ausrichtung
auf Unterhaltsamkeit einen Aufschrei los.

Ihrer Meinung nach waren jedoch die Coups von Jörn Donner und die
Tagebuchabwägungen von Leif Salmen richtiggehendes Theater der Neuzeit.

Jukka Lindfors


(Hierzu ein Bericht der Turun Sanomat, der die Ereignisse von damals
noch einmal am 28.10.2005 Revue passieren läßt)


In der zweiten Hälfte der 1980er Jahre ließ das finnische Theater die
Menschen wieder ein weiteres Mal in sich zusammenfahren. In den
Fußstapfen des höchst rampenlicht-effizienten Theatermachers Jouko Turkka
folgte eine Schar junger Männer nach, einer umtriebiger als der andere. Von
diesen legte 1987 in Oulu das sogenannte Gottes Theater eines Jari
Halonen, Esa Kirkkopelto, Jari Hietanen und Jorma Tommila eine kulturelle
Schlitzohrnummer hin, bei der die Vorführkünstler herumschnipselten,
sich selbst mit Kot beschmierten, Exkremente auch in die Gruppe der
Zuschauer warfen und daraufhin dann darüber Feuerlöscherschaum sprühten, das
Ereignis des Jahrzehnts, worüber vielleicht am meisten gesprochen
wurde.

Der Akt dauerte so um die zwei Minuten, aber man setzte sich noch über Jahre hinweg weiterhin damit auseinander. Es wurde nach verschiedenartigen Gründen für das Unglück gesucht, von der Psychologie der Individuen bis zu den beklemmenden Nöten innerhalb der Theaterhochschule.

Das ganze Vierergespann wurde für die Tat zu sieben Monaten
Gefängnisstrafe auf Bewährung verurteilt. Außerdem wurde zur Angelegenheit eine
parlamentarische Anhörung abgehalten, bei der der Minister fürs
Rechtswesen die Entlassung des Leitenden Professors der Theaterhochschule Jouko
Turkka und des Lektors für Dramaturgie Jussi Parviainen forderte.
Rektor Outi Nyytäjä schied aus seinem Amt, aber zum Schluß wurden die
Entlassungen für ungesetzlich erklärt.

Wenn man ohne Konzept jemand vor den Kopf gestoßen hat, kann man hinterher nur schwerlich eine gar verherrlichende Erklärung nachreichen wollen

Und doch war es nur ein verkaterter Beschiss!

Eine Stellungnahme aus dem Jahre 2002 von Ahti Ahonen, dem damaligen Intendanten des Stadttheaters und heutigen Leiter des Theaters von Rovaniemi, zur Erklärung von Jari Halonen zum skandalösen Theatercoup von dessen Schauspielergruppe 'Gottes Theater' 1987 in Oulu (übersetzt aus dem Finnischen):

Wenn ein Schiff auf einen Felsen aufläuft, wird ein Meeresbericht
abgegeben, und darin werden alle möglichen Aufprallstöße mit
Naturgewalten erklärt, gegen die heldenhaft angekämpft worden wäre. Ein ähnliches
Streben nach einer Erhöhung findet sich in dem traurigen Versuch von
Jari Halonen einer Erklärung für die Provokation von Oulu im Januar 1987.
Damals waren im Stadttheater von Oulu die Theater-Profis aus dem
nördlichen Finnland zusammen mit am Theater interessierten Menschen aus der
Stadt Oulu versammelt, deren Theaterrealität und kultureller
Bezugsrahmen diesen kleinen Messiasen aus Helsinki völlig unbekannt gewesen sein
mußte, aber eben ein ah so passendes Umfeld für ihr Schmierfinken-Spiel
der Analstufe bot, mit welchem man zu gleicher Anerkennung gelangen
wollte wie ebenjene Berühmtheiten, die Halonen als Kind damals im
Straßenbahnwagen zusammen mit seiner Mutter auf Werbebildern sah. Nur, daß die
Ehrung hier keine Rolle spielte: es sollte schon genug sein, wenn man
nur berühmt würde, und um dieses Ziel zu erreichen, wurde ernsterdings
eine Handlung ersonnen. Aufgabenstellung war es gewesen, uns armen
Tölpeln der Peripherie die Methodologie der Theaterhochschule nahezubringen.
Aber da die Hausaufgaben nur schlecht gemacht waren, schuf das
drittklassige Bier des Speisewagens einen Boden für eine Betriebssamkeit, in
deren Schatten die Konzentrat-Feuerlöscher des Schlafwagens abgezapft
wurden und man dann in aller Herrgottsfrüh auf nüchternen Magen verkatert
sich ausscheißen ging und das so erzeugte Produkt in der Duschkabine
des Hotels in Sicherheit brachte. Als der Blödsinn der Gruppe dann
anfing, sich in einem Handlungsfieber zu verdichten, und sie ein Arsenal von
allerlei Sachen, mit denen geworfen werden konnte, beisammen hatte, war
man denn auch schon bereit für die "Performance".

Insofern irgend ein zu erreichendes Ziel mit der Sache verfolgt hätte werden sollen, mal ganz zu schweigen von einer wohlausgedachten und festgeschriebenen
Zielbestimmtheit, hätte die Truppe sicherlich trotz der Steifheit des
Programmrahmens genügend Zeit gefunden, um ein solches der anwesenden Gruppe
von Augenzeugen mitzuteilen. Hingegen war die Aufführung aufgemacht durch
ein "Bis auf die Unterwäsche aus der Schale Schlüpfen", das Werfen von
Scheißdreck auf das Publikum hin, ergänzt durch einen Hagelregen von
Jogurtbechern und platzenden Geschossen, und durch ein fluchtartiges
Verlassen des Ortes inmitten von Nebelschwaden aus Löschgeräten. Nachdem
sie sich vom Ort des Geschehens fortgestohlen hatte, kam die Gruppe dann
in einer örtlichen Kaffeestube zu einem Klubtreffen der gegenseitigen
Belobigung zusammen, wo man sich damit brüstete, daß man echt stark
gewesen wäre und es nun ihnen aber tüchtig gezeigt hätte.
So war es gewesen, und nichts anderes!
Von wegen "im Geiste eines Aleksis Kivi gehandelt"!
Einen Scheißdreck war so gehandelt worden.

5
Jun
2007

Das Negative im Leben auf der Welt ist ein Instrumentarium der himmlischen Kräfte, um damit bei all dessen trägen Elementen mehr an Positivem im Leben hervorzubringen

Der wegen eines für die biederen Kunstbeflissenen des nördlichen Finnlands zum Himmel stinkenden Theaterstreichs von 1987 schwer gerügte Jari Halonen aus der damaligen Helsinkier Theaterstudentengruppe GottesTheater rechtfertigt sich, das meiste davon hier nun ins Deutsche übersetzt, gegen die gegen ihn erhobenen Vorwürfe in einem an die Theaterleiter Jussi Helminen und Ahti Ahonen gerichteten Antwortschreiben des Jahres 2002:

Halonen antwortet den Theaterleitern Helminen und Ahonen

Mein erster Kontakt zu Jussi Helminen war ein paar Monate vor der
berühmt-berüchtigten Vorstellung des GottesTheaters zu Ende der 1980er in
Oulu. In Finnlands Theaterhochschule war das von Erik Söderblom
geschriebene und inszenierte skandalöse Drama Eine Krankheit aufgeführt worden.
Ich war als Schauspieler mit bei dem Projekt dabei. Zur gleichen Zeit,
als das Schauspiel auf der Bühne gezeigt wurde, saß dessen Verfasser
und Intendant Söderblom im Zuschauerraum und kommentierte die Situation
des Stücks und die der Weltlage durchs Mikrophon. Das A-Studio hatte
u.a. die Aufführung aufgezeichnet, es wurde zu einem Bühnenstück, das gut
ankam, dem Intendanten wäre es beim ersten Abend fast dabei schwindlig
geworden, und so weiter. Die Vorstellungen waren eine feine Sache und
sie lösten ein Aufsehen aus, das die ganze Nation erfasste. Mit hinein
in den Skandal und in den nationalen Lichtkegel der Öffentlichkeit
drängte es Jussi Helminen, den damaligen Leiter des Stadttheaters von Oulu,
der die Angelegenheiten des Nordens als seine eigenen empfand, der sich
bei der Darbietung von Eine Krankheit neben den Intendanten Söderblom
im Zuschauerraum hinsetzte, und mittendrin während des Bühnenspiels dem
Intendanten wiederholt zusteckte: Erik, ich bin doch Jussi Helminen,
der Leiter des Stadttheaters von Oulu, mach' von mir Gebrauch, mach' von
mir Gebrauch!

Nun, Söderblom hatte nicht von ihm Gebrauch gemacht. Aber Helminen
bekam eine zweite Gelegenheit, um ins Licht der nationalen Öffentlichkeit
zu gelangen (und um auf diesem Wege seine Karriere gen Süden
auszurichten [Anm. Jussi Helminen ist mittlerweile Leiter der Theaters von Espoo
im Süden Finnlands]): das war nun eben das GottesTheater!

Helminen lud das GottesTheater, das ein Teil des
Künstlerwerdungsprozesses von vier Theaterstudenten war, zu den Theatertagen des Nordens ein, um dort von letzteren etwas herbes aufgeführt zu bekommen, damit man das sich allzu breitgesessene Theatervolk der Tage für eine
Theaterdiskussion wachgerüttelt bekäme. Helminen gab vor, das verstanden zu haben,
was auch die jungen studierenden Künstler verstanden hatten: es hatte
sich eine Verunterhaltlichung der Theaterkunstform und ein stilles
Übergehen von deren gesellschaftlicher Bedeutung am Horizont abgezeichnet.
Helminen hat später dann behauptet, daß die Theaterstudenten ihn
hereingelegt hätten. Daß er mit 'herbe' nicht etwas derartig wüstes gemeint
hätte, wie er es bekam. Aber was glaubte er denn von einer Gruppe erwarten
zu können, die sich selbst GottesTheater nannte und die eine Woche
davor in Helsinki einen öffentlichen Auftritt hatte, bei dem die Studenten
am Kreuze hingen, sich selbst geißelten, und Abgase in den Bühnenraum
geleitet wurden? Behauptet Helminen ernsthaft, daß er glaubte, eine
Theatergruppe der Heilsarmee eingeladen zu haben? Das gleiche gilt auch für
Ahti Ahonen.

Helminen und Ahonen behaupten, das GottesTheater wäre in den Norden
gegangen, um sein provokatives Theaterspiel vorzutragen, da sie sich nicht
getraut hätten, und es auch nicht gewollt hätten, dasselbige im Süden
vorzutragen. Die Wahrheit ist, daß wir nach Oulu kamen, da der Leiter
des Theaters Helminen uns dahin eingeladen hatte, und noch dazu von uns
etwas herbes und bezugnehmendes erwartete.
...

Möge die Stadt Kajaani Euch von Rovaniemi eine Lehre sein - dort haben
wir es mit einer Gemeinde zu tun, die für Kulturschaffende, die einen
Durchblick haben, Verständnis hat! Und dies zahlt sich zum Wohle aller
des Bezirks auch aus. Kunst und gesellschaftlicher Aktivismus sind keine
einfachen Dinge. Da sie aber Hand in Hand einhergehen, sollte ein
Professioneller zumindest zu einem gewissen Grad etwas davon verstehen.
Helminen z.B. glaubt zu seinem Pech, daß die Bedeutung von Kunst in
Zuschauerzahlen gemessen wird! Ahonen wiederum kennt die Grundbegriffe des
Theaters nicht. Er versteht nicht, daß die Provokation eines der
wesentlichsten Elemente der Theaterkunstform ist, ob einem das nun gefällt oder
nicht. Er hat sich aktiv darum bemüht, die wirklichen Vorgänge des
Jahres 1987 vergessen zu machen, obwohl gerade er, als fünftes Mitglied des
GottesTheaters, hätte wissen müssen, daß das Publikum des Stadttheaters
von Oulu um 10 Uhr am damaligen Morgen alles Theater-Professionelle
waren, die so ähnlich wie er selber eingestellt sind. Die Provokation traf
Ahonen and Helminen auch am wunden Punkt, aber deren konservatives
Weltbild hat es nicht aufgeschlossener gemacht.

Wenn jene Leiter eines Theaters die GottesTheater-Gruppe mit ihrem
eigenen Tun als Theaterleiter vergleichen wollen, so kann ich darauf nur
antworten, daß ich zum Beispiel nichts weiter hätte zu tun brauchen, als
in ihren Büros Fürze zu lassen, dann hätte es dort mehr an Geist, an
Können, an gesellschaftlichem Aktivismus, und was sonst noch, gegeben,
als diese je zustande gebracht haben.

Leider können bei solchen Kapazitäten von Leitern eines Theaters die
Theatermacher selbst ihre Rolle als bildende Erzieher ihres Publikums und
als Errichter der Kultur ihrer Gemeinschaft, also als Künstler, nicht
erkennen - sondern bloß als Unterhaltungskünstler.

Und zum Schluß noch die provokatorisch unumstrittenen Theaterfakten:
Im Januar 1987 war das Theater Finnlands zum letzten Mal in einer
zentralen Position in unserer Gesellschaft gestanden, hatte zum letzten Mal
einen direkten Einfluß auf politische Beschlußfassungen ausgeübt. Und
wenn es auch damals das eine Mal etwas negatives an sich hatte, so hat
es sich doch zum Positiven gewendet, indem es das äußerst kleinliche und
konservative, ängstliche und die Märkte ableckende Weltbild derer
bloßlegte, die in kulturellen Zirkeln ihrer Zeit einflußreiche Stellungen
innehalten.

Theaterleiter Jussi Helminen und Ahti Ahonen sei folgendes gesagt:
In Ihrer Gedankenwelt gab es damals und gibt es noch weiterhin mehr
Scheißdreck als in der Performance von Oulu an die Mantelkrägen Ihrer
Kollegen flog.

Jari Halonen
Filmregisseur
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Musikalisches


Amy Martin
Day of Reckoning

Pekka Pohjola von der finnischen Jazz-Rock-Band Wigwam, verst. im Nov. 2008
Pressure

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Suche

 

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Zuletzt aktualisiert: 21. Okt, 16:19

Immer mehr sind fürs Geldabschaffen!

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aber nur wenn es das Geld nicht mehr gibt. Packen wir's an, es wegzupacken!