6
Jul
2012

Nackter Randalierer von Hervanta im Krankenhaus - Internetdiskurs spitzt sich zu

Die Polizei war bis zum Donnerstagmorgen noch nicht dazu gekommen, den Mann zu verhören, der am Mittwoch in Hervanta bei Tampere für Unruhe sorgte. Der Mann befindet sich weiterhin in einem Krankenhaus, wohin er verbracht wurde, da er völlig durcheinander war.

Das von dem Vorfall aufgezeichnete Video hatten bis Donnerstag Mittag ung. 50'000 Menschen angeschaut.

Das Video ist hier zu betrachten: http://www.ts.fi/tstv?id=8875914&type=livevideo

Auf dem Video ist zu sehen, wie ein sich aggressiv gebärdender Mann mit Fäusten auf einen von ihm zum Anhalten gebrachten Bus einschlägt. Den herbeigerufenen Polizisten bleibt nichts anderes übrig, als über längere Zeit hinweg mit dem Mann sich einen Ringkampf zu liefern, und können diesen erst unter Zuhilfenahme des Schlagstocks und eines Paprikazerstäubers in seine Schranken verweisen. Auch bekam ein Polizist bei dem Zwischenfall eine Wunde ab, die der Versorgung durch einen Arzt bedurfte.

Der Vorfall hat im Internet eine heftige Diskussion ausgelöst zu Gewalteinsätzen der Polizei. Laut der Polizei des Bezirks Pirkanmaa wägt die staatliche Anklagebehörde ab, ob Veranlassung besteht, in diesem Fall eine Voruntersuchung zur Vorgehensweise der Polizei in Gang zu bringen.

DIE LESERKOMMENTARE ZU OBIGEM ARTIKEL

ein Dank den Polizisten

Selbstverständlich muß man der Polizei das Recht auf Gewalteinsatz zubilligen. Zumal deren Klienten in aller Regel Störenfriede sind, auf die eine oder andere Art. Sollte man vielleicht zuerst an die Polizeiverwaltung ein Bewilligungsgesuch schicken müssen und erst handeln nach dem Bescheid, falls es noch etwas zu handeln gäbe? Man belasse den Polizisten die Wertstellung, die sie verdienen, und man tadle sie nicht die ganze Zeit. Polizisten verrichten Arbeit, um uns Bürger zu schützen, bei sich die ganze Zeit verringernden Ressourcen.

"ein Freund der Polizei" 5.7.2012 15:33 Uhr

Die Polizisten geilten sich an der Gewalt auf

Unangemessen von der Polizei. Man hätte die Situation besser abschätzen sollen und nicht gleich Hals über Kopf drauf loslaufen und einen nackten Mann schlagen. Eine Situationseinschätzung fehlte vollständig. In der Zusammenarbeit waren viele Mängel. Manchmal ist es nicht nötig, eine Angelegenheit in zwei Minuten durch Zuhauen zu erledigen, sondern durch Reden in den zwei Minuten und man wartet auf Verstärkung der Truppe. Es drängt sich hier keine Eile auf. Das Drosseln, das Schlagen mit dem Schlagstock und das in die Fresse Spritzen haben eigentlich nichts geholfen. Armselige Polizisten. Man muß nicht immer zu nackter Gewalt greifen, wie es auch in diesem Fall nicht die Bohne geholfen hat. Die Übermacht hat geholfen und die hätte man sofort anstreben sollen.

"wo bleibt die Diskussionsfertigkeit" 5.7.2012 15:23 Uhr

Keine Schlagkraft

Die Polizistin hat den Kontrollgriff nicht zustandegebracht und sah sich so in die Lage versetzt, mit dem Schlagstock herumzudreschen. Wären von Anfang an 2 Stück männliche Polizisten von Erwachsenengröße da gewesen, wäre der Randalierer ruckzuck in den Kontrollgriff genommen, aufs Gesicht und zusammen-gelegt gewesen. Nichts wie ab in die Karre damit und ab geht die Post!

"Ein großes A" 5.7.2012 14:40 Uhr

Nicht so!!

Meiner Meinung nach hätte die Polizei diesem Mann einen Überwurf anbieten sollen zum sich Abdecken, egal wie der ausgesehen hätte! Der Mann war eindeutig durchgefroren und versuchte in den Bus zu kommen, um sich aufzuwärmen! Und es hätte noch die zweite Alternative gegeben, zu versuchen den Mann in die Saftlhuber-Minna hineinzubugsieren, um sich aufzuwärmen! Also ihn gleich in den hinteren Verschlag des Polizeiwagens hineinlocken mit Minzgebäck und Kakao und gewärmten Brötchen.

"Palle" 5.7.2012 14:30 Uhr

Richtig

"Hätte die Polizei sofort, als sie an den Ort kam, die Elektroschockpistole verwenden sollen anstelle von sanfteren Mitteln?"
diese Elektroschockpistole ist die sanftere Methode, alle, die schon mal ein Gas, das Teleskop sowie die Elektroschockpistole abbekommen haben, wählen die Schockpistole... ansonsten ging die Polizei gut voran, außer daß EIN Schlag mit dem Teleskop reichen sollte... falls man öfters damit zuschlagen muß, dann dürfte das Üben damit zu kurz gekommen sein.

"Sicherheitsexperte" 5.7.2012 14:20 Uhr

Handelten ganz richtig

so ist das also im Land der Blumenhut-Tantchen und -Onkelchen. Gewalt ist anzuwenden, wenn bloßes Reden nicht anschlägt. Ich würde diese Polizisten zu Kaffee und Kuchen einladen, wenn ich wüßte, wer sie sind.

"Jone" 5.7.2012 14:11 Uhr

Inkompetentes Herumgemache

Wahrlich ein glückloses Zugreifen, wenn man zu zweit keine Handschellen angelegt bekommt, obgleich man den Kerle schon ganz vor sich oben auf der Motorhaube liegen hat. Das blindwütige Herumschlagen mit dem Schlagstock ist kein Kind guter Eltern - schaute nach einem Racheakt aus.
Ab in den Gymnastiksaal mit derartigen "Polizisten", sie praktische Übungen machen lassen.

"Die Polizei ist dein Freund" 5.7.2012 13:55 Uhr

Antw.: Richtig gehandelt

Freilich sollte man solche schwach vorgehenden Polizisten kleben gehen lassen! hier sieht man wie es geht, wenn eine Frau die Aufgaben der Polizei ausführt. Selbstverständlich sollten zwei Polizisten in der Lage sein, augenblicklich die Handschellen anzulegen. Gewalteinsatz ok, die Vorgehensweise der Polizei in der Aufgabenstellung wirklich schwach!

"Olli" 5.7.2012 13:41 Uhr

Unnötige Berichterstattung

Nach meiner Auffassung geht es bei dieser ganzen Zuspitzung des Internetdiskurses zunächst darum, daß die Leute sich wundern, warum jetzt in den Medien in dieser Angelegenheit ein so fürchterliches Gezeter angestimmt worden ist, und wie es kommt, daß die ersten Nachrichtenschlagzeilen sofort die "Polizistenfrau" beschuldigten. Bei dem Sachverlauf gibt es nichts, worüber man sich zu wundern hätte, und der Gebrauch von Gewalt war völlig berechtigt und begründet.

"Unnötige Berichterstattung" 5.7.2012 13:36 Uhr

Richtig gehandelt

Die Polizei ging in der Situation besonders mustergültig vor. Wenn eine Randaliererei nicht im guten ausgeht, dann eben im schlechten. Die Sicherheit der Bürger wurde sichergestellt. Eine gute Polizei!

"Student der Rechtswissenschaft" 5.7.2012 13:32 Uhr

Idioten gehören gezüchtigt

Nur weiter so, gleich wird die Polizei wieder beschuldigt, wo sie doch nur ihre Arbeit verrichtet.

"Miliz" 5.7.2012 13:29

Gruß aus Hervanta

Ich empfinde ein derartiges Verhalten als bedrohlich für die Sicherheit der anderen Bürger. Meiner Meinung nach handelte die Polizei genau richtig. Ich verstehe nicht, woher der Kommentar von wegen 'übertriebenem Gewalteinsatz' überhaupt herkommt. Es schaute danach nicht aus. Wenn der Kollege nicht aufgibt, soll man ihn dann einfach weiterrandalieren lassen. Ich, die ich wohl schon 30 Jahre in Hervanta lebe, habe zuvor derartiges noch nicht gesehen, nicht in Hervanta und auch nicht anderswo.

"eki" 5.7.2012 13:18 Uhr

Die Polizei handelte richtig

Was soll man denn dann mit solchen anstellen?

"Teebu" 5.7.2012 12:37 Uhr

Nur so gedacht...

Wäre die Polizei nicht besser beraten gewesen, sofort nach Eintreffen vor Ort die Elektroschockpistole zum Einsatz zu bringen, anstelle von sanfteren Mitteln?

"Mikko J." 5.7.2012 12:32 Uhr

Übertriebener Gewalteinsatz? Von wegen!

Nun aber hier bitte einmal die Vernunft walten lassen. Wie würden die Polizisten denn ansonsten die öffentliche Ordnung aufrechterhalten, wenn sie selbst in einem derartigen Fall nicht zu Gewalt greifen dürften. Geht nicht eindeutig aus dem Video hervor, daß fraglicher Kamerad nicht ganz alle Indianer im Kanu sitzen gehabt hat.
Nach amerikanischem Muster hätte man da zum Beispiel schon mit Flinten die Luft durchlöchert.

"Jetzt aber richtig herum" 5.7.2012 12:30

die Syphilis aus der Gegend um den Hauptbahnhof von Helsinki vertreiben [nach einer finnischen Redensart]

Das Zurredestellen durch die Polizei ist diese erste Alternative. Wenn das nicht funktioniert, so kommt es sodann eben zum Gewalteinsatz.
Beim Gebrauch von Gewalt sollte man diesen ausreichend eintrainiert haben, sodaß die Burschen, ein jeder, so wie sie daher kommen, schnell wieder verschwinden wie [einstens] 'die Syphilis aus der Gegend um den Hauptbahnhof von Helsinki'!
Ein verunglücktes Polizeivorgehen.

"die Syphilis aus der Gegend um den Hauptbahnhof von Helsinki vertreiben" 5.7.2012 12:18

Was wäre die bessere Methode gewesen?

Wie soll man der Randalierer dann Herr werden, wenn man Gewalt nicht gebrauchen darf? Ein eigenartig scheinheiliges Herumgerede um den Gewalteinsatz der Polizei. Wer bringt die Geschichten dann in Ordnung? Geht irgendeiner unsereiner dazwischen, so ist er es, der eines körperlichen Mißbrauchs beschuldigt wird. Sicher wird es die Polizei "motivieren" in entsprechenden Fällen dazwischenzugehen, wenn man Gewalt anwendet.
Greift hier jemand aber das auf, daß mit dem Schlagstock zugeschlagen wurde? Na, womit denn sonst?... hätte man aus dem Unterholz ein abgebrochenes Aststück erst holen gehen sollen. Dafür sind die Hilfsmittel da, damit man diese im Bedarfsfall einsetzen kann. Und im vorliegenden Fall ist eindeutig zu sehen, daß anfangs versucht wurde, die Sache durch Reden vorbeizubringen. Jeder kann selber überlegen, ob er, käme er in eine solche Situation, mit der offenen Hand zuschlagen oder Gebrauch machen würde von einem Hilfsgerät, falls ein solches verfügbar wäre?

"Jusa" 5.7.2012 12:17

Der nackte Randalierer von Hervanta

Gut gehandelt vonseiten der Polizei !

"Jasager" 5.7.2012 12:16


(eine Meldung der Turun Sanomat vom 5.Juli 2012, mit anschließenden Leserkommentaren, übersetzt aus dem Finnischen)

(Der Artikel ist im Original nachzulesen auf | http://www.ts.fi/uutiset/kotimaa/365143/Hervannan+alaston+riehuja+sairaalassa++nettikeskustelu+kiihtyy |)

4
Jul
2012

Ausländische Pflücker gibt es genügend auf den Erdbeerfeldern

Finnlands Erdbeeren und die anderen Gartenbeeren werden weiterhin zu einem großen Teil mit ausländischen Kräften gepflückt. Auf den Feldern schuften während des Sommers ca. 8000 von anderswoher gekommene Pflücker. Der größte Teil kommt aus Rußland und der Ukraine. Aus dem Gebiet der EU kommen die Leute zunächst aus den Ländern Ost-Europas, berichtet der Geschäftsführer der Vereinigung der Obst- und Beerenanbauer Hannu Salo.

Die meisten Russen halten sich mittels eines Arbeitsvisums weniger als drei Monate in Finnland auf. Laut Salo hat es in ihrem Fall wie auch in den Vorjahren keine Schwierigkeiten mit dem Visum gegeben. Hingegen hat es bei den Aufenthaltsbewilligungen für Arbeiter von mehr als drei Monaten Verzögerungen gegeben.

Pflücker von Gartenbeeren sind Arbeitnehmer, denen ein Mindestlohn zusteht. Der Minimalstundenlohn beträgt 7,91 Euro, und bei Akkordarbeit wird dem Pflücker für das Kilo Erdbeeren 95 Cent ausbezahlt.

Die Pflücker von Waldbeeren sind hingegen im allgemeinen selbständige Unternehmer.

3
Jul
2012

Einen klitzekleinen Schritt näher an der Abschaffung des Geldes

Das Verkaufen der eigenen Nutzpflanzenernte ist leichter geworden

(ein Bericht der finnischen Zeitung Turun Sanomat vom 11.06.2012, übersetzt ins Deutsche)

Das Verkaufen der eigenen Nutzpflanzenernte ist leichter als früher, berichtet das (finnische) Lebensmittelsicherheitsamt Evira. Kommen zum Beispiel an Äpfeln mehr als der eigene Bedarf zusammen, kann man diese neuerdings selber oder an einen örtlichen Einzelhandelsladen ohne Ankündigung bei den Behörden veräußern.

Die eigene Ernte kann man auch zum Beispiel einer Tagesstätte oder einem Altenheim schenken. Die Abänderung betrifft sowohl selbst erzeugtes Gemüse, Beeren und Obst, sowie in der Natur gesammelte Beeren und Pilze.

Außerdem können landwirtschaftliche Höfe direkt an die Verbraucher kleinere Mengen Gemüse, Beeren und Obst ohne Benachrichtigung der Lebensmittelkammer verkaufen.

Dahinter verbirgt sich eine Änderung im Lebensmittelgesetz. Laut Evira besteht der Wunsch, die Bürokratie der Lebensmittelbranche abzubauen und die Flexibilität zu vermehren.

Evira erinnert daran, daß die Erleichterungen nicht die Weiterveredelung der Produkte betreffen, wie die Zubereitung von Marmeladen oder Säften für den Verkauf.

26
Jun
2012

Rentierlappen fordern Aktionen zur Sicherstellung ihres Gewerbes

Finnlands Rentierlappen e.V. treiben den Staat an, Taten sehen zu lassen, um ihr Auskommen abzusichern. Gemäß der Vereinigung sei Finnlands Situation bezüglich Raubtiere auf Rentierzucht-Areal unerträglich.

Die Vereinigung hat in der Angelegenheit ein Schreiben an Volksvertreter und Behörden verschickt. Die Rentierlappen verlangen vom Staat eine vollwertige Entschädigung für von Wildtieren angerichtete Schäden, sowie schleunigst Maßnahmen zur Eindämmung des wachsenden Raubtierbestands.

- Der Wildtierbestand hat sich dermaßen ausgewachsen, daß Rentiere anfangen, das hauptsächliche Futter für die Raubtiere zu sein, kommentiert der Wortführer der Vereinigung, Pekka Aikio, gegenüber dem Finnischen Nachrichtenbüro STT. (Aikio = Rentierschlitten)

Laut Vereinigung beginne die Lage sich bereits auf das Wohlergehen der Rentierzüchter auszuwirken, da der Lebensunterhalt auf unsicherem Boden stehe.


(ein Bericht aus der finnischen Zeitung Turun Sanomat vom 7.06.2012, übersetzt ins Deutsche)

24
Jun
2012

Sarkastischer Zauber in der Johannesnacht

"Der Rauch des Johannesfeuers dreht sich in Richtung von demjenigen, der bald zum Heiraten kommt."

- Seine kommende Sommerhochzeit sollte man sich nicht allzu lange reinziehen, denn das Einatmen des Rauchs könnte nicht sonderlich gesund sein.

"Springt man in der Johannesnacht nackend auf einer feucht-nassen Wiese herum, ist Glück bei der Verehelichung im Aufmarsch."

- Das Antesten überlasse man den Gewillten. Es lohnt sich jedoch, vor blutgierigen Schnaken und Zecken auf der Hut zu sein. Auch vor ebensolchen Nachbarn.

"Lege unter dein Kopfkissen sieben verschiedene Blumen, so wirst du im Traum deinen Lebenspartner erblicken."

- Die Blumen sollte man vorab abchecken, um nicht in der Nacht darüber aufzuwachen, daß eine Spinne auf dem Gesicht krabbelt. Auch ist es ratsam, sich zuerst Gewißheit zu verschaffen über eine Blumenallergie bei sich.

"Höre in der Johannesnacht auf das Rufen des Kuckucks. Die Anzahl der Kuckucksrufe gibt Kunde davon, nach wievielen Jahren du deinen künftigen Partner finden wirst. Sollte der Kuckuck überhaupt nicht krähen, kommt die Liebe noch im selben Jahr."

- Falls man seine bessere Hälfte noch während diesem Jahr finden will, ist es angezeigt, in der Stadt zu verbleiben, um vor aus der Reihe tanzenden Naturgeräuschen verschont zu sein.


(übersetzt aus dem Finnischen, aus einem Blog-Eintrag)

23
Jun
2012

Birdlife mahnt, das Abbrennen vom Freudenfeuer auf Vogelklippen zu vermeiden

Das Johannesfeuer darf man nicht auf Vogelklippen abbrennen, mahnt die Vogelinteressensgemeinschaft Birdlife. Man kann das Freudenfeuer auf einem an Anker gelegten Holzfloß in ausreichender Entfernung zu Nistklippen abbrennen. Es ist laut der Interessensgemeinschaft nicht ratsam, überhaupt auf Vogelklippen an Land zu gehen. Selbst ein kurzer Aufenthalt eines Naturfrischlers auf einer Vogelklippe oder in deren Nähe kann beträchtlichen Schaden anrichten.

Auf einen Menschen hinzu in angriffslustiger oder in verwarnender Pose fliegende Vögel sind ein sicheres Anzeichen von einem in der Nähe befindlichen Nistplatz oder von Jungen. Laut Birdlife ist es angebracht, von solchen Territorien unverzüglich abzuziehen.

Auf den Vogelklippen gibt es derzeit reichlich sowohl brütende Muttertiere als auch Küken. Auf Klippeninseln nisten Stockenten, Stelzvögel, Möwen und Seeschwalben. Die besten Nistplätze sind kleine, gering beholzte oder baumlose Klippeninseln.


(ein Bericht zum Sankt-Johann-Fest aus der finnischen Zeitung Turun Sanomat vom 21.06.2012, übersetzt ins Deutsche)

20
Jun
2012

Auch all dies geht nur aufs Konto vom Geld

Die Karelische Landenge und der Finnenberg

(aus der Turun Sanomat vom 11. Juni 2012, eine Kolumne von Veli Junttila, Magister der Philosophie, übersetzt ins Deutsche)

Stockholms vielleicht verrufenster Ort war bereits zu Anfang der 1960er das von abgebrannten Typen und Kriminellen aus Finnland in Beschlag genommene Slussen, das seinerzeit "Karelische Landenge" genannt wurde.

Von seinem Ruf her ein Quentchen besser war das von Finnen bewohnte Elendsviertel "der Finnenberg", "Finnberget", ein Camping-Areal im Wäldchen von Mälarhöjden, dicht bei Stockholm. Als dessen Wohnungen dienten Zelte sowie aus Brettern, Schachteln und Astwerk zusammengeschusterte Hütten.

Die Turun Sanomat berichtete zu dem Themenkreis in einem aus der im Juni 1962 in Stockholm erschienenen Finnischen Nachrichtenzeitung (Finska Nyhetsbladet) quotierenden Artikel. Darin wurde kein Verständnis gezeigt für die Bewohner von keinem der beiden Problemzonen.

Die Bewohner waren laut der Zeitung von der Schar ihrer Stammmitglieder her Verbrecher, die in Finnland zur Fahndung ausgerufen waren oder auf freiem Fuß das Gerichtsurteil erwarteten. Unter ihnen befanden sich auch solche, die eine Verurteilung ins Zuchthaus bereits durchstanden hatten, die die gestrenge "Nachbehandlung" von auf Bewährung entlassenen Gefangenen in ihrem Heimatland vermeiden wollten.

In gleicher Gesellschaft gab es auch viele heruntergekommene Alkoholiker sowie Abgeglittene aus unter den Brücken, junge Männer gar, welche, unkundig der Sprache, in der Gegend von Stockholm und auch sonstwo nirgends in Schweden Arbeit bekamen.

In den auf verschiedenen Ebenen verlaufenden Verkehrstunneln von Slussen war das Dach überm Kopf eine geritzte Sache, sodaß man nur ein Nachtlager aus Abfallpapier und Fetzen von Lumpen aufzuklauben brauchte. Tagsüber und abends randalierten die Männergruppen und bedrängten die Menschen auf den Straßen der Altstadt und beschafften sich mit allerhand schlitzohrigen Kunstkniffen Geld für scharfe Getränke. Die einer Arbeit nachgehenden und die anderen anständigen Finnen, die die Mehrheit der Einwanderer stellten, schauten diesem Treiben mit Schamgefühl zu.

Über den Finnenberg wurde insoweit berichtet, als daß die Bewohner obdachlose Finnen seien, viele von ihnen jedoch in einem Arbeitsverhältnis stehend, "von denen ein Teil zur Klasse der Geschirrspüler und der Kupferpolierer gehört". Auf dem Finnenberg wurde weniger randaliert als am Slussen, "die Bewohner beider Gebiete haben aber eines gemein: sie wollen nicht in ihr Heimatland zurück".

Der größte Teil der unerwünschten Finnen, wie die Kriminellen, kam auf Schwedenschiffen. Turun Sanomat verlangte in seinem Leitartikel eine Intensivierung der Überwachung bereits im Hafen von Turku, damit "unsere Landstreichersubjekte" oder "unser Bodensatz" nicht nach Schweden gelangen würde, um den Ruf unseres Landes zu verderben.

Der Leitartikelschreiber berichtete ein erhellendes Beispiel. Es befanden sich einmal in einem bestimmten Knast von Stockholm 36 Finnen und nur ein Schwede. Als die in Gewahrsam Genommenen überprüft wurden, stellte es sich heraus, daß der Schwede versehentlich zusammen mit einer Gruppe von Finnen dort hineingesteckt wurde und er wurde schleunigst freigelassen. Die in Bezug auf Slussen als lahmarschig bekrittelte Polizei Schwedens hatte schon 1961 ihre Aktionen verschärft und ung. 600 Finnen aus den Häfen zurückgewiesen. Der schwedische Staat finanzierte Reise, Verköstigung und oft auch die Auslagen des Begleiters.

Das Problem von Slussen - wenn vielleicht auch übertrieben - hielt lange an, und es gab darüber weitläufige Reportagen in den Zeitschriften. Die Auswanderungsbewegung der Finnen schwellte in den 1960ern zu einer Massenabwanderung an, im Gefolge wovon auch Slussen kontinuierliche Auffrischung erfuhr. Zwischen Schweden und Finnland gab es eine offene Grenze sowohl auf dem Meer als auch auf dem Land, und es war Arbeitskräften freigestellt, sich wegzubewegen. An diesen Rechten wollte man festhalten. Eine straffe Überwachung des Verkehrs der Passagierschiffe war in der Praxis unmöglich. Im Norden war angefangen von Tornio eine Grenzüberwachung von alters her nichtexistent.

In jener Zeit wurde noch nicht von den "Untergrundkämpfern von Slussen" gesprochen. Den Namen erfand vielleicht Juha "Watt" Vainio, als er im Jahr 1968 das gleichnamige Lied zusammenreimte, um es von Toivo Kärki vertont zu bekommen.

In der markigen Heldenparodie singt Junnu, (alternierend auf Finnisch und auf Schwedisch): "Hei, alle Penner Finnlands, am Slussen gibt es Bunker, die man nicht erobern kann".

19
Jun
2012

Das grünste und glücklichste Land der Welt

Das grünste und glücklichste Land der Welt

(ein Artikel aus den Blogs der finnischen Zeitschrift Fifi vom 16.08.2011, übersetzt aus dem Finnischen | http://fifi.voima.fi/blogikirjoitus/2011/elokuu/maailman-vihrein-ja-onnellisin-maa |)

Wohlstand ist Costa Ricas zweiter Name. Costa Wohlstand Rica

von Nina Sarell

Ich bereiste Costa Rica. Bereits das zweite Mal, daß ich die Ehre hatte, dem glücklichsten Land der Welt einen Besuch abzustatten. Costa Rica ist Nicaraguas Grenznachbar, und den Unterschied zwischen den Nachbarn dürfte man schon riechen, wenn man von der einen Grenzstation zur anderen überwechselt.

Auf der Seite der Grenze Nicaraguas steht ein Verschlag aus Blech, in dem spitzenbeschürzte Marktweiber Limonade, getoastete Bananenstückchen und Quesillo verkaufen, Käsehappen, die sich großer Beliebtheit erfreuen und die mit Pickles und saurer Sahne genossen werden. Eine alte, beleibte Frau geht umher und verlangt von den Reisenden Geld, wozu sie lautstark Geldbörsen lockernde Bibelsprüche vom Stapel läßt. Gott liebt den freudig Gebenden, ob jemand zehn Cordoba spenden könnte?

Kommt man in Costa Rica an, wallt der wirtschaftliche Wohlstand, der nach einem dreimonatigen Aufenthalt in Nicaragua eine ferne und etwas traumhaft erscheinende Erinnerung war, in der Brust auf wie ein Eimer voll mit trendig riechendem, aber seelenlosem Parfüm. Trifft man von der Seite des nördlichen Nachbarn her ein und hat gerade diese Alte und die ewigen Käsestücke gesehen, die rührend behäbigen Reisesouvenirs, die niemand kaufen will, nicht einmal aus Mitleid - wie soll man es sagen. Es kommt einem vor, als wäre die ganze, einen umgebende Welt ein Fernseher, und die Unicef-Gala würde sich plötzlich in die Sendung "Millionärsmütter" verwandeln. Plötzlich beginnen gepflegte und wohlgehütete Häuser an die Wegränder zu purzeln, die mit schön weiß getünchten, dekorativen Metallzäunen umgeben sind. Auf fast allen Zäunen stand ein Schild, auf dem vor Wachhunden gewarnt wird. Die Bananenfelder wuchsen sich zu grünen, wohlgedeihenden Meeren der Größe von Ländereien aus.

Die Ranken des Wohlstands strecken sich in Costa Rica nach überall hin mit solch einer Wucht, daß selbst die Bananen dort besser gedeihen. Wohlstand ist Costa Ricas zweiter Name. Costa Wohlstand Rica.

Wohlstand entsteht natürlich vom wirtschaftlichen Wachstum. Als Motor des wirtschaftlichen Wachstums fungiert der Verbraucher, der Papiergeld hat, und ein unanfechtbares, heiliges Bedürfnis, dieses aus seinem Portemonnaie hinauszulassen. Von San José blieben einem hauptsächlich die Schuhläden im Gedächtnis zurück. Schuhläden gibt es so viele und sie sind so groß, daß man glauben könnte, die ganze Welt kaufe ihre Schlürfer in der Hauptstadt von Costa Rica ein.

Costa Rica hatte auch anderes zu bieten. So wollten wir in den Naturpark gehen, es ergab sich jedoch eine Änderung im Plan. Der Reisepaß, die Kreditkarten und der Geldbeutel meines Reisekameraden wurden schon am ersten Abend der Fahrt gestohlen. Die Raubüberfälle auf Touristen nehmen in dem Maße zu, wie auch der Tourismus. Es werden Einwanderer dafür beschuldigt, aber jene halbwüchsigen Kanaillen, die mich im letzten Jahr mit der Machete bedrohten und mein Reisegepäck mitgehen ließen, sagten freilich ganz nach Art der Costa Ricaner "pura vida". Die Nicaraguer haben nicht diese gleiche Redewendung und sie sprechen auch nicht mit einem ähnlich spitzbübischen Akzent wie die Ticos.

Das kollektive Glück der Touristen steht vielleicht wegen der Raubüberfälle auf dem Waagscheit, die an den Stränden der Karibik sich eingenisteten Lifestyle-Hippies dürften allerdings durchgehend zufrieden sein - schon am Fensterspalt des Busses konnte man es riechen, daß überall, ja überall Cannabis wuchs. Die als Ergebnis harter Plackerei getarnte Wohlbetuchtheit bekam ein neues Antlitz, als der Besitzer eines Hotels, das völlig sachlich wirkte, halblaut mit einem Firmenkollegen aus einem Lieferwagen sprach, welcher eine Wagenladung hierhin, eine andere dorthin schafft. Die Gelder werden in den Urlaubsparadiesen der Wäsche unterzogen, die Polizisten stecken gegen eine angemessene Entschädigung die Finger in die Gehörgänge, und bald wird irgend ein Hans-im-Glück wieder ein feines Auto und ein stattliches Haus am Meer haben.

Die Tatsache, daß man in Costa Rica nicht sonderlich viel von den Nicaraguern hält, ist kein Geheimnis. Die Ticos und die Nicas sind wie die Finnen und die Schweden in den 1970er Jahren: das aus dem armen Nachbarland kommende Malochervolk bringt außer wirtschaftlichem Aufschwung auch Messerstechereien, Kriminalität und illegale Einwanderung mit sich. Ich traf mich mit einem einheimischen Kreolen, der richtig nervös wurde, als er über die Nicaraguer sprach. "Die ganze Zeit können die über ihre Armut jammern und haben die Hände in den Schoß gelegt. Haben denn all diese nicht die gleichen Chancen wie auch wir? Ich stecke Samen in das Erdreich, und mir reichen der Mais und die Bohnen, die Bananen und die Platanen und das Gemüse! Es ist reine Faulheit, wenn man keine Lust dazu hat, Lebensmittel für sich anzubauen!"

Ich hatte nicht genügend schlagfertige Argumente, und die Kriege von Nicaragua, die katastrophal schurkenhaften Politiker, die Trockenperioden, die Überschwemmungen, die Naturkatastrophen, der nichtexistierende Ausbildungsstand des Volkes und die Unterernährung taugten meinem Diskussionspartner als kein Argument. Nach seiner Auffassung sind die Nicaraguer einfach dumm und faul, sodaß sie lieber ihre Kinder Hunger leiden lassen als Körner in die Erde stecken.

Die Unterhaltung stimmte mich traurig, und ich wurde nachdenklich. Costa Rica ist ein großartiges Land. In Costa Rica gibt es von allem. Eine schönere Natur, mehr Biodiversität, Naturschutz, zierlichere Schuhe, eine ordentliche Schokolade, ein höheres Schulbildungsniveau, bessere Löhne und eine prächtigere Hauptstadt. Die glücklichsten Menschen der Welt. Weshalb aber ähneln sich der Welt glücklichstes Land und das 59. glücklichste Land der Welt Finnland so sehr?

Ich holte in San José vor der Abfahrt des Busses noch ein letztes Mal richtig tief Luft. Ich sog den Einkaufskarneval in mich hinein. Die langen Straßen, so sauber gefegt, daß du eine Frikadelle fallen läßt, sie aufhebst, abbläst und weiter ißt. Die unzufrieden ausschauende, hektische Menschenmasse, die sich in schöne Kleider geworfen hatte und unterwegs zur Arbeit war. Den Trunkenbold, der morgens um 7 Uhr irgendeinem Wildfremden deshalb mit der Faust in die Fresse haute, da es sich zufällig um keinen Costa Ricaner handelte. Einen Augenblick lang waren wir und sie vom gleichen Holz geschnitzt. Ich fühlte unsere gemeinsamen, geteilten Sorgen und unsere Verblüffung darüber, daß alles besser ist als gut, und trotzdem scheint es die ganze Zeit überall mehr Trübsinn, Gleichgültigkeit und Haß zu geben.

Ach ja, Nicaragua, Nicaragüita. Dessen Story ist so anders. Ich betrachtete aus dem Fenster des klimatisierten Busses die pockennarbigen Gesichter des verkrüppelten, kargen Landes, das sich ins Endlose am Straßenstreifen ausdehnende Farbenkunterbunt der Abfälle, die Felder, auf denen nichts angebaut wird, den Wald, der zu sehr zu Brennholz getrimmt wird, den einsamen Händler, der den vorbeifahrenden Autos ein Paar an einem Stock aufgespießte Iguanas entgegenreckte.

Nachdem ich nach Granada zurückgekehrt war, bemerkte ich, daß meine Herzensbänder sich jetzt weicher, geschmeidiger anfühlten. Die Nachbarn winkten mir von ihren Terrassen her zu. Der Aufpasser auf den Hund hatte mir von seinem eigenen Geld zum Abendessen Salat, Pommes frites und ein Omelett zubereitet. Der Hund hatte in die Hängematte ein Loch gebissen. Ich überlegte mir, daß ich morgen irgendwie diese tote Maus lokalisieren sollte, die gegenwärtig in der Küche stank. Die Echsen kletterten die Wand entlang und wenn man stillehielt, um richtig genau hinzuhören, war man in der Lage zu fühlen, wie sich, gedämpft dahinrauschend, der Erdball in flach abfallender Talfahrt weiterhin um sich selbst herumdreht. Mir war so wohl zumute.
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