31
Mai
2007

Da im Grunde keine Notwendigkeit besteht, Menschen zu übervorteilen, muß die Menschheit letztendlich auch nicht für immer am Geld kleben bleiben

Kyösti, ein dreifach Begnadigter

(ein Artikel aus der Sonntagsbericht-Sparte der finnischen Zeitung
Turun Sanomat vom 27.5.2007,
übersetzt aus dem Finnischen)

Die Jugend von Kyösti Erkinkorpi war gespickt mit Raubdiebstählen,
Waffen, Drogen, Gewalt und Gefängnissen. Auf einer Parkbank in Stockholm
vollzog sich die totale Kehrtwendung. Anstelle einer Schrotflinte hat er
nun eine Bibel unter der Achsel und hinter ihm liegt eine lange
Laufbahn als Evangelist, der die Gefängnisse der Welt turnusmäßig besucht.

Was macht aus einem Menschen einen Kriminellen?

- Nicht so einfach, diese Frage. In meinem Fall ist es so gekommen, daß
die Dinge schon in meiner Kindheit anfingen, schiefzulaufen, sagt der
Gefängnisevangelist Kyösti Erkinkorpi, 60.

Die Familie des kleinen Kyösti besaß Ende der 1940er Jahre in der Stadt
Kuopio ein wohlbegütertes Heim. Die Mutter eine Lehrerin, der Vater ein
erfolgreicher Bauunternehmer, ein Ehepaar mit einer Tochter und einem
Sohn. Am Strand des nahegelegenen Sees, inmitten der stilvollen Möbel
passierte jedoch dann Schlimmes.

- Vater hatte den Krieg mitgemacht. Er kam mit seinen Nerven am Ende
vom Krieg zurück, die Fähigkeit, Stress zu ertragen, war bei ihm gleich
null. Heutzutage würde Depression diagnostiziert werden, doch zur
damaligen Zeit gab es keine Medikamente für derartige Zustande von
Bedrücktheit.

Außer einem einzigen: Alkohol. Der Alkohol riß denn auch den Vater des
kleinen Kyösti mit sich mit.

- Bei uns zuhause herrschten Furcht und Unsicherheit, Aggressionen und
zerbrochene Flaschen. Als ich sechs Jahre alt war, kam der totale
Zusammenbruch auf uns nieder. Vater brachte am Heiligabend vier Kollegen mit
zum Trinken zu uns nachhause. Die Männer fingen untereinander an, sich
zu streiten, erzählt Kyösti.

Vater begann, mit der Waffe herumzuballern, und die Gäste verzogen
sich. Waffen waren damals bei den Männern zuhause, die im Krieg gewesen
waren, eine weitverbreitete Sache.

- Als Vater damit anfing, uns Kinder mit einem Soldatengürtel zu
schlagen, schritt die Mutter dazwischen. Wir flohen in die Küche, aber Vater
kam hinterher und sagte: "Jetzt bringe ich euch um." Er nahm vom
Spültisch ein Brotmesser, und begann, auf Mutter zuzuschlagen.

Kyösti floh mit seiner zwei Jahre älteren Schwester in den
Treppenaufgang eines nahegelegenen Reihenhauses.
- Wir mußten nicht sterben, aber innerlich sind wir es.

Die Mutter war schwer verletzt worden. Der Vater kam ins Gefängnis.

- Späterhin machte sich Vater nach Amerika auf. Er verkaufte den
Besitzstand der Familie und ließ uns am Hungertuch knabbern, so daß wir von
der Gemeinde durchgehalten werden mußten.

Ein Junge aus Savo im Knabenheim von Lauste

Die Familie war in der Gemeinde sehr bekannt, und die tragischen
Ereignisse lösten auch Schadenfreude aus.

- Wir Kinder liefen in geborgten Kleidern herum und waren oft in
Kinderheimen, da Mutter nicht mehr konnte. Besonders die anderen Kinder waren
gemein.

Kyösti Erkinkorpi paßte nicht in die Schule, und die Behörden
beschlossen, den 13-jährigen Jungen in die Erziehungsanstalt von Lauste zu
schicken, welches auch Knabenheim genannt wurde. Kyösti wurde von seiner
Schwester entzweit.

- Ein Junge aus Savo in Turku... Ich wurde schon allein wegen meines
Dialekts zu einem Dorn im Auge. In der Erziehungsanstalt herrschte zu
jener Zeit eine genaue Gruppendisziplin und Unterwürfigkeit. Ich erinnere
mich noch gut daran, wie ich an den Eichentisch der Kanzlei gebunden
und mit einem Röhrchenstecken traktiert wurde.

Kyösti fand sich nicht dazu bereit, sich zu unterwerfen. Er sagt, daß
er von seiner Verwandtschaft von Mutters Seiten gelernt hat, daß das
Vorbringen der eigenen Meinung etwas erlaubtes ist.

- Wir waren zusammen 120 Kerle an einem Ort. Akzeptanz erzielte man nur
durch rücksichtsloses Benehmen. In jener Zeit waren 80 Prozent aller
Häftlinge von Finnland Zöglinge von Schulheimen. Die Schulheime waren
eine Primärschule für die Gefängnisse, erzählt Kyösti.

Nachdem er zwei Jahre lang in Lauste verbracht hatte, kam Kyösti
aufgrund begangener Mißhandlungen und Raubzüge zum Schluß ins Jugendgefängnis
von Kerava.

- Wenn die Zelle abgeschlossen wurde, war ich erleichtert. Endlich
wieder Ruhe!

Die Schwester von Kyösti hatte es bei all den Ereignissen besser
angetroffen, und es wurde aus ihr eine Krankenschwester.

Von zwei Präsidenten begnadigt

Die Armee absolvierte Kyösti mit einer Spezialgenehmigung - sie war
eine Alternative zum Gefängnis. Die Mutter starb jedoch während der Zeit
bei der Armee, und der Junge geriet zu einer räubernden Clique und
wieder ins Gefängnis. Hernach bekam Kyösti eine Begnadigung durch Präsident
Urho Kekkonen. Es hatte sich ein Speziallehrer dafür eingesetzt, der
ein Bekannter von Kekkonen war.

Späterhin wurde Kyösti auch von einem anderen Präsidenten noch
begnadigt, von Mauno Koivisto. Die kriminelle Laufbahn war jedoch von den
Begnadigungen nicht unterbrochen worden.

Nachdem er zehn Jahre lang immer wieder im Knast gelandet war,
entschloss sich Kyösti Erkinkorpi, sich endlich zusammenzureißen.

- Ich dachte daran, mich in die Gesellschaft zu integrieren. Ich
verheiratete mich in Kuopio und bekam im Jahre 1974 einen Sohn. Vom
Gerichtshof trafen jedoch weiter ältere Urteile ein, und es kam so weit, daß ich
noch ein paar Jährchen absitzen mußte. Dies ist ein großes Problem,
sogar jetzt noch. Urteile hängen jahrelang in der Luft, und einer, der
sein Leben wieder in Ordnung gebracht hat, muß rein deshalb wieder in den
Bau zurück. Dem hält kein Verhältnis mit einem Lebenspartner stand.

So ist es auch Kyösti ergangen. Die Gemahlin hatte im Frühjahr 1979 das
Haus verkauft, das gemeinsame Kind in Finnland zurückgelassen, und sich
ins Ausland, nach Schweden und Dänemark, verflüchtigt.

- Ungemein herabsetzend, noch gemeiner hätte sie es nicht machen
können! Nachdem ich freigekommen war, machte ich mich hinter meiner Ex-Frau
her. Ich hatte mich entschlossen, daß sie zwischen Brettern, und ich in
Eisen, nach Finnland zurückkehren werde. Ich war jedoch stets um eine
oder zwei Wochen zu spät auf ihre Spur gekommen, zum Glück.

Bankeinbrüche, Drogen - und Jesus

Im Stadtteil Hallunda von Stockholm schloß Kyösti sich einer Gang von
zwanzig, dreißig finnischen Kriminellen an. Die verruchten Banditen
begingen Bankeinbrüche und betrieben Handel mit Drogen. Kyösti schlief mit
der Schrotflinte unter der Achsel und war Zeuge vom Tod manch eines
Kollegen.

- Einem wurde das Hirn auf die Straße hinausgeblasen, ein anderer hatte
einen Finnendolch im Bauch, ein dritter erhängte sich in der Zelle. Auf
mich ist geschossen worden, ich bin von einem Auto überrollt und mit
einer Eisenstange auf den Kopf gehauen worden. Ein richtiger Krieg war
das, erinnert sich Kyösti.

Kein Wunder, daß das Leben als aufreibend empfunden wurde. Einmal,
während er auf einer Parkbank saß, erhielt Kyösti einen Gesprächspartner
mit Überraschungen bei der Hand. Ein Mann in seinen Siebzigern erzählte
dem Verbrecher von Jesus und gab ihm Blätter zum Lesen.

- Der Mann sagte: "Du wirst vom Teufel beritten." Er bat mich, in die
Filadelfia-Gemeinde in Stockholm zu kommen, eine Gemeinde der
Pentecostal-Bewegung, die für Finnen eine eigene Abteilung unterhielt. Ich ging
dann auch hin, zusammen mit meinem Kumpel Kakola, aber es hatte mich
viel Überwindung gekostet. Wir hatten Schrotflinten, eine Pistole und
einen Dolch mit uns, erzählt Kyösti.

Nach der Predigt wollte Kyösti vom Prediger wissen, ob denn auch ein
Kerl, so wie er einer wäre, vom Herrn ein Vergeben zu erwarten hätte. Die
Antwort fiel bejahend aus, und der Kittel war damit geflickt. Der
Schwerverbrecher Kyösti Erkinkorpi hatte zum Glauben gefunden.

Reichte bei der Polizei seine Raubbeute und seine Waffen ein

Der frischbackene Gläubige hatte so mancherlei unabgegoltene Sünde noch
auf seinem Konto stehen.

- Ich reichte auf der Polizeiwache 250 000 Kronen an erraubten Geldern
und meine Waffen ein. Zur Erklärung gab ich an, daß ich zum Glauben
gefunden hätte, und die Polizisten versprachen es mir, die Mappe mit
meinen Papieren zu den Akten zu legen, insofern ich nicht mehr entsprechend
auffallen würde.

Er ist dem schwedischen Gemeinwesen dafür sehr dankbar, daß ihm eine
derartige Chance zugestanden wurde. In Finnland wäre das nicht so
ausgegangen.

- Es bedeutete eine große Veränderung, den Menschen wieder Vertrauen
schenken zu können, und zu begreifen, daß keine Notwendigkeit besteht,
die Menschen zu übervorteilen. Zum Glück war es nicht so weit gekommen,
daß ich einen Menschen getötet hätte. Ich möchte gerne glauben, daß Gott
mich davor geschont hat, um für bessere Aufgaben da zu sein.

Kyösti fing damit an, Gefängnisse abzuklappern, und Dutzende seiner
Kameraden haben schon in Bibelzirkeln ihrerseits zum Glauben gefunden. In
der Schar derer befinden sich Verbrecher des schweren Kalibers, wie ein
gewisser Empu der Millionenliga und ein Reijo "Klinu" Roikkanen, der
für einen Mord lebenslänglich bekommen hatte. Unter denen, die zu Jesus
gefunden haben, sind aber auch Polizisten und Personal der Gefängnisse.

- Als ich im Gefängnis von Riihimäki mit Klinu zusammentraf, war dort
als deren zweiter Gefängnisleiter der ehemalige Chef der Wärtertruppe
des Gefängnisses von Kuopio. Ich hatte in Kuopio damals danach
getrachtet, ebenjenen umzubringen. Jetzt waren wir beide im Glauben vereint,
erzählt Kyösti.

Aus dem Kreise der Gemeinde fand sich auch Ehefrau Kaisa, und das
Ehepaar, das in Kirkkonummi wohnt, hält unbeirrbar fest zueinander. Sie
bekamen auch ein gemeinsames Kind, eine Tochter.

- Die Ex-Frau habe ich nur noch einmal zu sehen bekommen. Vielleicht
auch dies eine Anleitung des Herrn, stellt Kyösti verschmitzt fest.

Im Jahre 1982 nahm der höchste leitende Beamte, der für die Betreuung
der Häftlinge in Finnland zuständig war, K. J. Lång zu Kyösti Kontakt
auf. Lång schlug vor, daß Kyösti damit anfange, den Haftanstalten von
Finnland reihum seinen Besuch abzustatten. Lång erledigte die Papiere,
mittels denen der Evangeliengefängnispredigersich freizügig in
Vollzugshäusern bewegen konnte.

"Psychologische Betreuung" in Gefängnissen Rußlands

Die Arbeit fürs Gefängnis und eine Arbeitsstelle in der Salem-Gemeinde
von Helsinki ließen Kyösti im Jahre 1986 nach Finnland zurückkehren.
Ein paar Jahre später weiteten sich seine Touren zu den Gefängnissen auch
auf das Gebiet der ehemaligen Sowjetunion aus. Neben Bibeln und seinen
eigenen Geschichten brachte Kyösti mit seiner Gruppe für die Häftlinge
auch Lebensmittel, Kleider und Arzneien mit.

- Kirchliche Gemeinden waren in der Sowjetunion über siebzig Jahre
hinweg verfolgt worden. Kirchen waren zu Pferdeställen und zu Tanzschuppen
umfunktioniert worden. Prediger wurden keine ins Land hereingelassen,
so daß die Besuche mit der Umschreibung "Psychologische Betreuung"
vermerkt wurden, erzählt er.

- Gefangenenlager waren geheimgehalten, zum Beispiel wusste die
örtliche Bevölkerung von Wolgograd nichts von der Existenz eines
Kindergefängnisses in ihrer Stadt. Ich ziehe den Hut ab vor Präsident Yeltsin, in
wessen Ära unsere ersten Besuche ermöglicht wurden.

Kyösti Erkinkorpi hatte sich die Türen der Gefängnisse geöffnet, indem
er örtliche Behörden, steife und mißtrauische Oberste, die einen großen
Einfluß hatten, zu einer Visite nach Finnland einlud.

Zu Ende der 1990er Jahre suchte Kyösti sämtliche Gefängnisse von
Karelien auf. Auf dem Gebiet gab es 9 000 Gefangene, die alle in
erschütternden Verhältnissen ihr Dasein fristeten. In Weißmeer-Karelien wurden in
das Gefängnis von Nadwoitsa tuberkulosekranke Häftlinge von überallher
aus Rußland verbracht. In einer Neun-Quadratmeter-Zelle konnten bis zu
15 Häftlinge untergebracht sein, und jeden Monat starben über 100
Gefangene.

Von Finnland aus wurden für die Gefängnisanstalten Umsorgungsprogramme
für die an Tuberkulose Erkrankten samt Laboratorien und Kliniken
organisiert. Nahrungsmittel und Bekleidung, genug, um davon auch an die
örtliche Bevölkerung etwas zu verteilen, wurden auf Dutzenden von Lastwagen
herangeschafft.

- In jedem Oblast, Bezirken zu vergleichen, gibt es Hunderte von
Gefangenenlager. In Rußland hat jeder vierte Einwohner irgendwie mit einem
Gefängnis zu tun, entweder als ehemaliger Insasse oder als Verwandter
eines In-Haft-Sitzenden.

Allein an Kindergefängnissen gibt es im Land weit über hundert. Die
amtliche Anzahl von in Haft genommenen Kindern wird als zwischen 18 000
und 25 000 angegeben, aber Kyösti schätzt, daß die wirkliche Ziffer
zehnmal so hoch sei.

- Ein gewisser 12-jähriger erzählte, daß er Lebensmittel und ein
Fahrrad gestohlen hätte. Seine Absicht sei es aber gewesen, nur aus dem
Erziehungsheim wegzukommen, in dem das Kind als ein Landarbeitersklave
gehalten wurde.

"Rußland ist zur KGB-Zeit zurückgekehrt"

Gegenwärtig, zu Zeiten der jetzigen Regierung, ist die Missions- und
Hilfsprogramme-Arbeit beträchtlich erschwert worden, verglichen mit
ehedem. Große Kampagnen, ähnlich der des Tuberkulose-Projekts, sind
mittlerweile unmöglich geworden, und auch das Hinüberschaffen von Hilfsgütern
gestaltet sich nunmehr nur als sehr schwierig.

- In der Epoche von Putin werden die Schrauben fester und fester
angedreht, das Land verschließt sich und kehrt zu KGB-Zeiten zurück. Die
Furcht vor der alten Sowjet-Macht ist klar sichtbar am Zurückkommen.
Jemand, der das System kritisiert, muß mit Problemen rechnen, erzählt Kyösti.

So wie auch ihm selbst ergangen. Vor ein paar Jahren fuhr Kyösti zu
einem Kindergefangenenlager in die Waffenindustrie-Stadt Ufa und
kritisierte die Verhältnisse auf eine Art und Weise, daß es den Behörden unter
den Nägeln juckte.

- Als ich das letzte Mal nach Rußland aufbrechen sollte, kam mir zu
hören, daß ich ein Visumsverbot bekommen hätte. Angeblich sei ich in
Rußland eine unerwünschte Person (persona non grata). Wir sind jetzt dabei,
die örtlichen kirchlichen Gemeinden und deren vertrauenswürdige Leute
ins Zeug zu kriegen, um die Arbeit fortzusetzen.

Die Leute draußen im Land geben offen zu, daß die Religion für sie ein
Vakuum ausfüllt, das der Kommunismus zurückgelassen hat. Die Glaubenden
stellen für manch einen Gefangenen die einzigen dar, die sich um ihn
kümmern. Auf eine hilfsreiche Hand der Gesellschaft kann ein ehemaliger
Gefangener nicht hoffen.

- Manch einer schließt sich uns an, um im zivilen Leben leichter an
materielle Hilfe zu kommen, aber doch gibt es unter ihnen auch solche, die
ernsthaft gläubig sind.

Kirchliche Gemeinschaften sind auch innerhalb der Gefängnisse operativ.
Kyösti erhielt als erster Mann aus dem Westen ein eigenes christliches
Kirchengebäude auf dem Territorium eines Gefangenenlagers von
Archangelsk hingestellt. Häftlinge, die sich auf Schreiner- und Zimmererarbeiten
verstehen, hatten die Kirche mit eigenen Händen für ihn errichtet.

Gefängnisse in über 40 Ländern besucht

Kyösti Erkinkorpi war als Abgesandter des Amts für das Rechtswesen und
den Justizvollzug von Finnland in Gefängnisse von über 40 Ländern
gekommen und ist dabei mit Hunderttausenden von Häftlingen zusammengekommen.
Zur Zeit ist er als internationaler Gefängnisevangelist beim Fernsehen
der Medienmissionsorganisation IRR beschäftigt. Seine Aufgabe ist es,
durch seine Kontakte neue Objekte für die Gefängnisarbeit zu
erschließen.

Die schrecklichsten Gefängnisse befinden sich laut Kyösti in Afrika und
in Südamerika. An vielen Orten muß selbst der Besucher um sein Leben
fürchten.

Zum Beispiel in Sao Paulo in Brasilien sind Aufstände und Geiselnahmen
von Gefängnispersonal an der Tagesordnung. Es gibt tausende von
Häftlinge, und ein jeder sitzt ein Urteil von zwischen 40 und 400 Jahren ab.

- Auf einer gewissen Besuchsreise kamen düstere Gefühle auf. Ich hatte
in meiner Dummheit neben dem Dolmetscher meine Frau mit ihrer Freundin
mitgenommen. Es herrschte eine Hitze von 40 Grad und der Schweiß lief
an uns nur so herab, als wir endlich in der Halle ankamen, und dann
waren da 600 schwarze Männer zusammengebracht worden, wie sich Kyösti an
den Schreckensmoment erinnert.

- Ich zog mein Hemd aus. Die Gefangenen konnten sehen, daß ich bis zum
Hals hoch tätowiert bin, und sie fingen an, zu klatschen. Ich sagte
ihnen, daß ich auch einmal so einer, wie sie selber sind, war, daß ich
weiß, wie es ist. Nach einer Predigt verteilte ich an sie das Heilige
Abendmahl.

Das ist eben diese gewisse Vertrauensseligkeit von der Straße her.

Sari Miettunen

29
Mai
2007

"Sag' deinen Kindern, liebste Erdmutter, wie es um uns steht!"

Weltmilchtag 2007 als ein Zeichen der Zeit?

Auf Freitag, den 1. Juni 2007, ist der Welt-Milch-Tag angesetzt, heuer nun schon zum siebten Mal. Der Tag, der in etlichen Teilen der Welt beachtet wird, wurde von der Nahrungsmittel- und Landwirtschaftsorganisation FAO der Vereinten Nationen ins Leben gerufen. In gut situierten Ländern gehört Milch auf dem täglichen Essenstisch mit hin dazu, aber in vielen anderen Ländern ist dies aufgrund des mangelhaften Zustands der Transporte und nichtvorhandener Möglichkeiten der Lagerung keine unbedingte Selbstverständlichkeit. Jedoch wird überall auf der Welt Milch als eine gute Quelle von sehr wichtigen Nährstoffen geschätzt. Grund genug, einen Tag im Jahr dem Zeichen der Milch anheimzustellen.

"Was aber ist es nur für ein Zeichen der Zeit, das Du uns hier zeigst, liebste Erdmutter, daß ausgerechnet in der selben Woche des Milch-Tages Japans Landwirtschaftsminister, also der Mann, der in Japan landesweit für das Molkerei-Wesen zuständig sein sollte, sich in einer schweren Finanzierungskrise durch einen sündhaft-unmännlichen Suizid verabschiedet hat?"
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Zwischen zwei Sphären im Schraubstock

Ein ungarisches Künstlerpaar, die Malerin Vera Varga (*1979) und der
Dichter Roland Acsai (*1975),
zu Besuch in Finnland im Winter '06/'07

Water-Dancer

Welche Eingebungen einem ungarischen Dichter während eines
Winteraufenthalts im nördlichen Finnland gegeben sein können



Das Ätherische des Geistes mit Händen zu greifen

(aus einem Beitrag des finnischen Malers Henri Hagman, übersetzt aus
dem Finnischen
)

...Der Dichter Ronald Acsai besitzt kein Notizbuch, sondern kritzelt
auf seinem Spaziergang die wichtigsten der Wörter eines Gedichtes, das im
in den Sinn kommt, in den Schnee. Dann geht er die gleiche Route zurück
und stellt diese sicher. Acsais Verhältnis zum Schreiben veränderte
sich, als er Varga kennenlernte. Beeindruckt durch die sinnliche physische
Präsenz der Arbeiten und Materialien der Malerin, begann er sein
Schreibpapier als die Leinwand eines Malers zu betrachten. Die Komposition
formt sich jedoch nach wie vor für einen Dichter aus dem Sinn, und nicht
aus der visuellen oder musikalischen Form eines Texts.
Das Schreiben in den Schnee fängt auch an, mehr Sinn zu machen, wenn
Acsais Arbeitsweise klar wird. Nie kehrt er zu alten Gedichten zurück,
läßt aber auch nie eines unfertig stehen. Ein Gedicht wird innerhalb von
einem, höchstens von fünf Tagen, fertig, denn in der Zeit vergeht das
Geschehen, das vorlag, die Situation geht vorüber, und es ist Acsais
Art, mitten aus der Erfahrung heraus zu schreiben.

Sein künstlerisches Tun und das seines Lebenspartners verbindet gerade
dies, daß beider Ausgangspunkt in der Inspiration liegt, und nicht in
Begrifflichkeiten.

"T. S. Elliot betonte das Schaffen eines konkreten Bildes für eine
abstrakte Idee. Bei mir ist es umgekehrt herum: erst die Beobachtung, und
dann wird nach deren Bedeutung gesucht."

"Die drei von mir veröffentlichten Sammlungen an Gedichten stellen
einen Zyklus in meinem Schreiben dar. Es ist jedoch etwas anderes, im
urbanen Pulsschlag von Budapest zu leben, den verschiedenartigen Impulsen
ausgesetzt zu sein, und unter anhaltendem wechselseitigen Einfluß von
vielen Dingen zu schreiben. Deshalb ist die von mir in Finnland
geschriebene Dichtkunst etwas anderes geworden und ließ ganz klar einen neuen
Zyklus beginnen."

" Früher entstanden meine Gedichte meistens in einem Raum, Finnland aber
bot mir eine Fülle an den Orten, eine Weite. Diese Elemente, wie die
Seen und die Wälder, erfordern klare Gedanken und Reinheit des Geistes -
um von ihnen schreiben zu können. Man muß eins mit der Umwelt werden,
so daß man sie einatmen kann. Zu diesem Zweck muß man sich von anderen
Dingen reine machen. Die Ruhe und das Ätherische des Geistes sind hier
mit Händen zu greifen. Ich verstehe nicht, weshalb man von hier
irgendwohin nach Indien gehen sollte, um so etwas zu suchen
."

"Die beste Methode, sich innerlich zu läutern, ist doch
selbstverständlich die Freude, das Glücklich-Sein. Ich denke also anders als die
Katholiken, welche sagen, daß Leiden läuternd sind."

Dies kommt als eine unerwartete Anrede von Acsai, der in Ungarn als der
ernstzunehmendste betroffene Dichter der neuen Welle ist. Sein letzter
Sammelband Tunnel Day, der sich mit der Depression auseinandersetzt, erfreut sich sowohl bei Kritikern wie bei der Allgemeinheit großer
Beliebtheit. Ich frage, ob nicht eigentlich das Bedrücktsein die Quelle der
Poesie sei, ob nicht das Herzen wächst, wenn es unter Schmerzen schmort.
Und Acsai antwortet mir, daß für ihn die Bedrängungen, die ihm immer
wieder widerfahren, zuallererst eine lähmende Wirkung haben, und bemerkt,
daß der Existentialismus allzu oft mit negativen Gefühlen in Verbindung
gebracht wird. Er hätte es sich derzeit zum Ziel gemacht, demnächst
etwas über die Liebe in existentialistischer Manier zu schreiben...

Henri Hagman

Hier nun im folgenden als Kostprobe ein Gedicht von Roland Acsai,
geschrieben während seines Finnlandaufenthalts, übersetzt von mir ins
Deutsche nach einer finnischen Übersetzung des ungarischen Originals von
Maria Yliheikkilä:

Zwischen zwei Himmeln im Schraubstock

Vor den Einkäufen für den Abend gingen wir an einen
See, an
Dem wir noch nicht gewesen waren,
Und wir stellten uns auf den einsamen
Anlegesteg dort.

Über unseren Köpfen hinweg schwebte eine schwere,
Dunkelblaue Wolkenmasse,
Wie eine formgerecht zurechtgeschnittene
Scheibe aus Stahl. Des
Sees zur Gänsehaut aufgeworfene Wasser
Spiegelte den Himmel äusserst präzise wider,
So, daß es unmöglich war, genau zu sagen,
Wo's nach oben,
Wo's nach unten geht.

Und am Horizont, im
Hellen, schmalen Streifen,
Dazwischendrin,
Schien ein Fabrikgebäude metallen.

"Nur in Finnland bekommt man derart abgeklärte Fabriken zu sehen,"
dachte ich mir,
Als wir auf dem Anlegesteg standen,
Nebeneinander,
Zwischen zwei Himmeln im Schraubstock.

Mehr starke Persönlichkeiten, die sich dafür einsetzten, die Menschen übers Geld hinwegzuhelfen, und diesen auch ein großes Glück im Leben, möchte man sich gerne wünschen in dieser unserer heutigen Welt

Solche starken Leute bräuchte die Welt viel viel mehr : Isabelle Eberhardt und ihr kurzes, aber sehr intensives Leben (1877 - 1904)


Nathalie Eberhardt heiratete einen General des Zaren Alexander III. Nach der Geburt ihres dritten Kindes brannte sie mit dem Hauslehrer Alexander Trofimowski ("Vava") durch. Der Armenier war russisch-orthodoxer Priester gewesen, aber unter dem Einfluss Michael Bakunins (1814 - 1876) Anarchist geworden. Nathalie de Moërder nahm ihren Mädchennamen Eberhardt wieder an und bezog mit Alexander Trofimowski und den Kindern ein Haus in Meyrin bei Genf.

Dort gebar sie zunächt einen Sohn und dann am 17. Februar 1877, im Alter von 39 Jahren, die Tochter Isabelle.

Isabelle-Eberhardt

Isabelle Eberhardt lernte Russisch, Französisch, Deutsch, Italienisch, Griechisch, Latein und Arabisch. Durch Zeitungsanzeigen gewann sie Brieffreunde, von denen sie viel über die arabische Kultur und Lebensart sowie den Islam erfuhr. Schließlich nahm sie diesen Glauben an.

Im Mai 1897 riet ein Arzt ihrer kränkelnden Mutter zu einem Klimawechsel. Isabelle begleitete sie in die französische Kolonie Algerien, wo sie sich in Bône (heute: Annaba) eine Wohnung mieteten. Während Nathalie Eberhardt andere Europäer besuchte und einlud, wollte Isabelle auch die Einheimischen kennen lernen. Deshalb verkleidete sie sich als Araber und streifte durch die Suks und Gassen. Der Gesundheitszustand ihrer Mutter verschlechterte sich in Algerien so, dass Isabelle ihrem Vater telegrafierte. Bevor er eintraf, starb Nathalie Eberhardt im Alter von 59 Jahren. Sie wurde in Bône beigesetzt.

Isabelle Eberhardt war nun ganz auf sich allein gestellt, brauchte aber auch auf niemand mehr Rücksicht zu nehmen. Sie wählte den Männernamen Si Mahmoud, gab sich als Sohn eines Tunesiers und einer Deutschen aus und reiste nach Tunis. Trotz ihrer Verkleidung ließ sie sich auf Männerbekanntschaften ein.

Sie suchte nach Freiheit und sehnte sich nach Liebe: "Für das Publikum setze ich die Maske des Zynischen, des Ausschweifenden, des großspurig Unbekümmerten auf [...] Bis heute hat es niemand verstanden, diese Maske zu durchdringen und meine wahre Seele zu erkennen, diese feinfühlige und reine Seele, die sich so hoch über jene Niedrigkeiten und Entwürdigungen erhebt, durch die ich mein physisches Dasein aus Verachtung gegenüber den Konventionen und auch aus einem eigentümlichen Bedürfnis nach Leiden schleppe."

Anfang 1899 eilte sie nach Genf, weil ihr Vater todkrank war. Vom Recht auf Selbstbestimmung überzeugt, beendete Alexander Trofimowski kurz darauf sein Leiden mit einer Überdosis Morphium.

Im Herbst fuhr Isabelle Eberhardt nach Paris, um nach einem Verleger für die Erzählungen zu suchen, in denen sie ihre Reiseerlebnisse in Nordafrika festgehalten hatte. Auch in der französischen Hauptstadt trat sie als Mann mit Kaftan und orientalischen Pluderhosen auf. Das fanden die reichen Leute besonders interessant, und sie luden Isabelle Eberhardt deshalb zu ihren Abendgesellschaften ein.

Nach einem Besuch bei ihrem in Marseille verheirateten Bruder Augustin und der Regelung einiger Erbschaftsfragen in Genf reiste sie im Juli 1900 erneut nach Algerien. In der Oasenstadt El-Qued verliebte sie sich in Slimène Ehnni, einen in Batna stationierten algerischen Leutnant. Mit ihm zusammen trat sie der Moslembruderschaft Kadriya bei, die von den Franzosen verdächtigt wurde, den Aufstand gegen die Kolonialherrschaft zu schüren. Als Isabelle Eberhardt am 29. Januar 1901 einem Einheimischen bei der Übersetzung eines Briefes helfen wollte, schlug ein fanatischer Anhänger einer mit der Kadriya verfeindeten Sekte mit einem Säbel auf sie ein und verletzte sie schwer am linken Arm. Ein Gericht verurteilte den Attentäter zu lebenslanger Zwangsarbeit, und das Opfer wurde von den Kolonialbehörden ausgewiesen: Im Mai 1901 musste Isabelle Eberhardt sich von Slimène Ehnni verabschieden und Algerien verlassen.

Mit einer Reihe von Eingaben erreichte sie, dass er nach Marseille versetzt wurde. Dort heiratete das Paar am 17. Oktober 1901 auf dem Standesamt und anschließend in einer Moschee. Ausnahmsweise trug Isabelle Eberhardt aus diesem Anlass ein Kleid. Ein Vierteljahr lebten die beiden bei Isabelles Bruder Augustin.

Im Januar 1902 kehrte Slimène Ehnni, der inzwischen den Militärdienst quittiert hatte, mit seiner Ehefrau nach Algerien zurück. Sie wohnten in einem billigen Hotelzimmer und vertrieben die Langeweile mit Alkohol, Drogen und amourösen Abenteuern -- bis der französische Zeitungsherausgeber Victor Barrucand Isabelle Eberhardt anbot, ihre Geschichten zu veröffentlichen und ihr eine Anstellung als Schreibkraft in der Gemeindeverwaltung von Ténès vermittelte.

Nach der Genesung von einer Malaria-Erkrankung mieteten sich Isabelle Eberhardt und Slimène Ehnni in Äin-Sefra eine Lehmhütte neben einem ausgetrockneten Flussbett. Bei einem Gewitter in der Nacht auf den 21. Oktober 1904 riss der plötzlich angeschwollene Fluss die Uferbebauung weg. Slimène rettete sich vor den Wasser- und Schlammmassen. Tage später wurde die Leiche der 27-jährigen Isabelle Eberhardt gefunden.

28
Mai
2007

"Gerade dieses Stück hätte ich nie übers Herzen gebracht, für wieviel auch immer zu verkaufen, doch dann kam ich in eine Geldnot..."

Eine Schau in der Rückblende von Arbeiten des finnischen Künstlers
Konola stellt einen Naiven, einen Symbolisten und einen Surrealisten vor


Von einem schüchternen Engel, den es verärgerte, und anderen
Geschichten


(ein Artikel aus der Sparte Kultur der Zeitung Turun Sanomat vom
27.5.2007,
übersetzt aus dem Finnischen)

Die retrospektive Ausstellung "Spiegel des Lebens" in der Gallerie
Nefret in der Erichsstraße 4 von Turku illustriert die Laufbahn des
Künstlers Hannu Konola über eine Zeitspanne von 30 Jahren hinweg. Es sind
dort an die fünfzig seiner frühen Arbeiten mit Ölfarben, sowie
Photographien und Entwürfe von Arbeiten auf Glas zur Beschau aufgehängt. So
extensiv waren die Arbeiten von Konola früher noch nie zu sehen gewesen.

- Obwohl ich schon seit dem Jahr 1979 ganztägig mit künstlerischen
Arbeiten beschäftigt bin, ist dieses erst meine fünfte persönliche
Ausstellung. Seit der vorangegangenen Ausstellung sind auch schon wieder 17
Jahre vergangen, stellt Konola fest und ist selbst über seine Beobachtung
verblüfft.

Die Erklärung für den gemächlichen Ausstellungsrhytmus ist
naturgegeben.

- Ganz klar liegt der Hauptgrund dafür in der Tatsache, daß ich
Auftragsarbeiten für öffentliche Räumlichkeiten mache.

Eine Leidenschaft für die Glasmalerei

Nach dem Jahre 1989 hatte er für 16 Kirchen und 2 Firmenhäuser
Glasmalereien in Arbeit genommen.

- Im Durchschnitt ein Projekt pro Jahr. Drei Arbeiten mit Öl mache ich
dabei neben her, ein wenig so wie ein Hobbymaler, lacht der neuerdings
besonders für seine Glasmalereien bekannte Künstler auf.

Seine Beziehung zur Glasmalerei beschreibt Konola als eine
Leidenschaft. Er gibt zu, daß es für die Arbeiten auf Glas auch einen zweiten Grund
gibt: mit Hilfe von den Auftragsarbeiten bestreitet er seinen
Lebensunterhalt.

Zur Glasmalerei kam Konola, als ein Architektenbüro in Tampere, das
eine Wettbewerbsausschreibung für die Erstellung des Planes für die Kirche
von Juankoski gewonnen hatte, ihn dazu bat. Damals war die
Glasmaltechnik für den Künstler noch etwas neues, doch er machte sich daran, dem
ganzen auf den Grund zu gehen, indem er verschiedene Glasmaltechniken
untersuchte.

- Vor ein paar Jahren hatte ich für die Kirche von Aitolahti eine
größere Arbeit per Seidentupf-Technik fertiggestellt, echt erstklassig.

Konola betont, daß er seine eigenen Arbeiten immer in Abstimmung mit
den Architekten ausführt.

- Wenn für eine neue Kirche Glasmalerei gemacht wird, ist es eine feine
Sache, von Anfang an mit dabei zu sein. Dann bekommt man das Glas so
hin, daß alles gut sitzt mit den anderen Materialien. Ich respektiere
immer die Lage des Architekten.

Einer, der mit der Präzision eines Ingenieurs nach den Wolken greift

Sein jüngste Werk auf der Ausstellung ist das Selbstbildnis
"Wolken-Fallensteller".

- Mein ganzes Leben lang bin ich so ein Fallensteller von Wolken
gewesen, indem ich Wolkenfetzen anhalte und sie an einer Schnur festbinde.
Wie wir alle sehr wohl wissen, kann man eine Wolke an einem Schnürl bei
der Leine halten, sagt Konola lachend.

Eine von diesen mit einer "Falle erhaschten" Fetzenwolken ist für
Konola (der Name Konola hört sich für einen Finnen an, wie sich für einen
Deutschen der Name 'Verschlagenei' anhören würde) die in Hirvensalo
(Elch-Öde) errichtete, vom Architekten Matti Sanaksenaho ('Matz
Farnenbresche') entworfene ökumenische Kunst-Kapelle.

- Dank Sanaksenaho ist die Kapelle zum international bekanntesten
Gebäude von Turku geworden. Es haben dort bereits 1'300 heimländische und
ausländische Architekten hereingeschaut, um sich mit dem Objekt vertraut
zu machen.

Die Natur des Wolkenfallenstellers ist nicht die einzige, den Künstler
als solchen ausmachende Eigenschaft. Während Konola beim Aufhängen der
Stücke für die Ausstellung mit dem Hammer auf feine Details hinweist,
sagt er, daß er sich durchaus auch als einen "ingenieurmäßigen Pedanten"
einschätzt.

- Ich wäge Farben und Relationen ab, bemerkt er, als er vor einem 1995
entstandenen namenlosen Gemälde zu stehen kommt.

- Dieses hier ist mein Lieblingsbild. Den ersten Anstoß dafür gab mir
eine Frauenfigur, die ich malen wollte und aus der eine liegende
Engelsgestalt werden sollte. Dann verwarf ich aber das ganze, und wischte
nahezu alles weg. Aber übriggeblieben ist davon hier ein Würfel des Lebens,
eine Träne der Freude und des Leids, eine Taschenuhr Gottes, an der die
Zeiger fehlen, das ist das wesentliche daran. Hier steht die
Schlechtigkeit der menschlichen Gedankenwelt und das Gute der menschlichen
Gedankenwelt, wie es der Künstler aufsummiert.

Er gibt die Vermutung zu bedenken, daß man mit der Schlechtigkeit der
menschlichen Gedankenwelt ganz gut zurecht kommen könne, da die Gestalt
auf dem Bildnis mit ihrem Dandy-Stock mit dem silbernen Knauf recht
zufrieden dreinblickt.

- Hier kamen viel solche Sachen mit ins Spiel, die aus dem
Unterbewußtsein kamen. Gerade dieses Stück hätte ich nie übers Herzen gebracht, für
wieviel auch immer zu verkaufen, doch dann kam ich in eine Geldnot,
entfährt es Konola.

Ein kreativer Mensch entwickelt neues

Drei für den Künstler wichtige Stile sind an den Arbeiten der
retrospektiven Ausstellung auszumachen.

- Meine ältesten Arbeiten sind naiv, dann kam der Surrealismus und der
Symbolismus. Das sind die Hauptausrichtungen. Ich habe nie ein und das
gleiche tun wollen. Wenn es hieße, "dies oder das ist ein typisches
Werk von Konola", so ware dies für mich etwas schreckliches. Ein kreativer
Mensch muß etwas neues entwickeln. Etwas zu suchen und auszuprobieren,
das füllt mich aus, sagt Konola Konola mit Bestimmtheit.

Zum Wechsel der Stilarten hat er ein unkompliziertes Verhältnis.

- In den 1970ern machte ich naive Arbeiten, aber während einer gewissen
Schaffensphase fingen jene an, ganz doof und kindisch auf mich zu
wirken. Ich wollte abstrahieren, und zu Ende der 1980er und in den 1990ern
verschwanden die Menschen aus den Bildern. Jetzt, da ich mit Glas
arbeite, mache ich - sowie es in meiner Befugnis steht - am liebsten etwas
abstraktes, sagt er.

Dazu, Portraits zu malen, bekommt man den Maler nicht hin, es sei denn
in ganz seltenen Ausnahmefällen. Von den Portraitraritäten ist auf der
Ausstellung ein 1992 gemältes Werk von Bischof Kalevi Toiviainen zu
sehen.

- Er war mein Professor für Dogmatik. Toiviainen hätte von sich kein
Portrait haben wollen und hatte nur für den Fall zu einem Bild
zugestimmt, daß "der Konola es malt". Er hatte ganz sicher darauf vertraut, daß
ich nicht darauf eingehen würde. Es ist denn auch für ein Portrait nicht
ganz typisch ausgefallen, bemerkt Konola hierzu zusätzlich.

Nahezu zu jedem Werk von Hannu Konola scheint sich, eine Geschichte
hinzuzufügen, und der Künstler bringt die Gemälde auch mit Worten zum
Leben. Der schüchterne Engel, ein Werk von 1995, ist auf den Wunsch einer
Person entstanden, die einen schweren Autounfall hatte.

- Vom Standpunkt seiner Zunft als Schutzengel her, kann so ein
Autounfall einen Engel ganz schwer mitnehmen, deshalb hält er die Finger vors
Gesicht. Sicherlich ist es einem Engel ärgerlich, und auch mit gutem
Grund, bemerkt Konola hierzu kurz und bündig.

Vor ein paar Jahrzehnten war Konola auf Teneriffa eine Zeitlang als
Pfaffe für Touristen tätig. In dem Urlaubsparadies stellte sich denn auch
das Motiv ein für sein Gemälde 'Eine mit sich selbst fast zufriedene
Dame beißt einen Engel'.

Die Ausstellung 'Spiegel des Lebens' in der Gallerie Nefret von Turku
(im südwestlichen Teil von Finnland) ist bis zum 17.6. zu sehen.

Riitta Monto

24
Mai
2007

Die neue Generation von Kindern, mit seltener Willensstärke gepanzert, könnte den Anführern ihrer Länder einen Marsch blasen, daß es den stärksten Gorilla unter ihnen umhaut

Wähle der Clinton eine Wahl-Weise
(18.5.2007)

Die als Kandidatin der Demokratischen Partei das Amt der US-Präsidentin
anstrebende Hillary Clinton gibt sich auch in ihrer Kampagne
demokratisch.

Clintons Anhänger dürfen wählen, was der Wahl-Song der Senatorin sein
soll. Man kann auf Clintons Internet-Seiten an der Wahl teilnehmen.

Laut der öffentlichen Rundfunkanstalt BBC kann aus neun Stücken eines
ausgesucht werden. Zu der Garde der Auftretenden gehören u.a. Dixie
Chicks, Jesus Jones, U2, Shania Twain und The Temptations. Ausserdem können
die Abstimmenden auch ein eigenes Stück vorschlägen.

In ihrem lässig aufgemachten Aufruf bittet Clinton die Amerikaner,
ihr bei einer Auswahl behilflich zu sein, deretwegen Clintons
Wahlkampf-Ausschuß sich "monatelang durch Kämpfe und Dispute aufgerieben" hat.

Ein Gorilla suchte in Holland ein Café heim
(18.5.2007)

Die Cafeteria eines holländischen Zoo hatte am Freitag in Rotterdam
einen ungewöhnlichen Gast, als ein elfjähriger Gorilla-Bulle aus seiner
Einfriedung ausbrach und in das beliebte Café stürmte. Dem Gorilla namens
Bokito war jedoch anscheinend das Haus verboten worden, denn der
Cafébesuch wurde zur Raserei, bei welcher der Gorilla bis zu seiner Festnahme
etliche Stühle und Tische zerdepperte.

Die Situation drohte, bedrohlich zu werden, denn auf seiner Eskapade
attackierte Bokito auch eine Frau, die vor ihn geriet. Die Frau bekam
Bißwunden ab, diese seien aber nach Krankenhausquellen nicht so arg
gewesen. Auch ein Beschäftigter des Zoo, der einen Schock erlitt, wurde in
Behandlung genommem, nachdem er mit dem Gorilla buchstäblich Auge in Auge
zusammengetroffen war.

Der Leiter des Zoologischen Gartens Ton Dorresteijn vermutet, daß der
die Gorillaherde des Zoo von Blijdorp anführende Bokito das Gefühl
gehabt haben könnte, daß seine Herde bedroht sei. Der Zoo wurde evakuiert,
bis der Ausreißer geschnappt war.

Scharfsinniger Junge alarmierte die Polizei, um nach dem Dieb zu jagen
(19.5.2007)

Ein zehnjähriger Junge aus Jämsä in Finnland alarmierte am Handy
Polizisten, um zu Hilfe zu kommen, als ein betrunkener Mann sein Fahrrad an
sich genommen hatte. Der Polizei gelang es innerhalb von Minuten, den
Dieb vom Fahrrad weg festzunehmen. Der geistesgegenwärtig handelnde Junge
bekam sein Fahrzeug unbeschädigt zurück. Der Rad-Dieb wurde von der
Polizei in Gewahrsam genommen.

Der Vorfall ereignete sich am Freitag abend um 21.14 in Jämsä in
Mittel-Finnland. Der angestochene Mann schnappte dem Jungen im
Krähenabschnittsweg in der Nähe des Zentrums von Jämsä nach einem Wortwechsel das
Fahrrad weg. Der Junge rief sofort die Notrufnummer 112 an und berichtete,
was geschehen war. Die Polizei von Jämsä ließ zwei Polizeistreifen
ausfahren, um sich auf die Suche zu machen, und der auf die Stadtmitte
zufahrende Mann konnte sofort gestellt werden.

Der ältere Polizeibeamte Arto Koivumäki von der Polizeistation des
Bezirks Jämsä lobt den Jungen, daß er es fertig brachte, genau so zu
handeln, wie es sich auch gehörte. Bei derartigen raubähnlichen Situationen
mit einem Betrunkenen sei es nicht angeraten, sich dagegenzusträuben,
sondern das klügste wäre es, sofort die Notrufzentrale anzurufen.

Australiens Autowasch-Damen dürfen "oben ohne" weiter machen
(21.5.2007)

Ein Autowasch-Service in Australien, der Ärgerniss erregte, darf trotz
der Beschwerden weiterschaffen. Ein gewisser Teil der Leute hatte sich
aufgeregt, da barbusige Damen sozusagen die Autos waschen. Die Behörden
konnten jedoch nichts anderes tun, als festzustellen, daß das
Geschäftsvorgehen der Waschanstalt nicht ungesetzlich ist.

Die Dame, die das Auto in der Autowasch-Strasse Bubbles 'n' Babes von
Brisbane wäscht, wirft sich in ein Kleidchen "oben ohne", wenn nur der
Kunde für den Waschgang-Auftritt etwas über 30 Euro an australischen
Devisen hinlegt. Ist er bereit, das doppelte zu bezahlen, hat die
autowaschende Dame gar nichts mehr an.

Die Autowaschanstalt, vom Besitzer einer Striptease-Bar umgetrieben,
kann trotzdem nicht wie draußen auf dem freien Felde im
Waschanlagenbereich vor sich hin machen. Die Arbeitenden der Waschstrasse dürfen nicht
auf dem Weg oder auf der Straße gesehen werden.

"Wir wollen nicht noch mehr Autounfälle haben, deshalb, weil Autofahrer
auf die Arbeiter einer Waschstrasse schauen, und nicht auf den Weg,"
sagte der Polizeikommissar Colin Campbell.

Tausend werdende Mütter kamen ins Buch der Rekorde
(21.5.2007)

Die Stadt Johannesburg bekam ihren Namen im Guinness-Buch der Rekorde
eingetragen, indem sie das weltgrößte Treffen schwangerer Frauen
organisierte. Zu der Zusammenkunft erschienen glattweg 1'146 werdende Mütter,
von denen bei einigen die errechnete Zeit nur noch ein paar Tage
entfernt war.

Die Organisatoren erhofften sich anfänglich, daß hundert in glücklicher
Erwartung Stehende auf dem Platz zusammenkämen, um den Rekord
zugesichert zu bekommen. "Es machte uns ein wenig Sorgen, soviele Schwangere
unter dem gleichen Dach versammelt zu haben, aber zum Glück setzte bei
niemandem die Geburt ein," erzählte der Organisator Projeni Pather des
Ereignisses 'Your Baby Show'.

Eine seltene Schar von Panzerkröten
(22.5.2007)

Im größten zoologischen Garten von Rom ist man froher Dinge aufgrund
des Ausschlüpfens von besonders seltenen ägyptischen Schildkröten.

Die erste Kröte schlüpfte schon im April aus, sechs in diesem Monat,
und einige warten noch darauf in ihrer Schale.

Das Elternpärchen der Neugeborenen kam auf dramatische Weise in den
Zoo. Im Oktober 2005 fanden Beamte des Leonardo da Vinci-Flughafens von
Rom in einer Tasche eines Schmugglers 275 Exemplare der seltenen
Schildkröte.

Helft mir, in meinem Zimmer herrscht Chaos
(22.5.2007)

Ein neunjähriges Mädchen aus Braunschweig in Deutschland unternahm den
Versuch, in der Hilfe durch die Staatsgewalt Zuflucht zu nehmen, um
darum herumzukommen, das Durcheinander, das in seinem Zimmer vorherrschte,
in Ordnung zu bringen. Eine schluchzende junge Dame präsentierte am
Fenster den Vorbeigehenden ein Schild, auf dem sie diese bat, die Polizei
anzurufen.

Flugs kamen auch Polizisten und fanden heraus, daß das Mädchen sich mit
seiner Mutter ob des Aufräumens gestritten hatte.

"Das Zimmer des Mädchens schaute wie ein Schlachtfeld aus. Die Beamten
kommandierten sie ab, wieder Ordnung in die Unordnung zu bringen. Sie
schauten nach ein paar Stunden auf einem Kontrollgang wieder herein, und
alles war in Ordnung. Auch der Streit war geschlichtet," berichtete der
Sprecher der örtlichen Polizei.

Präsident von Rumänien schimpfte eine Medienfrau "stinkende Zigeunerin"
(22.5.2007)

Präsident Traian Basescu von Rumänien gewann am Wochenende eine
Volksabstimmung und darf weiterhin in seinem Amt bleiben. Jetzt ist Basescu
neuerlich in Schwierigkeiten geraten, als herauskam, daß er eine
Journalistin eine "stinkende Zigeunerin" nannte.

Die Fernsehberichterstatterin Andreea Pana paßte Basescu ab, als er am
Samstag mit seiner Frau beim Einkaufen war. Die Journalistin bat
Basescu um eine Einschätzung der Wahlen, und nahm mit ihrem Mobil-Phone das
Ehepaar auf, wie es ihre Einkäufe ins Auto lud.

"Hast du nichts besseres zu tun, du Schnepfe?" brummte gereizt ein
verärgerter Basescu und schnappte sich das HandyPhone aus der Hand der
Berichterstatterin. Basescu flitzte mit dem Auto davon, aber das Handy hat
das Gespräch des Ehepaares im Auto aufgenommen.

"Die stinkende Zigeunerin war auch noch aggressiv," kommentierte
Basescu die Episode seiner Frau gegenüber. Die Journalistin erhielt später
ihr HandyPhone von der Sicherheitstruppe des Präsidenten zurück. Die
Kommentare von Basescu wurden auf Rumäniens Fernsehkanälen gesendet.

Nach dem Aufschrecken der Allgemeinheit bat Basescu um Verzeihung und
erklärte Stress zum Schuldigen seiner Schimpftiraden.

Am Montag demonstrierte eine Gruppe von Zigeunern und Vertretern der
Presse auf dem Vorplatz der Kanzlei des Präsidenten. Ein Teil von ihnen
hatte T-Shirts an, auf denen zu lesen war: "Stinkender Zigeuner". Die
Demonstranten ließen für den Präsidenten ein Stück Seife und eine
CD-Platte mit Zigeunermusik zurück.

(sämtliche Artikel aus dem Finnischen übersetzt)

22
Mai
2007

Im Takt einer alle vereinenden Weltmusik sollte man sich bestens auf eine neue Zeit einstimmen können, die ohne Geld auskommen soll

Ein Kosmopolit ist im Osten wie im Westen zuhause

Anoushka Shankar verknüpft das Sitarspiel mit modernen Klangwelten

(ein Bericht aus der Sparte Kultur der Zeitung Turun Sanomat vom
20.5.2007,
übersetzt aus dem Finnischen)

Die am Dienstag, dem 22. Mai, in Finnland ein Gastspiel gebende
Anoushka Shankar verbindet in ihrer Musik West und Ost. Der Einfluß der zwei
Welten reicht bis in den privaten Alltag des Sitar-Musikers und
Liederschreibers. Die junge Anoushka lebt einen Teil des Jahres in Kalifornien,
in San Diego, und die andere Zeit in Indien. Die Künstlerin und ihre
Eltern haben in Neu Delhi ihr gemeinsames Heim.

- Ich fühle mich wohl, wenn ich mit meiner Mutter Sukanya und meinem
Vater Ravi zusammen bin. Zuhause haben wir in Verbindung mit dem Ravi
Shankar-Centre ein Archiv, ein Auditorium, ein Plattenaufnahmestudio und
Unterrichtsräume. Die Mutter kümmert sich um die geschäftlichen Dinge
des Vaters und wickelt auch die finanziellen Angelegenheiten des
Ravi-Shankar-Zentrums ab. Ohne sie gäbe es dieses nicht. Sie pflegt auch meinen
Vater, der bereits 87 Jahre alt ist, erzählt Anoushka Shankar, 25, bei
einem Telefonanruf aus London, ihrem Stützpunkt in Europa.

Das Verhältnis der Musikschaffenden zu ihrer Halbschwester Norah Jones,
die gerade so wie sie in der Musik ihre Berufung gefundenen hat, ist
ebenso warmherzig. Die Frauen haben sich vor ein paar Jahren sogar eine
gleiche Tätowierung machen lassen und halten auch sonst eifrig Kontakt
zu einander, obwohl sie sich näher erst um die zehn Jahre herum kennen.

- Ich dürfte so um die 16 gewesen sein, als wir uns das erste Mal
trafen, aber wir kamen uns gleich sehr nahe. Es macht uns Spaß, miteinander
zu telefonieren. Manchmal war auch schon die Rede von einer
Gemeinschaftsarbeit, aber es gibt noch keine konkreten Pläne, läßt die Künstelerin
wissen und weist auf die hektischen Zeitpläne von beiden hin.

Hochgradige Ausbildung

Anoushka Shankar hat die denkbar beste Ausbildung für das Sitarspiel
erhalten.

Vater Ravi Shankar ist seit den 1960er Jahren im Westen der bekannteste
Meister auf dem Instrument. Er hat u.a. mit George Harrison, Yehudi
Menuhin und Philipp Glass zusammengearbeitet und Dutzende von anderen
Musikschaffenden inspiriert - John Coltrane hat sogar seinen Sohn nach dem
Sitaristen benannt. Auftritte bei den herausragenden Ereignissen der
1960er in Monterey und in Woodstock machten ihrerseits Geschichte als der
Durchbruch der 'Weltmusik' auf dem westlichen Popmusik-Markt.

Das Lehrer-Schüler-Verhältnis von Vater und Tochter hat von beiden eine
Justierung der Einstellung abverlangt.

- Als ich damit anfing, war ich acht oder neun Jahre alt, und deshalb
noch ziemlich unbekunmert. Mein Vater verstand dies, und richtete sich
nach mir, so daß das Lernen am Anfang in einem freizügigen Rahmen
verlief. Er machte daraus etwas Spaßiges und erzählte mir Geschichten, um
mich dahinzubringen, mich für die Übungen zu interessieren. Nach ein paar
Jahren war es denn auch zu einem Bestandteil meines Lebens geworden.

Anoushka wurde in London geboren. Das Mädchen wurde in der Gemeinschaft
der Inder in der Stadt groß und wuchs in die Traditionen seiner Eltern
hinein. Zugleich machte sie sich die multikulturelle Atmosphäre der
Metropole zueigen.

- Als Kind liebte ich westliche klassische Musik. Mozart und Bach waren
meine Favoriten, späterhin fand ich zu Debussy, Grieg und Ravel.

- Irgendwann, als ich sieben oder acht Jahre alt war, wurde mir bewußt,
daß auch die Popmusik gibt. Ich hörte viel Madonna, Kylie Minogue und
Michael Jackson. Durch den Goa-Trance machte ich mit elektronischer
Musik Bekanntschaft. Zu Beginn hörte sich das meiner Meinung nach
schrecklich an, aber heutzutage stehen psychedelischer Trance und Ambient mir
ziemlich nahe.

Feinfühliges Aufeinander-Zugehen

Der breit angelegte Grundstock an verschiedenen Einflüßen spiegelt sich
auf dem jüngsten Album RISE der komponierenden Sitarspielerin wider.
Dieses weicht klar von den drei vorangegangenen Platten ab, die sich auf
klassische Sitarmusik konzentrierten.

Verschiedenartige Klangwelten treffen feinfühlig auf der Scheibe
aufeinander. Das Resultat erinnert eher an Kollektive wie Ambient als an das
von Transglobal Underground, die welchen die Musik des Ostens und des
Westens zu listenfähigen Hits verschmelzten. Die eindeutigsten
Lossagungen vom gewohnten waren den Remix-Partien vorbehalten, die der
britisch-indische Musikschaffende Karsh Kale und das US-amerikanische
Producer-Dj-Duo Thievery Corporation bearbeiteten.

- Mir war es wichtig, aus der klassischen Tradition herauszutreten und
mir kompositorische Freiheiten zu genehmigen. Ich wollte sehen, was
daraus entstehen würde, wenn ich nicht auf die üblichen Abgrenzungen
Rücksicht nähme. Ich experimentierte mit allem möglichen, und vieles zeigte
sich als unbrauchbar für den Trip, als die Musik sich allmählich
abzeichnete und unterschwellig der indische Kern vom ganzen zum Vorschein
kam. Es blieb die klassische indische Musik, die mein ureigenstes Gebiet
ist, als eine feste Grundlage bestehen.

Anoushka Shankar leistet Überzeugungsarbeit in unterschiedlichster
Klangumgebung. Voice of the Moon ist vom klassischsten Kaliber auf der
Platte, in Red Sun wiederum bekommt man einen Bol-Gesang zu hören, der
einen an den Scat-Stil beim Jazz gemahnt. Das aus dem Repertoire des Vaters
übernommene Stück Mahadeva bezieht seine elektrische Kraft aus dem
mantramäßigen Gesangsteil und der schroffen Rhytmusgrundierung. Ambient ist
seinerseits das beherrschende Element in Sinister Grains.

Die Platte wurde auf drei Kontinenten und in fünf Städten produziert.
Jedes der Stücke entwickelte sich durch Experimentieren zu ihrer
letztendlichen Form.

- Oft mußte man die Kollegen der Gemeinschaftsproduktion genau
anleiten, zwischendurch ließ man sich ganz von der Musik leiten. Der Vortrag
von Red Sun ist von Grund auf völlig improvisiert. Bikram Ghosh und
Tanmoy Bose bauten zwischen sich eine Energieladung auf und spielten damit
Ball - das Stück ist weitgehend auf deren Chemie gestützt. In Sinister
Grains basiert die Stimmung auf Sehnsucht und Niedergeschlagenheit und
darauf, daß Sänger Sanjiv Chimmalji frei walten darf.

Anstelle aber davon, das Fusionieren der Welten des Klangs noch weiter
zu entwickeln, zieht Anoushka Shankar als nächstes eine Rückkehr zu
grundlegenden Dingen in Erwägung.

- Jetzt wäre es wieder einanal ein Genuß, eine Platte mit
traditioneller Sitarmusik zu machen. Ich fühle es, daß ich als Musiker
vorwärtsgekommen bin und es wäre schön, zu sehen, wohin das führt.

Anoushka Shankar gab am Dienstag, dem 22. Mai, ein Konzert im Theater
Savoy von Helsinki in Finnland.

Matti Komulainen

Ohne mehr Liebe im Alltag kann man von einer Zukunft jenseits der Diktatur des Geldes nur träumen

Eine Generation getragen vom Ideal des 'Liebet-Euch-alle-Einander'? -
Eher eine Generation von 'Mach-mit-mir-Liebe'


Ehe wir gefühlsduselig ins Schwärmen kommen über die '60er Jahre, so
wie sie wirklich waren, sollten wir uns vor Augen halten, was für ein
kleiner Sprung es im Endeffekt vom Hippie zum Yuppie war.


(ein Kommentar des britischen Blattes The Guardian vom 19.5.2007,
übersetzt aus dem Englischen)

In nur etwas über vierzehn Tagen werden es vierzig Jahre sein seit der
Veröffentlichung des Albums Sergeant Pepper's Lonely Hearts Club Band der Beatles.

Zu Tränen gerührte Nostalgiker der starken jungen Generationen werden
vermutlich auf einer intellektuellen Suche nach der verlorenen Zeit ihre
alten Vinyl-LP-Ausgaben der Scheibe hervorkramen, und sich vielleicht
wundern, wohin all jener beschworene Frieden samt all der Liebe und des
Verständnisses von damals hingekommen ist, eine Frage, die fast schon
so lange im Raum steht als es auch das Album gibt.
Paul McCartney gab eine Geschichte zum Besten, laut welcher er 1972
einmal von einem schwer enttäuschten Hippie gestellt wurde, von dem er
folgendes zu hören bekam: "Ach du lieber Gott! Oh Mann! In der Zeit, als
Sgt Pepper herausgekommen war, glaubten wir wirklich, daß dies jetzt die
Welt verändern würde." "Was ist passiert?"

Man kaufe sich die neueste Ausgabe des Magazins Rolling Stone, und es
wird einem eine mögliche Antwort hierauf geliefert. Die 1967 in San
Francisco gegründete Zeitschrift feiert ihr eigenes vierzigjähriges
Bestehensjubiläum mit einer Sonderausgabe, die vollgepackt ist mit
Reminiszenzen zu den '60er Jahren von Leuten wie Paul McCartney, Mick Jagger, Jack
Nicholson und Jane Fonda. Lange Zeit schon gegen den rechten Flügel der
Republikaner ausgerichtet, sind die für das Magazin Schreibenden -
wobei sie sich bei Gelegenheiten wie dieser in Reflektionen zu Ansichten
ihres Chefs und Grunders Jann Wenner ergehen, sich ihrer ganz sicher,
daß, obwohl die Freigeistler der 1960er sich bereits lange auf dem
Rückmarsch befunden haben, deren Philosophie reif ist für ein erneutes
Aufblühen. Ein einführender Leitartikel des Verfassers stellt die Behauptung
auf, daß alle Dinge von Bedeutung, die das 21. Jahrhundert bewegen, "im
Aktivismus der '60er Jahre ihre Wurzeln haben" und daß "die Werte jenes
Jahrzehnts nicht nur überlebt haben, sondern in vielerlei Hinsichten
das vorherrschende Wertesystem der breiten Massen in unserer Zeit
ausmachen." Der letztgenannte Punkt ist richtig, aber völlig andersherum. 1988
wurde der britische Rockmusik-Komponist Charles Shaar Murray in einem
Interview um eine mündliche Zusammenfassung gebeten zu einer
geschichtlichen Darstellung vom London der 60er-Jahre, Tage im Leben benannt, in
der immer wieder der Anspruch erhoben wird, daß die Ära ein goldenes
Zeitalter mit persönlichen Freiheiten gewesen wäre, die zu einer sensibel
sentimentalen Aufklärung geführt hätte; eine Zeit, die, laut einem der
beitragenden Schreiber, "weniger auf den Konsumenten ausgerichtet und
eine Zeit sein sollte, um mehr für die Gemeinschaft da zu sein, mehr
Sorge zu tragen." Murray zeigte sich nicht gerade so überzeugt. "Der
Durchmarsch vom Hippie zum Yuppie ist im Grunde weniger verschnörkelt
verlaufen, als die Leute gerne glauben möchten," sagte er. "Etliche der alten
Hippie-Sprüche könnten sehr gut von den Pseudo-Liberalen des rechten
Flügels gebraucht werden, was auch tatsächlich passiert. Den lästigen
Regierungsapparat, den wir alle auf den Rücken aufgespannt bekommen,
müssen wir loswerden, jeder soll tun dürfen, was er will - das läßt sich
sehr gut für den ungezwungenen Umgang, der unter Yuppies üblich ist,
auslegen, und dies ist das Erbe ebenjener Ära."

Man braucht nur ein paar der Zöglinge der 60er, die es im Leben zu Geld
gebracht haben, aufmarschieren zu lassen, um das, was er sagt, zu
verifizieren. Man sehe sich mal Felix Dennis an, diesen unternehmerischen
Langhaardackel, der eine Phase bei dem Magazin Oz und dabei eine Anklage
wegen öffentlichen Ärgernisses überlebte, und bewußt daraufhin solche
unzeitgeistmäßigen Zeitschriften auflegte, wie z.B. Maxim, Stuff und The
Week und ein Vermögen von 750 Millionen Pfund zusammenscheffelte
(letztes Jahr publizierte er Anleitungen für den Hausgebrauch mit dem Titel
'Wie wird man reich'). Richard Branson mag vielleicht ein
Wochenend-Hippie in den Augen des harten Kerns der Gegenkultur gewesen sein, immerhin hatte er eine von deren wenigen klaren Botschaften abgekupfert: daß
man, wenn man seinen Kapitalismus mit einer affektionierten Nonkonformität
paart, ein gemachter Mann ist. Das gleiche dürfte auf The Gap zutreffen
- wie Rolling Stone ebenso im San Francisco der 60er von Unternehmern
gegründet, die sahen, daß die konform ausgerichtete Welt einen großen
Anteil des Marktes unberührt läßt - und auf die segensreiche Anita
Roddick. Bevor sie den Body Shop an L'Oréal verkaufte, jenes mustergültige
Exemplar an ethischem Gebaren, unterhielt sie ein Geschäft, von dem man
glauben konnte, daß alles richtig herum lief, dessen Einstellung zur
Arbeitervertretung eine Verkündigung von 1996 auf den Punkt bringt: "Die
Firma kennt formell keinen Arbeiterverband an, der irgendeinen unserer
Beschäftigten vertreten würde, und sie plant auch nicht, dies zu tun."

Und wie steht es mit jenen Zöglingen der 60er, die in der Regierung
gelandet sind? "Ich war in der Zeit des gesellschaftlichen Umbruchs der
'60er und '70er ein junger Mann," erinnerte uns Tony Blair neulich in
seiner Rücktrittsrede (im Sommer von 1967 war er gerade 14 geworden). Die
Anmerkung kam als Einführung zu ein paar Punkten in einer Anspielung
auf seine Hauptziele Mitte der '90er Jahre, mittels denen er das Land,
engstirnig Traditionen verhaftet, zu modernisieren trachtete, obwohl sie
genausogut hätte gemacht sein können, um jede Menge an Blair'schen
Totempfählen errichtet zu bekommen: die öffentlichen Dienste, die
menschlicher gemacht und privatisiert werden müssten, die Notwendigkeit der
Flexibilität eines Arbeitsplatzes, die Annahme der Idee des rechten Flügels
von den Abhängigkeiten des Wohlergehens, alles ein Echo - genau wie bei
Clintons Neuen Demokraten - der Vorstellungen der '60er von
wirtschaftlicher Unabhängigkeit und davon, den Staat, allzu oft den Millionen von
Menschen, die am Rande der Gesellschaft leben, für welche die
Generation des 'Liebet-Euch-Alle-Einander'-Typs immer überraschend wenig Zeit
hatte, den Rücken zukehrend, zu vermehrter Aktivität anzuspornen.

Falls jemand aufgrund der positiven Entwicklungen in der Gesellschaft
eine Affinität zum britischen Pol der 60er Jahre hegen sollte, nicht der
Anglo-Amerikanischen Gegenkultur muß man für jenen Wandel dankbar sein,
sondern, anstelle von lockig-flockigen Hippies, solchen eher steifen
Reformern wie Roy Jenkins und David Steel. Wer ruckblickend die
Erfindungen im damaligen Jahrzehnt der Politik der Kultur und der individuellen
Identität betrachtet, möge sich folgende Frage gefallen lassen: Hat
nicht jener Stimmungsumbruch auf höher See, ausser der Tatsache, daß er
die progressiven Linken von den Fragen, die die wirtschaftliche
Ungleichstellung der Menschen aufwirft, weggescheucht hat, die schnürlgerade
vorwärtsblickende Welt so verprellt, daß wir mit einer rechtslastigen
Vorherrschaft eines Thatcher/Reagan-Gespanns beschenkt wurden.

Wer sich die obenerwähnte Ausgabe des Magazins Rolling Stone erstehen
sollte, kann über all jenes zu einer abschließenden Betrachtung
gelangen: daß irgendwo im verblähten Aufschießen zusammen von bedeutungsvollem
Protest und von narzißtischen Kindskopf-Sperenzchen - wo sich
das Boykottieren des (ehedem rassendiskriminatorischen) Montgomery
Bus(-betriebs)
zu einem Jim Morris der Doors, zum Beispiel, fügt, der Schlüssel zu
vielen der Fehler der 60er Jahre liegt.

Oh ja, und noch ein letztes: falls jemand dazu aufgelegt sein sollte,
die Sergeant Pepper-Platte zu ihrem Jubiläum abzuspielen, würde ich
raten, gleich zum Song Getting Better zu hüpfen, ein Lied, das, ohne sich
dessen bewußt zu sein, eine grundlegende Charakterumschreibung des
Dramaspiels der ganzen Ära in sich faßt: luftig-leichter Optimismus, der mit
der ernüchternden Erkenntnis kollidiert, daß, sowie all der blaue Dunst
sich verzogen hat, wieder alles wie eh und jeh sein wird. "Ich muß
zugeben, es geht uns besser / Stück für Stück besser, nach und nach", singt
da Paul McCartney (auf Englisch). Hieraufhin kommt dann gleich die
etwas säuerliche Zeile "Es kann nicht mehr schlimmer kommen", auf Wunsch
von John Lennon eingebaut.

John Harris

Mit 'ner katzenhaften Schwarzfahrerin ging's auf gestohlenen Schienen auf zur Landeserweiterungs-Beamtenabspeckung zur schnellstmöglichen Lösung für die größten Nöte

Gymnastiksaal im Büro läßt die Kilos purzeln
(16.5.2007)

Forscher für Übergewichtigkeit haben einen Arbeitsplatz entwickelt, der
sitzenden Beschäftigten dabei hilft, sich während der Verrichtung der
Arbeit bewegen zu können und an Gewicht zu verlieren. Gemäß den
Entwicklern der Anlage kann die neue Erfindung das Gewicht eines
übergewichtigen Arbeitnehmers um bis zu 30 Kilo in nur einem Jahr herabsetzen.

Für die Entwicklung der Anlage, das einen Lauf-Fußstreifen mit der
Arbeitsstelle verbindet, zeichnet die in New York ansässige Klinik Mayo
verantwortlich. Es wird empfohlen, die Arbeitsanrichtung zwei bis drei
Stunden am Tag anzuwenden. Der Benutzer der Anlage kann,
wenn er will, stehend, sitzend oder laufend seinen Computer bedienen. Auf der
Anrichtung ist auch Platz für persönliche Gegenstände, wie für
Blumenvasen und einen Ständer für Schreibutensilien. "Dies ist sicherlich etwas
leicht ungewöhnliches, aber wenn man auf diese Art sonst nicht in Bewegung
kommende Menschen von ihrem Hinterteil hochbekommt, dann kann es sich nur um
eine gute Sache handeln," sagte der Manager John Brewer von der Lucozade
Sports Science Academy.

Fünfzehn übergewichtigen Testpersonen gelang es, im Durchschnitt 191
Kilokalorien in der Stunde verheizt zu haben, als sie die Anlage neben ihrer Arbeit her ausprobierten. Bei einer normalen, sitzenden Tätigkeit werden im Durchschnitt
gerade mal 72 Kilokalorien in der Stunde verbrannt.

Eine Katze reiste als blinder Passagier
(15.5.2007)

Der US-Amerikaner Eric Congdon bekam aus China einen Container voll mit
Motorrad-Teilen. Als er den Container öffnete, bemerkte er in der Ecke
ein junges Kätzchen.

Die Miezi war 35 Tage als blinder Passagier mitgefahren, ohne Futter
und Wasser. Ein Arbeitskollege Congdons nahm sich der abenteuerlichen
Katze an, die selbstverständlich auf den Namen China getauft wurde.

wo-finde-ich-die-nackte-Schoene

Große Not kennt kein Gesetz
(15.5.2007)

Ein Norweger fuhr in einem Tunnel mit deftiger Übergeschwindigkeit und
flog dabei auf. Auf dem Gericht erklärte er, daß er nur wegen einer
Notlage ein Tempo von 160 km/h auf einer Straße fuhr, auf der gerade mal 80
km/h erlaubt sind.

Der Mann hatte das dringliche Bedürfnis gehabt, in "einer großen
Angelegenheit" auf eine Toilette zu kommen.

"Es wäre keine gute Lösung gewesen, im Tunnel anzuhalten, um zu
defäkieren."

"Er hatte auch nichts bei sich, womit er sein Hinterteil hätte
abwischen können. In dem Tunnel, in dem ein reger Verkehr herrscht, hätte er
ebensogut dabei auch eine Strafanzeige als Exhibitionist angehängt
bekommen können," verteidigte laut dem Blatt Sunnhordaland der Anwalt den
45-jährigen Mann.

Das Gericht kannte keine Gnade hinsichtlich den Nöten des Mannes.

Nach Anschauung des Richters sei es äußerst sonderbar, daß nach dem
Tunnel von Bømlafjord die erwähnte Notlage sich auf einmal so
erleichterte, daß der Mann nun in der Lage war, bis an sein Reiseziel, ohne für
sein Geschäft anzuhalten, durchzufahren.

Die Landkarte von Malta wächst wegen des Euro
(15.5.2007)

Wenn Malta nächstes Jahr seine Lira auf Euro umstellt, wird aus dem
klitzekleinen Mittelmeerstaat mit einem Schlag ein viel größerer.

Malta ist von seiner Landoberfläche her so klein, daß die Münzmaschinen
keine Landkarte realisieren könnten, auf der Malta im Vergleich zum
restlichen Europa in seiner richtigen Größe erschiene.

Die naheliegendste Lösung war es, Malta größer erscheinen zu lassen. So
wird aus der 27 Kilometer langen Insel auf der Münze eine 183 Kilometer
lange.

Malta stellt am 1. Januar 2008 auf Euro um.

KoalaBärZwillinge haben überlebt
(15.5.2007)

Die einzigen KoalaBärZwillinge der Welt haben ein Alter von sieben
Monaten erreicht. Gemäß den Tierpflegern ist die kritischste Phase vorbei
und das außergewöhnliche Zweiergespann bleibt wahrscheinlich am Leben.

"Die KoalaBären wiegen ungefähr 300 Gramm und haben die Größe einer
Faust. Alle unsere Beschäftigten lieben sie und tun ihr bestes für das
Wohlbefinden der Zwillinge," hieß es aus dem Zoo von Xiangjiang.

Die Zwillinge sind vorläufig unter den Namen Michelle und Amanda
bekannt. Die KoalaBären werden neue, chinesische Namen erhalten, sowie man
deren Geschlecht hat bestimmen können.

Die im Oktober zur Welt gekommenen Bären Michelle und Amanda sind die
einzigen KoalaBärZwillinge der Welt, die unter den Bedingungen eines
zoologischen Gartens geboren wurden. Die Überlebenschancen des
Zweiergespanns wurden als verschwindend klein betrachtet.

Diebe ließen vier Kilometer Eisenbahnschienen mit gehen
(17.5.2007)

Drei auf dem Gebiet der ehemaligen Sowjetunion geborene Deutsche wurden
diese Woche in Deutschland vom Gerichtshof in Marburg wegen eines
Verbrechens der schweren Sorte verurteilt.

Den Männern, die noch keine Dreißig sind, gelang es, über vier
Kilometer der Eisenbahn zu stehlen, bevor sie aufflogen.

Die zusammengetragene Beute wog zusammen 476 Tonnen, und dessen Wert
auf dem Alteisenmarkt beträgt ungefähr 170'000 Euro. Die Räuber konnten
das Eisen allerdings nur für 100'000 Euro absetzen.

Das Dreiergespann gab sich als Angestellte im Dienst für die Deutsche
Bahn aus, als es sich daran machte, sich mit einem Schneidbrenner an den
Schienen, die aus dem Bahnabschnitt zwischen Niederwalgern und Lohra
entfernt worden waren, zu schaffen zu machen. Die Männer wurden erwischt,
nachdem ein Anwohner des Orts sich ihre Geschichte von der Deutschen
Bahn bestätigen lassen wollte.

(sämtliche Artikel übersetzt aus dem Finnischen)

Verrissene Werte-Strukturen, solange uns das Geld plagt

Die Fabrik der südenglischen Edel-Polo-Shirts-Firma Burberry, gelegen im idyllischen Rhondda Tal in Treorchy in Wales, wurde zum 31. März 2007 nach China verlagert. Die Fabrik hatte der Firma zuletzt 22 Millionen Pfund im Jahr eingebracht. Es hatte 11 Pfund gekostet, ein Polo-Shirt in Treorchy herzustellen, und die Fabrik produzierte 600'000 Stück davon in einem Jahr. Das Polo-Shirt von Burberry kostet im Einzelhandel zwischen 55 und 60 Pfund. In China wird die Herstellung eines Hemdes nur 4 Pfund kosten. Nach Hochrechnungen dürfte Burberry 2 Millionen Pfund mehr Gewinn pro Jahr in China erzielen. Sagte einer der 309 Arbeiter(innen), die jetzt hilflos und ihres Auskommens beraubt an die Luft gesetzt wurden: "Sie hatten uns unterschätzt. Sie vergaßen unsere Geschichte. Wir waren nicht bereit, ohne einen Kampf das Terrain zu räumen." Die Beschäftigten der Fabrik hatten alle nur erdenklichen Hebel in Bewegung gesetzt, um die Geschäftsleitung dazu zu bewegen, die Abwanderung ins Billig-Lohn-Paradies China rückgängig zu machen. Es war ihnen nicht gelungen, sich die Firma zu erhalten. "Es wäre vom wirtschaftlichen Standpunkt her nicht notwendig gewesen, abzuwandern. Es handelt sich dabei ausschließlich um Geiz."
Nicht gerade ein fairer Spielerzug auf seiten der Leitung einer Firma, die darauf setzt, Kleidungsartikel "mit einer Sensibilität für britische Werte" zu verkaufen.

Sagt in Finnland eine anspruchsvolle Mutter: "Für Pfützenspiele muß ich meiner kleinen Tochter ein finnisches Produkt anziehen, und nicht den tollen, teuren Burberry-Winter-Overall."
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21
Mai
2007

Wie weit noch muß es kommen, daß endlich aufgehorcht und dem Geld der Garaus gemacht wird?

Ein Japan ohne Tränen

Yakuzas und Spitzenmanager rasen vorbei im Mercedes, mit verdunkelten Scheiben ausgerüstet. Joseba oder Obdachlose und Tagelöhner wohnen in Parkanlagen in
blauen Zelten. Die blauen Abdeckungen haben sie auf Baustellen geklaut.
Die Obdachlosigkeit wurde in Japan zu einem großen Problem zu Ende der 1980er Jahre, als die aufgeblasene Wirtschaft zusammensackte. Man war des Glaubens, daß der Kapitalismus seine Krisenanfälligkeit überkommen hätte. Im öffentlichen und privaten Sektor wurden maßlos Schulden aufgenommen. Mit dem Kommen der Rezension geriet man in große Schwierigkeiten.

China hatte sich in der Zwischenzeit dem ausländischen Kapital geöffnet. Von Japan sind es gerade 48 Stunden Schiffsfahrt bis nach China, es war ein leichtes, außer Kapital auch ganze Fabriken dorthin zu verfrachten.

Japans Arbeitsleben ist gnadenlos. Als Beispiel hierfür möge genannt sein, daß sogenannte Kapselzellen-Hotels deswegen entstanden sind, daß Geschäftsangestellte es nicht abends nach hause schaffen, aber sie irgendwo unterzubringen sind. Viele verenden an Übermäßiger Angestrengtheit. Das Wort Karoshi der japanischen Sprache bedeutet frühzeitiger Tod durch Übermaß an Stress, Abgefackelt-Sein.
Wenn die Männer nach einer unbarmherzigen Arbeitskarriere nach hause zurückkehren, drehen die Ehegattinnen oft durch. Japaner bezeichnen dies Phänomen als Syndrom einer Ehefrau mittleren Alters. Jenes kommt daher, daß in der japanischen Familie einer Frau gerade soviel Macht zukommt wie einem Lehnstuhl.

Oder der Hikikomori bzw. Parasit. Der stets freundliche und höfliche Japaner nennt so junge Menschen, die sich in ihr Zimmer abkapseln. Japan hält die höchste Selbstmordräte der Welt unter Schülern. Im Fernsehen kommt allabendlich eine nicht-kommerzielle Bekanntmachung, dessen Botschaft eine für Schüler ist: Tötet euch nicht selbst, dies kommt dem Familien-Clan teuer zu stehen.

Als ich im Jahre 2004 zu Besuch war in Nagoya, verbrachte ich viel Zeit im Shirakawa-Park. Die Japaner nennen diesen Ort Beverly Hills. Viele Obdachlose lebten seinerzeit in dem Park. Mittlerweile sind diese anderswohin verbracht worden. Viele Obdachlose hatten sich dort recht bequem eingerichtet gehabt. Wasser und elektrischer Strom waren an die Zelte herangeleitet worden, offensichtlich ohne Befugnis.

Eines Morgens beklagte ich mich bei meinem Freund, daß man auch unter eine Dusche kommen sollte. Er führte mich in ein japanisches Badehaus, das mit Leichtigkeit durchaus jederzeit einer finnischen Sauna den Rang abläuft.

Als wir in der Nacht draußen herumsaßen, demonstrierte mir ein Obdachloser mit seinem Handrücken, daß er sich die Gurgel durchschneiden will. Sein Maß war voll von dieser Lebensart. Am nächsten Morgen hatte er sich die Pulsadern aufgeschnitten.

Im Jahre 2000 starb in Osaka ein Obdachloser pro Tag. Tuberkolose ist zum Beispiel unter Obdachlosen zwanzig mal so hoch wie bei der sonstigen Bevölkerung. Viele Obdachlose scheinen beschlossen zu haben, sich zu Tode zu trinken. Jedoch nicht alle. Einige studieren etwas die ganze Zeit über.

Von Osaka wird behauptet, daß es das Zentrum des japanischen Radikalismus sei. Dieses wird auch klar, wenn man sich die Tatsache vor Augen hält, daß es in Osaka bis zu 140000 Obdachlose gibt. Diese Ziffer gab ein ausländischer Wirtschaftsexperte an, der nahezu 40
Jahre in Japan lebt. Die Zahl scheint hoch, aber es gibt in Osaka etliche Zeltstädte der Obdachlosen. Die Regierung versucht das Problem zu verheimlichen, und es kümmert sich auch kein Teufel darum, die genaue Anzahl herauszufinden.

Die Obdachlosen haben begonnen, sich zu organisieren. Deren Genossenschaft kauft gemeinschaftlich Reis und Gas ein. Die Obdachlosen verfügen auch schon über eine
gemeinnützige Landwirtschaft. Die Vereinigungen der Obdachlosen verteilen nahe des Bahnhofs in Osaka jeden Montag und Donnerstag gratis Reis, eine Miso-Suppe,
Kleider und Hygiene-Artikel. Auch einige christliche Kirchengemeinschaften helfen, indem sie etwas verteilen.

Ein lange Zeit in Japan lebender Missionarsprediger der Pfingstgemeinde, Reijo Blommendahl, sagte, daß Buddhisten nichts hergäben, um zu helfen, denn nach
ihrer Auffassung trage der Mensch Verantwortung über sein eigenes Schicksal. Schlechtes Karma wäre zurückzuführen auf schlechte Taten in früheren Leben.

Das Furchterregende an der japanischen Gesellschaft ist, daß sie die Entwicklung der europäischen Gesellschaft antizipiert. Diejenigen, die im Zuge der Automatisation und Globalisation von der Produktion ausgelagert werden, bilden die ersten Outcastes der Geschichte. Die politische, berufsgebundene, wirtschaftliche Arbeiterbewegung entstand als eine Reaktion auf die Probleme, die durch den Kapitalismus verursacht sind.
Der Kapitalismus scheint dem Bevölkerungsteil derer, die aus der Produktionskette herausgefallen sind, gleichviel Bedeutung beizumessen wie dem Verbrauchermüll.

Ein Bericht von Esa Ronkanen
(übersetzt aus dem Finnischen)


Der Schreiber ist Aktivist einer internationalen Bewegung von Obdachlosen

20
Mai
2007

Wollen wir uns die im folgenden vorgestellte Variante gefallen lassen, oder wären wir nicht doch besser beraten, anstelle davon das Geld einfach von allem Wirtschaften auszusperren?


Armut mit Stil

Ein Leben in Saus und Braus ist außer der Tatsache, daß es anstrengend und langweilig ist, auch aus der Mode gekommen.
Außerdem müssen wir uns ohnehin, wenn Wirtschafts- und Umweltprognosen Glauben zu schenken ist, früher oder später nach der Decke strecken.
Am besten also, rechtzeitig zu lernen, wie mit Stil ärmlich gelebt werden kann.

Armut ist nicht nur Mangel an Geld. Keiner ist so arm wie der Reiche, dem ein gewisses Lebenskünstlertum abgeht, argumentiert ein arbeitsloser deutscher Graf
Alexander von Schönburg, ein Autodidakt in der Kunst des ärmlichen Lebens mit Stil, der es in dieser Disziplin zu einem wahren Meister gebracht hat.

Der Familien-Clan des in Berlin wohnenden Grafen verfügt über eine solide Erfahrung von vier hundert Jahren des sozialen und wirtschaftlichen Abstiegs. Der Clan, der im 10. Jahrhundert von Schloß Schönburg aus den gesamten südwestlichen Raum von Deutschland zu beherrschen sich ausgebreitet hatte, sah sich in der mißlichen Lage, vom 16. Jahrhundert ab ihre Ansprüche auf Gebiete und Besitzstände nach und nach abzugeben.

Zu Beginn der 1960er Jahre vertrieb die kommunistische Staatsgewalt Ost-Deutschlands den Clan zu guter letzt aus deren Schlössern.

Alexanders Vater konnte, als er als 16-jähriger aus dem Land floh, nur noch das Geweih eines kleinen Steinbockes retten, welches er auf seiner ersten Jagd von seinem Vater ausgehändigt bekommen hatte.
Seine Mutter, auch sie fürstlichen Geschlechts, floh aus Ungarn auf österreichisches Territorium schwimmend, ohne sonst etwas anderes mit sich geführt zu haben als die Blutegel, die sich im See an der nackten Haut angeheftet hatten. Der Vater ernährte seine Familie im Westen als Radiomoderator, und auch der Sohn wurde ein Moderator.

Die Rezension der 2000er Jahre brachte Entlassung und Arbeitslosigkeit mit sich.

Nachdem er zuerst fast am Durchdrehen war, kam es in dem Grafen zu einem Aha-Erlebnis: Ist er nicht doch ein Experte in der 15. Generation für Verarmung?!
Weshalb sollte man nicht auch trotz Verarmung anständig leben können?

In seinem Buch 'Die Kunst des stilvollen In-Ärmlichen-Verhältnissen-Lebens' stellt er Begründungen dafür auf, daß erst Armut wahren Reichtum darstellt.

Saure Vogelbeeren? Gewiß - aber in den Ausführungen des verschuldeten Grafen schwingt ein gesunder Menschenverstand mit.

Wohlstand steht allzu oft mit Geizhaftigkeit, Angeberei und übersensiblem Getue in Verbindung. Geld macht die meisten Menschen forderungenstellend, quenglerisch und komplexbeladen. Solches verringert den Wert des Lebens.

Ein mit Stil arm Lebender ist reicher als ein Banause mit einem großen Haufen Geld, vernünftelt von Schönburg.

Durch Tierversuche ist bewiesen worden, daß eine hoffnungsvolle Erwartung glücklicher macht als ein Erreichen des Erhofften.

In einem Affenkäfig war eine Lampe aufgestellt, die immer kurz davor, bevor den Affen Apfelstücke gereicht wurden, anging. Jedesmal, wenn die Lampe aufleuchtete, begannen die Gehirne der Affen das als Dopamin bekannte Glücklichkeitshormon zu produzieren. Waren die Apfelstücke dann aber in Erscheinung getreten, kam es zu keinem neuen Dopamin-Rush mehr.
Als die Äpfel mit Rosinen ausgetauscht wurden, nahm die Ausschüttung von Dopamin zu. Als anstelle von Rosinen wieder Äpfel ausgegeben wurden, begann das Einschalten der Lampe für die Affen eine Enttäuschung zu markieren, und es kam zu einer geringeren Ausschüttung von Dopamin als je davor.

Je großer die Dinge sind, die wir gewohnt sind, zu erwarten, desto wahrscheinlicher es sein wird, daß wir uns enttäuscht fühlen. Die Erwartung in sich selber stellt zufrieden, nicht das Erhalten.

Pathetisches Einkaufen verursache letztendlich ein Gefühl der Frustration. Gemäß von von Schönburg vollzieht sich ein Einkaufsbummel am glücklichmachendsten, wenn man es vermieden hat, nutzloses Zeug einzukaufen.

Weshalb bringt es die Marktwirtschaft fertig, uns von der Unabdingbarkeit von Waren zu überzeugen, obwohl diese eigentlich nur auf einem Durchmarsch sind? fragt von Schönburg, und antwortet:

Die Waren stellen die vor dem Konsumenten-Esel aufzuhängenden Möhren vor, womit jener zu ködern ist. Das Glücklich-Sein, wofür diese stehen, wird nie erreicht.

Die Reklame-Macher verkaufen die "Einzigartigkeit". Mit dem überzogenen Preis dieser Waren ersteht man sich das Gefühl, daß man zu den Elite-Menschen gehört.

Deshalb mußt du eine Louis Vuitton Tasche haben, und nicht weil sie schön ist. Echte Stilhaftigkeit sei aber nicht auf Markenprodukte aufgebaut.

Der Schreiber erzählt bewundernd von seiner Schwiegermutter, die in ein Markengeschäft von Cartier ging, um das Armband einer am Strand erstandenen Cartier verkürzen zu lassen.

- Gute Frau, Ihre Uhr ist ein Falsifikat, bemerkte der Verkäufer sachte. - Ich weiß, gab die Schwiegermutter wie beiläufig zurück, und ihr stilvoll gestyltes Lächeln war nicht aus der Fassung zu bringen gewesen.

Besitztum mache selten glücklich, begründet von Schönburg.

Ein gewisses, ihm bekanntes Ehepaar schaffte sich für deren Pensionärs-Tage auf Saint Tropez eine stattliche Villa an, die einen panoramischen Ausblick aufs Meer bietet. In dessen Vorhalle steht eine Skulptur von Giacometti, in ihrem Speisezimmer hängt ein Renoir, im Wohnzimmer ein Picasso.

Die Versicherungsgesellschaft erklärte sich bereit, deren Heim zu versichern - jedoch zu einer Bedingung: die Villa müsse stets bewacht sein und es müsse immer eines der beiden zuhause sein.
Das Paar kommt nirgendwohin zusammen weg, und sie mußten sich auch daran gewöhnen, daß alle halbe Stunde von ihrem Panorama-Fenster draußen ein bärtiger Wächter hereinblickt, um sicherzustellen, daß alles in Ordnung ist.

(aus der aktuellen Sonntagsbeilage einer beliebten finnischen Zeitung, übersetzt ins Deutsche)
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17
Mai
2007

Finnland anerkannt als das Land der freiesten Medien in der Welt

Zum Tag der Pressefreiheit in der Welt am 3. Mai wurde rechtzeitig ein jährlicher Bericht vorgelegt zum Stand der Pressefreiheit in der Welt im allgemeinen und zu deren Entwicklung im besonderen in den einzelnen Regionen und Ländern.

Es wäre 2006 ein weitläufiger Trend zu einer Abnahme der Freiheit des geschriebenen Worts zu beobachten gewesen. Die fünf am schlechtesten abschneidenden Ländern sind gemäß der Auswertung von Freedom House Burma, Kuba, Libyen, Nord-Korea und Türkmenistan. Abschlußlichter auf dem Sektor wären aber auch Russland, Weiß-Rußland, und etliche andere Länder der ehemaligen Sowjetunion, dann auch China noch, Thailand, Laos und auch die Philippinen, aber auch solche Länder wie Eritrea, auch in Marokko stehe es nicht zum besten. Von südamerikanischen Ländern wäre die Lage besonders in Venezuela, aber auch in Mexiko, Peru, Argentinien und Brasilien unbefriedigend. Verbessert aber hätten sich die Möglichkeiten des freiheitlichen Berichterstattens in Haiti, und das einzige, bis vor kurzem im Vergleich zu den Nachbarländern etwas zurückhinkende, europäische Land, Italien, hätte seit dem Abgang des Medienmoguls aus der Politik auf den Rang der anderen aufgeholt.
Ansonsten lasse sich ein gewisser Druck auf die Medien von seiten der Gesetzeslage und den Diktaten der Marktwirtschaft auch in den freien Ländern nicht verkennen. Es liegt eine Tabelle der Indizes der Pressefreiheit für jedes einzelne Land vor.
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Wenn alles bisherige Sich-Aneinander-Reiben unter den Menschen irgendwann doch noch zur Abschaffung des Geldes führt, wird man sich immerhin zum Schluß nicht beklagen können

Zur Einstimmung auf die Zeit um den Bürgerkrieg herum brauchte es kalte Haftzellen, Kakerlaken und Autos ohne Verdeck

Der Befehl drehte die Zeit auf das Jahr 1918 zurück

(ein Bericht aus der Sparte Kultur der TS vom 16. Mai 2007, übersetzt
aus dem Finnischen)


- Wo ist hier nur die vielbeschworene Stille der äußeren Inseln (im
Meeresabschnitt der Ostsee vor Turku im Süden Finnlands)?! ruft
Filmregisseur Aku Louhimies auf dem Terrain des Naturschutzgebiets von Lenholm im
Bezirk Parainen, als ein von weit her hörbares Getöse auf der
Landstraße eine Pause in den Aufnahmen für den im Frühjahr von 1918 spielendem
Der Befehl verursacht.

An den Gestaden des Meers hat sich eine Produktionsgruppe von zehn
Seelen aufgestellt. Samuli Vauramo schreitet als Feldjäger Aaro Harjula mit
einem Rucksack auf dem Rücken und einem russischen Soldatengewehr des
Jahres 1891 auf der Schulter auf der Wiese entlang.

Der Schauspieler ist in seine Rolle sogar nachts vertieft.

- Ich habe während den Aufnahmen ein asketisches Leben geführt, indem
ich in einem Halbe-Mannschaft-Gemeinschaftszelt der Armee an den Ufern
des Zweifachsees gehaust und morgens im kalten See gebadet habe, erzählt
Vauramo.

Zu Beginn der Anfang April gestarteten Aufnahmen war das Nachtlager
überraschend kalt, so sehr, daß am Morgen beim Erwachen einem der Atem
dampfte.

Begegnungen im Schilf

Der auf einen Roman von Leena Lander zurückgehende Film Der Befehl
trägt sich in der Zeit zu, als der finnische Bürgerkrieg zu seinem Ende
gekommen war und Tausende von Rotgardisten entweder auf den Beschluß eines
Feldgerichts hin oder auch ohne eines solchen hingerichtet wurden. Das
Drehbuch für den Film hat ein gewisser Jari Rantola auf der Grundlage
des Buches von Leena Lander geschrieben.

In der Geschichte macht sich der Feldjäger Harjula daran, die
Rotgardistin Miina Malin rudernd dem Standgericht von Ruukkijoki zu überbringen,
welchem der Feldrichter Emil Hallenberg (Eero Aho) vorsitzt.

- Harjula ist aus ideologischen Gründen nach Deutschland zur Schulung
gegangen, und war, als er zurückkehrte, enttäuscht, als er sich in die
Lage versetzt sah, gegen die eigenen Landsleute kämpfen zu müssen. Er
ist etwas kriegsmüde, und sieht nicht, wofür man kämpfen soll. Seiner
Meinung nach ist der Krieg willkürlich angezettelt und erinnert mehr an
Terror als an eine Kriegsführung, wie es Vauramo beschreibt.

Der Feldjäger macht sich auf den Weg, die Frau namens Miina zu
überstellen, da er einen Befehl ausführen will, laut dem Gefangengenommene
einem Gericht zuzuführen sind.

Der zuletzt im Film 'Mädchen, du bist ein Star' in Turku mit von der
Partie gewesene Vauramo hebt als einen Spitzenmoment der Aufnahmen eine
Verfolgungsszene hervor, die im Schilf aufgenommen wurde. Die scharfen,
abgestorbenen Schilfgräser brachten den Füssen Schnittwunden bei.

- So lange man im Schilf lief und herumknirschte, fiel einem gar nichts
auf. Das Adrenalin war verströmt, und man fühlte keinen Schmerz. Das
war überwältigend.

Schauspielerin saß in der Zelle

Als die Abschnitte mit dem Feldjäger gedreht werden, stellt die die
Miina spielende Pihla Viitala zunächst ein Klubmädchen dar. Danach fängt
sie damit an, sich für ihre nächste Aufnahme umzukleiden und fertig zu
maskieren.

- Zwischendurch ist es echt richtig kalt geworden. Und ich bin viel
gelaufen, bemerkt Viitala zu den Aufnahmen.

Die Miina im Film Der Befehl ist die erste Filmrolle für Viitala.

- Das ganze kann einen physisch und geistig schon schwer hernehmen, da
das Thema auch nicht gerade vom leichtesten Kaliber ist.

Miina ist gemäß Viitala eine willensstarke, intelligente Frau mit einem
Sinn für Gerechtigkeit.

Die Schauspielerin erzählt, daß sie viel Zeit in einer Zelle in
Brinkhall verbracht hat und sich auch mit den Kakerlaken anfreunden mußte.

Auf den Feldern von Parainen ist man jedoch im Schoß der Natur und als
nächstes werden die Lauf-Geräusche von Miina im Feld aufgenommen.

- Fester, fester, spornt sie der Filmregisseur an, als Viitala mit
einem schweren Mantel über den Schultern und großen Stiefeln an den Füßen
im Kreis herumläuft.

Hinterher wird der Schauspielerin Schweiß obendrauf gespritzt, denn als
nächstes ist eine Szene dran, bei der Miina hinter einem Auto
hinterherrennt.

Epochales in der Kälte

Der Film aus der Zeit des Bürgerkriegs in Finnland ist der erste
geschichtsdramatische Film des aufstrebenden finnischen Filmemachers Aku
Louhimies.

- Die Aufnahmen haben ziemliche Anforderungen an die Schauspieler
gestellt, es mußte im kalten Wasser geschwommen werden, man hatte vor
Pferden herzurennen, es gab kalte Haftzellen, Kakerlaken und Regengüsse.

Als das Standgericht von Ruukkijoki hat das Landadels-Haus von
Brinkhall im Bezirk Zweifach gedient.

Alte ländliche Gebiete und Landschaften der äußeren Schäreninseln
wurden außer in Parainen auch in den Bezirken Kustavi (Gustäfsflur), Vehmaa
(Blühendland), Nauvo gefunden.

- Wir mußten urwüchsige Naturwälder und Felder ohne verdeckte
Bewässerungsgräben finden, sowie Hinterhofsbereiche und Szenerien, wie sie vor
90 Jahren hätten sein können. Es war nicht ganz einfach, unberührte
Gebiete auszumachen, denn auch die äußeren, im Meer gelegenen inseln sind
übersät mit Gebäuden und See-Hinweisschildern, erzählt Louhimies.

Chauffeur ohne Brille

Neben Louhimies ist ein ungefähr 35-köpfiges Aufnahmeteam für den Film
schwer am Schuften, außer den Schauspielern und den Gehilfen.

- Obwohl der Film im Jahre 1918 spielt, herrscht eine ziemlich
konzentrierte Stimmung, und wir hatten auch keine ganz kopflosen Gruppen
beisammen, sagt der Regisseur.

Von örtlichen Schauspielern sind unter anderen mit dabei ein Mikko
Kauki, der einen Feldwebel spielt, Miska Kaukonen in der Rolle eines
Weißgardisten, Kimmo Rasila als ein Wächter in Ruukkijoki sowie Riitta
Salminen als eine Bäuerin. Gehilfen haben die Soldaten vom roten und vom
weißen Lager gespielt, sowie auch die Bauernmägde und -knechte.

Außerdem sind für den Film Pferde, Schafe und Kühe, sowie Kakerlaken
benötigt worden, von welchen letztere nur schwer aufzutreiben waren.

Das Aufzeichnen von Ereignissen, die nahezu hundert Jahre zurückliegen,
hat auch im übrigen im Hinblick auf die Details einiges an Überlegen
abverlangt.

- Im allgemeinen, wenn für einen Film ein Auto gebraucht wird, ist dies
leicht herbeizuschaffen, aber Autos aus dem Jahr 1917 oder 1918 sind
nicht so leicht zu finden, sagt der Filmregisseur.

Das für Den Befehl benötigte alte Auto, ein schwarzer Buick des Jahres
1917, fand sich im TS Automobil- und Kommunikationsmuseum. Zusammen mit
dem Wagen kam auch ein die Knüppelschaltung und die anderen
Kinkerlitzchen des Autos meisternder Chauffeur, ein gewisser Matti Lehtonen, ein
Restaurateur für Autos.

Lehtonen bekam einen Ledermantel, eine Schildmütze und eine glatte Hose
zum Anziehen, aber alle Anforderungen des geschichtlichen Films waren
nicht ganz so einfach zu erfüllen.

- Ich sehe schlecht, aber ich konnte meine Brille nicht benutzen, weil
es solche Dinge damals nicht gab, führt Lehtonen aus.

Der Chauffeur sollte jedoch trotzdem an die zehn Mal durch ein schmales
Tor in den Hof des Landhauses von Brinkhall stechen, und auf einen
genau vorbestimmten Platz hin.

Lehtonen, der ein paar Abende mit den Aufnahmen zugebracht hat, gibt
den Erfahrungen ein einziges Eigenschaftswort: es war bitterkalt.

- Bei meiner zweiten Szene kamen wir im offenen Wagen von einem
Picknick, so daß alle Schauspieler Sommersachen anhatten. Es ging ein stärker
Wind und alle waren ganz schön durchgefroren, stellt Lehtonen klar.

Wegen dem Landhaus und den äußeren Inseln

Der Regisseur kommt nicht umhin, regelmäßig zu erklären, wieso es ihn
so oft noch Turku zieht.

- Als ich den Film Unruhige in Turku drehte, fühlte ich mich, als wäre
ich im Ausland gewesen. Für den Film Der entblößte Mann benötigten wir das kirchliche Zentrum Finnlands, obwohl dies dann zum Schluß seine
eigenen Schwierigkeiten machte, als wir wegen der Domkirche
hierhergekommen waren. Louhimies weist auf die Rückgängigmachung der Dreherlaubnis hin.

- Das Buch von Leena Lander spielt sich in Süd-Finnland ab, aber
hierher kamen wir hauptsächlich wegen dem Landhaus von Brinkhall und den
Aufnahmeplätzen der äußeren Inseln.

Die Dreharbeiten zum Film Der Befehl gingen am Mittwoch mit
Unterwasseraufnahmen in Inkoo weiter. Danach zieht die Aufnahmetruppe auf eine
kleine, auf der Südseite von Jurmo gelegene Insel weiter.

In Turku werden im Sommer auch die Dreharbeiten für einen weiteren
Leena-Lander-Film an der Reihe sein, für Das Heim der schwarzen
Schmetterlinge mit Dome Karukoski als Regisseur. Die Erstaufführung des Films Der
Befehl wird aller Voraussicht nach in finnischen Lichtspielhäusern am
5. Januar, und die von Das Heim der schwarzen Schmetterlinge am 11.
Januar 2008 sein.

Kaisa Kujanpää
against enslaving

Eine Welt so ganz ohne Geld

"Benefits Supervisor Awakening" für Menschen, die durch und durch Mensch sind und nicht mehr länger ums Goldene Kalb herumtanzen wollen

mit vielen Überraschungs-Effekten:

interessante Links an Stellen, wo keiner sie vermutet

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Musikalisches


Amy Martin
Day of Reckoning

Pekka Pohjola von der finnischen Jazz-Rock-Band Wigwam, verst. im Nov. 2008
Pressure

Wird das arme Sparschweinchen schon irgendwo auf der Welt in seine wohlverdiente Freiheit entlassen?

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Zuletzt aktualisiert: 21. Okt, 16:19

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