22
Aug
2011

Endlich auf zum Brainstorming für Ideen, wie man von dieser knechtenden Geldwirtschaft loskommen kann!

Wie lange wird es noch dauern, bis dieser aus den Rudern laufende Kapitalismus sich von selbst beseitigt haben wird, mit wieviel mehr Schmerzen wird dieser Prozeß verbunden sein? Denkt man diese Frage bis zu Ende durch, so könnte man eigentlich nur feststellen, daß je bälder da geschieht, was unweigerlich bei diesen völlig verfahrenen Prämissen unseres Weltwirtschaftsgefüges mit mathematischer Wahrscheinlichkeit eintreten wird, desto besser es ist.

Was nicht mehr zu retten ist, nur noch mehr Schäden anrichten wird, als eh schon geschehen — gehörte so etwas nicht etwa zielbewußt und zwar so schnell wie möglich abgestellt, anstatt eine so marode, klappernde Kiste, in der man doch selber mit drinsitzt - mit drinzusitzen hat -, ewig im Dreck weiterlaufen zu lassen??

Denn zu entschärfen ist auf die lange Sicht diese Bombe ja wohl nicht mehr. Sie wird irgendwann mit Sicherheit mit einer üblen Gewalt hochgehen, wird sie nicht jetzt bald beiseitegebracht und schadlos gemacht, zerstört. Es geht hier wohlgemerkt um die gesamte Geldwirtschaft.

In Berlin fliegen einem doch jetzt schon die Autos um die Ohren. Das sind — wenn auch nicht in den Augen der kriminellen Zündler, so doch, wenn von einem höheren Willen der Götter aus betrachtet, mittels welchem man für letztlich alles Geschehen auf Erden noch einen übergeordneten Sinn sucht, und finden kann — nach meiner Sichtweise die ersten Vorzünder für den großen Knall, der kommen wird.

Die Menschen sollten ernsthaft beginnen, sich jetzt langsam Gedanken darüber zu machen, wie die Welt sich so ganz ohne Geld gestalten ließe. Das müßte doch irgendwie hinzukriegen sein! Wie lange gedenken die Weltstaaten von heute in diesem kranken Ausbeutungssystem noch fortfahren zu können, um wieviel höher wollten sie noch weiter sich verschulden — bis die Summen dereinst im Trillionen-$-, im Quadrillionen-£- zu stehen kommen — im Jahre 2300 im Quintillionen-€-Bereich dann? ;)

Nee, da würde ich eher dafür plädieren: jetzt langsam daran gehen, alles dieses Geld einfach abzustellen, abzuschaffen. Dann gäb's auch keine Schulden mehr. Auch keine Verbrechen mehr wegen Geld.

Wie aber sollte das alles ablaufen - so ganz ohne Geld? Ohne in eine steinzeitliche Primitivhandelswirtschaft zurückzufallen?

Man wird sich doch da, um Himmels willen, was einfallen lassen können! Wie das Geld verflixtnochmal zu überwinden ginge!

Grundversorgung aller Bürger (also Grundgehalt in Form von Naturalien) die ganze Gesellschaft sich aufgliedernd in sich selbstverwaltende Nachbarschafts-, Kiezverbände überall Nachbarschaftspools für die benötigten Verkehrsmittel für den Individual- und Massentransport Verteilung, z.B. durch Verlosung, von begehrten Spitzenprodukten als Volksunterhaltung florierende Tauschmärkte zwischen dem Einzelnen und den Gruppen (ein Steinzeit-Überbleibsel) vereinheitlichende weltweite Standardisierung aller Industrie- und Elektronik-Normen sinnstiftende Beschäftigung und Selbstrealisierung als einzige Motivation zur Arbeit der Menschen, kein Denken mehr in Geldwerten, da alle Waren frei sind, wenn auch nicht alle in gleicherweise überall zu jeder Zeit verfügbar, was dem Leben und der Jagd nach den Dingen einen ganz neuen, erfrischenden Anstrich geben dürfte — ... usw.

Aber noch redet leider kein Mensch vom Geldabschaffen. Letztlich wird die Menschheit jedoch nicht umhin können, genau dies zu tun. Da bin ich überzeugt davon.

Wahrscheinlich muß es aber erst noch richtig explodieren und das ganze System von innen ganz zusammenkrachen, bevor man sich zum Brainstorming für Ideen aufrafft, wie die Welt ohne Geld einzurichten geht.

Tausendmal leichter wäre der Umschwung, wenn er aus freien Stücken heraus und rechtzeitig, in aller Bedachtsamkeit vorgenommen würde. Also jetzt dann bald einmal. Ehrlich: wie lange will man noch damit warten?!

20
Aug
2011

Der Tanz der Gerichtsbarkeit — um das 'in dubio pro reo' herum

Es waren jüngst über einen längeren Zeitraum hinweg die Gemüter durch einen äußerst spektakulären Mordanschlag erregt. Eine Finnin war, des Mordes am Ehegatten bezichtigt, nahezu zwei Jahre im Gefängnis eingesessen. Seit Ende Mai diesen Jahres ist sie plötzlich wieder frei.

Gemäß der mehrheitlichen Überzeugung eines finnischen Schöffengerichts, das mit der strafgerichtlichen Verhandlung in der Sache fürs erste betraut war, hatte am ersten Dezembertag des Jahres 2006 im südfinnischen Ulvila Anneli Auer während eines häuslichen Streits ihren Mann erstochen. Festgenommen wurde die Frau aber erst beinahe drei Jahre später, im September 2009.

Mehr als ein Jahr darauf, nach einer eingängigen Untersuchung auf den Geisteszustand, wurde die Frau sodann in einem unter vier Schöffenrichtern abgewogenen Urteil, von denen vier für schuldig, einer hingegen für nicht schuldig abstimmten, für den Mord am Ehegatten zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt.

Am 1. Juni diesen Jahres ist die Mutter von vier Kindern nun vom Landgericht in Vaasa, das das Verfahren anfang des Jahres übernommen hatte, mit einem neuerlichen Richterspruch für unschuldig befunden worden. In Erwartung eines solchen Prozeßausganges wurde die beschuldigte Witwe bereits am 25. Mai überraschend auf freien Fuß gesetzt.

Anneli Auer will jetzt vom Staat beträchtlichen Schadensersatz verlangen für ihre Zeit im Gefängnis. Ihr Rechtsanwalt Juha Manner betont in einem dieser Tage gemachten Statement, daß eine saftige Schadensersatzforderung auf jeden Fall erhoben würde, ungeachtet dessen, daß der Ankläger in dem Prozeß sich dazu entschlossen hat, am Obersten Gerichtshof um ein Revisionsgesuch nachzusuchen.

Auer saß über 600 Tage im Gefängnis ab. Für gewöhnlich gäbe es für einen unschuldig in Haft verbrachten Tag in Finnland ungefähr 100 Euro, es hätte aber zum Beispiel der Beschuldigte von Bodom, Nils Gustafsson, 300 Euro pro Tag bekommen, unter anderem wegen der großen Publizität, die sein Fall ausgelöst hatte. Dabei handelte es sich um einen Mord an einem See namens Bodom, 22 km vor Helsinki, bei dem im Jahre 1960 drei campende Jugendliche getötet worden waren, und der Vierte der Gruppe, bei dem Anschlag nur leicht verletzt, fast 45 Jahre später, angeblich mittlerweilen zu überführen durch neue DNA-Auswertungen von altem Indizienmaterial, beschuldigt des Mordes an den damaligen Freunden in Haft genommen wurde — nur um 20 Monate später aufgrund mangelnder eindeutiger Beweise freigesprochen zu werden. (Die finnische Heavy-Metal-Band Children of Bodom bezieht ihren Namen von daher).

Im Falle Anneli Auer lag die Aufzeichnung eines Telefongesprächs vor, eines Notrufs, den die Frau, eine vierfache Mutter, zum Zeitpunkt der Mordtat bei der Polizei getätigt hatte. Auf diesem Mitschnitt war, nebst anderem, teilweise unverständlichen Repliken, noch das Wimmern des Getöteten zu hören.

Anfangs war man durchaus davon ausgegangen, daß es der Wahrheit entspräche, was die Frau gleich sofort und auch bis zuletzt immer wieder beteuerte: ihr Mann sei von einem ins Haus eingedrungenen Fremden umgebracht worden, auch sie selbst hätte dabei einen Messerstich in der Brustgegend abbekommen.

Doch geriet die Frau sehr bald in immer schwerwiegendere Beweisnöte, da beträchtliche Zweifel an ihren Darstellungen aufkamen, Zweifel, die zunächst jedoch sich nicht so ohne weiteres erhärten ließen. Daraufhin wurde dann im Sommer 2009 ein operativer Polizeispitzel auf die verdächtigte Frau angesetzt, der sich als vermeintlicher Freund des Hauses und womöglicher Liebhaber der Witwe - immerhin waren mittlerweile über zwei Jahre seit dem grausigen Ereignis verstrichen - deren Herzen und Vertrauen allmählich erschleichen sollte.

Der Polizist, der in einer verdeckten Operation Anneli Auer in näheren Augenschein nahm, war allerdings angeleitet worden, die Beziehung in einem kameradschaftlichen Rahmen zu belassen. Ein der Öffentlichkeit nun zur Verfügung gestellter Teil des Protokolls der verdeckten Operation enthüllt, daß Sex mit dem Zielobjekt verboten gewesen sei. Der V-Mann sollte auch bestrebt sein, die Lage von Auers vier minderjährigen Kindern zu berücksichtigen. In einem im Vorfeld der Operation angefertigten Einführungsmemorandum und im Beschluß des Chefs der Kriminalpolizei wurde festgehalten, daß die Kinder nicht zu einer Zielscheibe der verdeckten Handlung werden dürften und daß ihnen keine Fragen gestellt würden, die sich auf den Fall beziehen.

Laut Protokoll wurde im Jahre 2009 fünfzehn mal solch ein operativer Vorgang durchgeführt. Bereits zu Anfang der Aktion bestand aber vorab die Einschätzung, daß Auer mit der Ermordung ihres Ehemannes zu tun hätte, und daß sie als Täter in Frage komme.

Gegen Schluß jener verdeckten Operation gab Auer dem Polizisten schließlich Bescheid, daß sie vermutete, er sei entweder Polizist oder Journalist.

Die Polizei stufte im Protokoll das Ergebnis der verdeckten Operation als beachtenswert ein. Man war der Ansicht, diese hätte das charakterliche Wesen von Frau Auer erhellt, aber auch erkennen lassen, daß die Redensarten von Frau Auer bezüglich der Verbrechenstat sich nicht mit dem Geschehenen deckten.

So wurde Anneli Orvokki Auer aus dem südfinnischen Ulvila, verdächtigt eines verfemten Mordanschlags am eigenen Ehegatten, in Haft genommen.

Offiziell hieß es zwar dabei, die Detektivarbeit des Spitzels hätte zu keinen neuen Erkenntnissen geführt.

Kurz vor der Inhaftierung war bei den finnischen Behörden aus den USA das Ergebnis einer beim CIA in Auftrag gestellten Stimmenanalyse des erwähnten Notrufs eingetroffen, welche besagte, daß außer den Stimmen der Witwe, deren Kindern und des Opfers keine fremde Person auf dem mitgezeichneten Telefongespräch auszumachen gewesen sei.

Nach Anschauung des Gerichtes sprach die Aufzeichnung des Notrufs, welcher bestätige, daß der Zustoß mit der Waffe, der zum Tode des Mannes führte, sich zu einem Zeitpunkt ereignete, als Auer nicht am Telefon war, anfänglich stark für den Anklagevorwurf.

Laut dem Landgericht sei es hingegen eher unwahrscheinlich, daß Anneli Auer in der kurzen Zeit nach dem Gespräch den Ort des Geschehens so inszenieren hätte können, um auf einen außenstehenden Täter hinzuweisen. Die angeführten Beweise seien für den Aufrechterhalt der Anklage nicht hinreichend gewesen und es wären ernstzunehmende Zweifel an der Schuld der Angeklagten letztendlich nicht aus dem Weg zu räumen.

So konnte der Täter nicht gewußt haben, ob die Polizeistreife sich in Ulvila oder in Pori befand, als Frau Auer den Notanruf tätigte. Wäre die Streife in Ulvila gewesen, wäre die Polizei innerhalb von zwei Minuten an Ort und Stelle gewesen, und nicht erst viel später, wie in Wirklicht geschehen.

Bei alledem hatte sich die beschuldigte Frau die ganze Zeit über partout nicht von ihrer Darstellung abbringen lassen, ein von ihr unerkannter Eindringling hätte die Bluttat auf dem Gewissen.

Anneli-Orvokki-Auer

Auch hatte bis über das Urteil auf Lebenslänglich durch das Schöffengericht hinaus zu der Frau und deren Version der Ereignisse an jenem tragischen Tag im Dezember 2006 ein Polizeihauptkommissar gestanden, derjenige, der zunächst als erster - und zwar bis zum Einsatz des Polizeispitzels und dem Stimmanalysenergebnis aus Amerika - die Untersuchung des Falls geleitet hatte, der auch bis zuletzt vor Gericht bekundete, er sei weiterhin von der Unschuld der Frau überzeugt.

Späterhin hatte es irgendwann dann geheißen, jener gewisse Polizeihauptkommissar wäre jetzt zur Ordnungspolizei versetzt worden - aus Gründen einer polizeidienststelleninternen Rotation.

Was sollte man davon halten?

Während seiner Anhörung vor dem Schöffengericht hatte besagter Untersuchungsleiter im Mordfall von Ulvila, Polizeihauptkommissar Juha Joutsenlahti, u.a. folgende Umstände aufgelistet, die seiner Meinung nach für die Unschuld von Anneli Auer sprächen:

- Die eigenen Darstellungen von Frau Auer, die auch durch die Rekonstruktion durch die Polizei bekräftigt werden

- die spontane, unmittelbare Aussage eines der Kinder bezüglich des Täters

- Blutspuren im Kaminzimmer

- Spuren der Fußbekleidung

- Blutspuren an der Türe und auf der Terrasse

- die dunklen Fasern, deren Herkunft unbekannt

- die Fasern hauptsächlich an der Stelle, wo Herr Lahti, Anneli Auers Gatte, ermordet wurde

- die DNA-Spur auf dem Holzklappstuhl, die man nicht in der Lage sei abzuklären

- die Berichterstattungen des Nachbarn

- die Berichte von Frau Auer hinsichtlich eingangs vernommenem Herumgepolter auf der Terrasse

- das Messer, das einer professionellen Serie zugehört

- die Tatsache, daß Frau Auer unbefleckt von Blut war, kein Blut an den Kleidern, keines an den Händen, keines in den Haaren

- keinerlei Spuren, die auf einen Waschvorgang hingedeutet hätten

- blutende Schrammen auf der Fußsohle von Frau Auer

- das zweite Werkzeug, mit dem die Tat ausgeführt wurde, das weiterhin verschollen bleibt

- ein Polizeihund, der eine Spur ausmacht

- die Profilierung des Täterbildes, die für einen außenstehenden Täter spricht.

Gemäß Polizeikommissar Juha Joutsenlahti sei Rache das Motiv für den Mord an Jukka S. Lahti gewesen, eine Vergeltungstat für eine erfahrene Ungerechtigkeit.

Laut Joutsenlahti weise bereits die Art des Sich-Einschleichens in das Eigenheim von Herrn Lahti und Frau Auer unbestreitbar daraufhin, daß die Ermordung von Herrn Lahti eindeutig vorsätzlich und von langer Hand geplant war. Daß zwei Waffen im Gebrauch waren, zeuge laut dem ehemaligen leitenden Hauptkommissar von einer außergewöhnlichen kriminellen Intentionalität.

Die Verunstaltung des Gesichts von Herrn Lahti wäre zudem für den Täter von einer Bedeutung gewesen.

Laut Joutsenlahti hatte der Täter kein Risiko gescheut, um Herrn Lahti umzubringen.

Joutsenlahti berichtete des weiteren, daß Jukka S. Lahti an seinem Arbeitsplatz mit relativ haßerfüllten Ausdrücken umschrieben wurde. Die Beschimpfungen hätten u.a. mit einem Handicap von Lahti zu tun. Lahti war ein Mann von kleinem Wuchs, der auf einem Bein behindert war.

Es hätte Androhungen gegeben, man hätte aber nicht herausfinden können, von woher, von wem diese stammten.

Joutsenlahti gab vor Gericht einen langen und sehr detaillierten Bericht dazu ab, wie sich nach seinen Vorstellungen alles am 1. Dezember 2006 im Tähtisentie-Weg zu Ulvila abgespielt hatte.

Für den Täter (oder die Täterin) wäre es ein leichtes gewesen, Lahti auf der Stelle zu töten, hätte er (oder sie) dies nur gewollt. Doch, anstatt das zu tun, stach er (oder sie) 70 Mal an verschiedenen Stellen des Körpers ein, zum Beispiel aber nicht ins Herz, was unmittelbar zum Tod geführt hätte.

Joutsenlahti will es deshalb nicht einleuchten, wie Frau Auer einen solchen kaltblütigen Täter hätte abgeben können.

Warum hätte eine Mutter von vier Kindern sich selbst das Messer in die Brust rammen, sich selbst eine lebensgefährliche Verwundung zuführen sollen? Warum läutet Frau Auer bei der Notrufzentrale an, wenn sie gerade dabei gewesen sein sollte, ihren Mann umzubringen, fragte Joutsenlahti vor Gericht.

Nach etwas über einem Monat nach Abschluß der Schöffengerichtsverhandlung, bei der per Mehrheitsurteil die lebenslange Haftstrafe angeordnet wurde, erhielt Joutsenlahti eine schriftliche Zurechtweisung. Der Verweis wurde persönlich vom Polizeichef der Stadt Pori überreicht.

Der Polizeikommissar hätte die laufenden Untersuchungen kommentiert, obwohl er gar nicht mehr mit der Leitung bei der Aufklärung des Falls betraut gewesen sei. Er hätte in der Sache aber auch eigenmächtig Nachforschungen angestellt.

Die Ehefrau des Getöteten hatte mit dem ergangenen Urteil für die Schandtat als schuldig zu gelten.

Nun ist sie doch aus ihrer Schuld entlassen worden.

Die vom Landgericht Vaasa freigesprochene Anneli Auer bezichtigt mittlerweile die Polizei der Parteilichkeit bei der Prüfung des Tatbestandes vor der Hauptuntersuchung. Laut Auer hätte die Polizei bewußt Material, das gegen ihre Schuld gesprochen hätte, außer Acht gelassen und verheimlicht. Sie gibt in ihrer Stellungnahme an, daß sie nun mehr als erfreut sei über das befreiende Urteil des Landgerichts.

Anneli Auer hatte, als ihr Mann noch am Leben war, im Internet Dienstleistungen und Bonmots angeboten - darunter, neben einem Rezept für traditionelles Spritzgebäck und selbstgebrauten Most, oder dem witzig gemeinten Hinweis, ein "Skelett im Kleiderschrank zuhause sorge immer wieder für Schrecken, aber auch für Spaß", zum Beispiel auch Tipps zur Vermeidung von Krach unter Ehepartnern. Diese Aktivitäten hätten ihrem Ehemann angeblich nicht gepaßt.

14
Aug
2011

Wessen Kinder haben die beste Spielhütte Finnlands? — oder: Würde eine ähnliche Aktion auch im angebl. kinderfreundlichen Deutschland den gleichen Zuspruch erfahren?

Urteilen Sie für sich selbst und kommentieren Sie nur ehrlich und beherzt die hier im Artikeltitel anklingende Frage - nachdem Sie nachstehende aktuelle Meldung aus Finnlands Medien zur Kenntnis genommen haben:

Ein im Juni auf den Seiten Eigenheim und Wohnen der finnischen Zeitung Turun Sanomat begonnener Wettstreit um die Beste Spielhütte rief etliche Leser auf den Plan, um nette und lustige Bilder von ihren Spielhäuschen einzusenden. Insgesamt wurden 80 verschiedene Bilder von Spielhütten an die Redaktion geschickt, die davon Kunde tun, daß ein Spielhäuschen genauso ein Piratenschiff sein kann wie auch eine in einen Baum hineingebaute Hütte mit einer Rutschbahn. Ein eigenes kleines Häuschen ist für Kinder ein Spielplatz, wo es ihnen besonders gut gefällt - für einige ist das ein Spielhaus, für andere wiederum eine Cafeteria, ein Kiosk, eine Ritterburg oder ein geheimer Unterschlupf.

Wenngleich Spielhütten vielfach aus wiederverwerteten Brettern oder übriggebliebenen Baumaterialien gebaut sind, so sind sie doch von ihrem Äußeren her recht ausgefeilt und passen sich schön in ihre Umgebung ein. Modell und Farbanstrich vieler Hütten harmonieren mit dem Hauptgebäude im Gelände. Im günstigsten Fall spielt in dem Häuschen eine Generation nach der anderen.

Die Jury der Redaktion wählte aus 80 unterbreiteten Bildern fünfzehn aus, welche somit ins Finale des Wettbewerbs gelangten. Nun liegt die Beschlußgewalt bei den Lesern. Interessierte Finnen können auf den Netzseiten von Turun Sanomat für ihren eigenen Favoriten ihre Stimme abgeben. Zeit zum Abstimmen haben sie noch bis Ende August. Die drei am meisten Stimmen erzielenden Spielhütten werden in dem Wettbewerb mit einem Preis bedacht. Aber auch unter allen Teilnehmern an der Wahl der Siegerhäuschen werden Preise verlost.

Wär' so eine Idee, um die Kinderfreundlichkeit im Volke voranzutreiben, auch etwas für deutsche Lande? Wie denken Sie darüber.

Lassen Sie sich von den Bildern aus Finnland inspirieren. Sie finden sie auf
http://kuvat.ts.fi/lukijan%20kuvat/luettelo.aspx?t=Leikkim%C3%B6kkikisa%202011

7
Aug
2011

Gesellen, die sehr gut nebeneinander im Wald Platz haben

Ein Eisbär riß am Freitag auf Norwegens Spitzbergen einen 17-jährigen Jungen aus England und brachte ihn dabei um. Das Raubtier fügte auch vier weiteren Personen schwere Wunden zu, allesamt Engländer.

Die Fünfergruppe befand sich als Teil einer britischen Gruppe von Forschungsreisenden der Jungendorganisation BSES auf Spitzbergen. Laut Medieninformationen griff der Eisbär das Camp der Reisenden an, als diese in ihren Zelten waren. Die Attacke erfolgte zur Morgenzeit, ungefähr 40 Kilometer entfernt vom administrativen Zentrum von Spitzbergen Longyearbyen. Die Gruppe alarmierte selber mit einem Satellitentelefon Hilfe herbei.

Die Verletzten wurden zunächst in das örtliche Krankenhaus gebracht, um von dort zur weiteren Behandlung nach Tromsö ausgeflogen zu werden. Die Verletzungen der Verwundeten wurden als gravierend beschrieben. Der Eisbär wurde erschossen.

Mir ist ein Kommentar eines finnischen Lesers zu diesem Bericht hier aufgefallen, dem ich mich als Naturliebhaber anschließen möchte, der darin folgendes schreibt:

Ich war einem Bären bereits Schnauze an Schnauze gegenübergestanden, es wurde dabei ein wenig vor sich hingebrummt, hernach zog man jedoch ein jeder in verschiedene Richtungen weiter. Ich lernte sogar, wie sich Bärengelächter anhört. Wir trafen uns seither noch einige Male auf Distanz. Der Bär brachte seinen Welpen gar bei, daß von dem da - also von mir - keine Gefahr ausgeht, daß das ein Geselle ist, der im gleichen Wald gut Platz hat.

18
Mai
2011

Die Universität von Ost-Finnland erforschte, was in finnischen Freizeithäusler-Ansiedlungen über Nachbarn aus dem Osten gedacht wird

Die Universität von Ost-Finnland hat eine Studie erstellt im Raum Savonlinna bezüglich der Einstellung der Finnen gegenüber dem Urlaubmachen von Russen im Häuschen im Grünen so ganz in der eigenen Nähe. Für die Studie wurden an die fünfhundert eingesessene Anwohner und regelmäßige Freizeithäusler befragt.

Der Bericht, der im Sommer vorgelegt werden wird, erhielt seinen Anstoß aus Zeitungsartikeln und öffentlichen Foren, läßt Professor Antti Honkanen wissen.

Immobilienaufkäufe durch Russen erregten im Spitzenjahr 2008 ein Aufsehen, als jene nahezu achthundert Immobilien erwarben. Seither halbierte sich zwar die Menge, ist aber wiederum im Ansteigen begriffen.

Der Studie zufolge stellt sich niemand direkt gegen das Phänomen, da dessen wirtschaftlicher Nutzen verstanden wird.

Trotzdem sind fast 70 Prozent der Auffassung, daß das Recht der Russen, ein Urlauberhäuschen in Finnland zu erstehen, irgendwie eingeschränkt werden sollte. Honkanen hält die Anzahl für überraschend groß.

Auch im Ortsbereich Sulkava denkt ein Teil der Anwohner, daß die Russen den Handel und das Gewerbe belebten, aber auch frischen Wind in den ruhigen Winterablauf einbrächten.

Leute mit Gegenargumenten merken an, daß die Russen zu nahe fischten. Über wirtschaftliche Ungereimtheiten wird zuweilen gemunkelt. Falls irgendwer eine Einrichtung für großes Geld an einen Russen verscherbelt hat, würde so einer schief angeschaut werden.

Honkanen beschreibt das als den Eifersuchtseffekt: Es wird befürchtet, daß die Spitzenpreise, die die Russen bereit sind zu zahlen, die Möglichkeiten der Finnen erschweren, für sich eine Immobilie zu erwerben.

"Die reißen sich die besten Plätze unter den Nagel", zitiert es Honkanen.

Sowohl Finnen als auch Russen schätzen am eigenen Freizeithäuschen im Grünen die Ruhe, die dort herrscht. Weil eben keine Kontakte angestrebt werden, wissen die Russen oft nicht einmal, wie das finnische Gemeinwesen in ihrer Siedlung funktioniert. Praktische Angelegenheiten, wie die Müllentsorgung, können so einen Problemfall darstellen.

In Erfahrung gebrachte Mißlichkeiten gibt es dennoch wenige. Einige beklagten sich, daß die Russen nicht an freiwilliger Nachbarschaftshilfe teilnähmen oder daß nach abgeschlossenen Bauarbeiten im Vorgarten alles drunter und drüber wäre.

Alles in allem würde das Ergebnis laut Honkanen jedoch keinen Russenhaß offenbaren, ein Mißtrauen würde lediglich in einzelnen Fällen aus historischen und sprachlichen Gründen erwachsen. Nach Meinung der meisten, die auf die Befragung eingegangen waren, seien die Russen zivilisiert und würden sich annehmbar aufführen. Selbst alle diejenigen, die etwas gegen jene einzuwenden hatten, verurteilten diese nicht gänzlich.

15
Jan
2011

Das traurige Schicksal einer koptischen Ägypterin in Finnland führt die in sturer Paragraphenreiterei erstarrte europäische (Einwanderungs-)Politik vor, die den Menschen als solchen ganz aus dem Gesichtspunkt verloren zu haben scheint

Die Ägypterin Eveline Isa Fadayel verschied zuhause am 11. Januar im finnischen Vantaa. Sie war 65 Jahre alt, geboren im Jahre 1945 in Port Said im Königtum von Ägypten. Fadayels Mutter war eine Ägypterin und der Vater ein Palästinenser. Eveline war das einzige Kind der Familie. Fadayels Vater - Isa Fadayel - kämpfte im israelischen Unabhängigkeitskrieg von 1948-49 als Soldat der britischen Armee. Nach einem Gefecht im Jahre 1948 war der Vater spurlos verschwunden. Nach erfolglosen Suchaktionen wurde er für tot erklärt. Tochter Eveline war damals drei Jahre alt.

Als Eveline Fadayel sechs Jahre alt war, ging ihre Mutter eine neue Ehe ein und zog mit ihrem Mann nach Libanon. Eveline blieb zurück, um von ihrer Großmutter aufgezogen zu werden. Nach dem Abschluß der Schule studierte Fadayel in Port Said und wurde Mathematiklehrerin. Dort lernte sie auch ihren angehenden Ehemann kennen, den Hafenpolizisten Soliman Wanees Gerges. Der Ehebund wurde im Jahre 1964 geschlossen. Aus der Ehe gingen drei Knaben hervor, Nader 1965, Maher 1966 und Ramzy 1971.

Während des Sechs-Tage-Krieges im Jahre 1967 zog die Familie nach Alexandria um, wo der Vater der Familie als Zollinspektor arbeitete. Eveline setzte ihr Studium an der Universität von Alexandria fort, und erhielt, nachdem sie es abgeschlossen hatte, einen Posten als Rektorin.

In ihren späteren Jahren fungierte Eveline Fadayel als Leiterin von drei Schulen, aus welcher Betätigung sie im Jahre 2005 schied und Pensionärin wurde. Sie unterrichtete auch Französisch.

Als Fadayels Ehegatte überraschend im Alter von 63 starb, kam die Witwe im Jahre 2007 nach Finnland. Die Söhne waren bereits zuvor nach Finnland ausgewandert.

In Finnland wurde Eveline Fadayel bekannt wegen ihres Kampfes um den Erhalt einer Aufenthaltsgenehmigung. Zu allererst suchte Fadayel im Jahre 2009 um eine Aufenthaltsgenehmigung nach. Die Einwanderungsbehörde bewilligte sie nicht.

Der Fall durchlief etliche Phasen. Er wurde in breitem Rahmen in der Öffentlichkeit diskutiert und es wurde vielfach darüber in den Nachrichten berichtet. Zu Fadayels Schicksal nahmen unter anderen zwei Erzbischöfe Stellung, zwei Präsidenten, ein Premierminister, ein Außenminister, der höchste leitende Kopf der Polizei sowie der Präsident des Obersten Verwaltungsgerichts.

Als die Polizei schließlich den Befehl empfing, Fadayel des Landes zu verweisen, suchte diese Zuflucht in Heinävesi im [christlich-orthodoxen] Kloster von Lintula.

Fadayel litt unter verschiedenen Krankheiten. Schicksalshaft wurde eine bei einer Nachuntersuchung letzten November im Zusammenhang mit einer By-Pass-Operation zutage getretene Krebserkrankung der Bauchspeicheldrüse, die sich schnell ausbreitete.

Am 21. Dezember letzten Jahres wurde Fadayel eine Aufenthaltsgenehmigung von einem Jahr gewährt. Zu dem Zeitpunkt war bereits klar, daß sie nicht mehr lange leben würde.

Eveline Fadayel war eine koptisch Orthodoxe. Als sie einmal in Helsinki einem arabischsprachigen Gottesdienst beiwohnt, geht der Pfarrer, der aus Palästina kommt, auf sie zu und spricht sie an: "Ich kenne deinen Vater", die umwerfende Nachricht des Pfarrers.

Eveline Fadayel fand heraus, daß, ganz anders als sie sechzig Jahre lang geglaubt hatte, ihr Vater gar nicht verstorben gewesen war. Isa Fadayel war, nachdem der Krieg zu Ende war, noch einmal nach Port Said zurückgekehrt, um nach seiner Familie zu suchen. Es wurde ihm jedoch berichtet, daß sein Heimathaus durch eine Bombe zerstört wurde und Frau und Kind umgekommen waren. Inmitten den vielen Zerreißproben des Lebens war er obendrein für neun Jahre ins Gefängnis weggesteckt worden, der Spionage zugunsten der Briten bezichtigt.

Nachdem er freigekommen und im Glauben war, seine Familie verloren zu haben, verehelichte sich Eveline Fadayels Vater aufs neue, bekam vier Kinder und setzte sich nach San Francisco in den Vereinigten Staaten ab. Als Eveline Fadayel von ihrem Vater schließlich hört, ist dieser bereits verstorben. Immerhin kommt es noch dazu, daß sie Kontakt aufnimmt zu ihren drei Halbschwestern und ihrem Halbbruder in den Vereinigten Staaten, bevor sie endlich das Zeitliche segnet.

Die, die ihr nahegestanden waren, charakterisieren Fadayel als einen humorvollen, herzlichen, weitblickenden und toleranten Menschen. Eveline Fadayel betete viel, und sprach gemäß ihren Nächsten über Gott, als wäre der ihr nächster Freund gewesen. "Gott trägt Sorge, Gott hat den richtigen Blick, Gott weiß, was rechtens und am besten ist", konnte man oft aus Fadayels Mund hören.

Eveline Fadayel hinterließ in Finnland drei Söhne und sechs Enkelkinder.

Sie wird in Helsinki eingesegnet.

8
Jan
2011

Wenn die Arzneimittelpatente abgelaufen sind, dann wird auch das Volk endlich gesund sein

Das Ablaufen der Patente für Arzneimittel wird die Preise verschiedener Medikamente sinken lassen. Der Preis für eine Medizin von einhundert Euro könnte im höchsten Fall gar bis auf ein paar Euro fallen. Es wird in Kreisen der Hersteller genetischer Medizinprodukte spekuliert, daß die Freisetzung der Patente die Arzneipreise um durchschnittlich 70 Prozent herabfallen läßt.

Von Arzneimitteln werden in nächsten Jahren eine rekordmäßige Menge für den freien Wettbewerb frei, denn vielen großen Pharmazieunternehmen laufen in den nächsten Jahren bemerkenswerte Patente aus. So wird zum Beispiel Anfang nächsten Jahres das Patent für die Medikamente von Orion zur Behandlung der Parkinson'schen Krankheit hinfällig werden. Nach Ansicht der pharmazeutischen Industrie wird die Situation vielen einschlägigen Unternehmen schwer zusetzen. Die Hersteller der ursprünglichen Mittel würden Einbußen von Milliarden von Euro einstecken müssen, wenn billigere gleichwertige Pharmazieprodukte auf den Markt gebracht sein werden, hieß es.

"In allen Unternehmen werden nicht substituierende Produkte im Anmarsch sein, so daß zum Beispiel die Produkteentwicklung weiterhin eine immer größere Herausforderung sein wird", meinte eine Juristin des pharmazeutischen Sektors.

4
Jan
2011

Kosmologe Kari Enqvist gibt sich seinem inneren Analemma hin

Ich liebe das Faulenzen im Sommer. Wenn aller Schnee vom Land verschwunden ist, karre ich triumphierend meinen bequemen Kuschelsessel aus dem Keller. Mit wackerem Entschluß plaziere ich ihn in der wärmsten Ecke des Hofes und richte mich dort häuslich ein.

Im Winter lese ich wie ein Astrologe mit einem schlechten Gedächtnis immer wieder aufs neue aus dem Almanach die Uhrzeiten der auf- und untergehenden Sonne heraus. Nach der Wintersonnwende nimmt das Licht bedrückend langsam zu.

Anfangs tritt die Sonne auf der Stelle herum und nur die Untergangszeiten kommen schleichend voran. Dies rührt von der Geneigtheit der Drehachse der Erdkugel her, dank derer die Sonne von uns aus gesehen an den verschiedenen Tagen zu unterschiedlichem Zeitpunkt präzise im Süden steht. Das Verhalten beschreibt eine mathematische Kurve, die einer in die Länge gezogenen Acht gleicht, die einen hübschen Namen trägt: Analemma. Im Englischen wird es auch "Gleichung der Zeit" genannt, auch dies ein poetischer Ausdruck. Andernorts spricht man prosaischer von Zeitausgleich.

Ich hatte lange Zeit eine in Vietnam angefertigte Holzpritsche, deren einziger Fehler darin bestand, daß einem nach ein paar Stunden das Hinterteil einzuschlafen begann. Späterhin legte ich mir ein Stilmöbelstück zu, dessen oberflächenbearbeitetes Metallgewebe massiv, zugleich aber flexibel ist. Da trifft deutsche Ingenieurskunst mit einfühlsamem Gespür auf neuzeitlich europäische Befindlichkeit. Der Polstersessel nämlich trägt selbst einen dickeren Helmut samt Hannelore.

Von für den Gebrauch draußen im Hof vorgesehenen Sesseln findet man vielerlei. Ein Teil ist in eine wellenförmige Form gegossen, deren Zweck es ist, den Knieabwinkelungen eine Stütze zu sein. Solche sind für Amateure da, denn auf denen ist es ein Ding der Unmöglichkeit, sich in Seitenlage einem Nickerchen hinzugeben. Ein bequemer Sessel sollte unbedingt bewegliche Teile an sich haben, mit deren Hilfe man den jeweiligen Lagewinkel optimal einstellen kann.

Ich selbst ruhe mich oft auf meinem Rücken aus und betrachte mir dabei die Wolken genau. In dieser Phase ist das eventuelle Buch mir bereits vor Jahr und Tag aus der Hand geglitten.

Ich weiß natürlich, daß das Firmament nur eine optische Täuschung ist und daß sich dahinter das atemlose Dunkel des Weltalls auftut; daß es hinter den Wolken weder Engel noch Dämonen gibt, kein immerwährendes Leben. Das beschäftigt mich jedoch nicht.

Je nachdem, wie der Wind steht, kann ich sehen, wie die Flugzeuge über mich hinweg in Richtung Helsinki-Vantaa dahindüsen. Besonders gefallen mir aber die in gewaltigen Höhen entlang der Flugschneise von Ost noch West enteilenden Maschinen. Ich verfolge mit dem Feldstecher die von ihnen hinausgestoßene Spur, überwältigt von einer gewissen Erleichterung, dankbar dafür, daß in diesem Augenblick gerade ich nicht darin zu sitzen brauche.

In einer mehr sitzenden Position begutachte ich, wie ein Lüftchen Wind die Flachse und Prachtkerzen einer Blumenböschung hin- und herwiegt. Sommertage sind einfach voller Betriebsamkeit. Oft erhalte ich Gesellschaft von neugierig umherstürzelnden Kohlmeisen, die über mir wie Kolibri umherflattern. Einmal ließ sich eine Meise auf meiner großen Zehe nieder. Wir stierten einander an und paßten auf, wer als erster mit den Augen blinzeln würde. Darüber mußte ich wohl eingenickt sein.

Der Platz des Polstersessels nahe der Wand, dem Süden zugewandt, bringt munteres geselliges Leben mit sich. So kann sich zur Siesta ein Igel unter die Goldene Waldrebe verirren. Man kann hören, wie er halb gluckst, halb niest, wenn er zufrieden sich in seinem Lager einrichtet.

Wenn ich da so ruhe, fühle ich gelegentlich Verwandtschaft mit Franciscus von Assisi. Der Legende nach war der ein Freund der Vögel und überredete einen bestimmten Wolf, der die Stadt Gubbio drangsaliert hatte, dazu, die Menschen in Frieden zu lassen. Auch ich könnte hinausrufen: Willkommen, Bruder Igel! Willkommen, Geschwisterchen Meise. Die Fasanen aber, mit ihrem dummstolzen Gekreische, jage ich gnadenlos davon.

Mein Indianername könnte lauten: der mit den Igeln schnarcht. Gegenwärtig hat sich jedoch der Igel, jenes von Glück gesegnete Teufelchen, in seinem Winterbau eingeigelt. Er braucht sich nicht um Analemmata oder die Gleichung der Zeit zu kümmern.

Aber wenn er überhaupt träumen sollte, bin ich mir sicher, daß er sich an die hohe Wolke des sommerlichen Himmels erinnern wird. An die Sonne, die die Grashalme weit und breit, die kühle Erde im Schatten der Goldenen Klementis heiß aufdampfen läßt. Wie auch ich, wenn der Frost knarzt.


(ein an diesem Neujahrstag auf Wunsch vieler finnischer Leser in der Zeitung von Helsinki neu aufgelegter Artikel vom 10.1.2010 von Kari Enqvist, übersetzt aus dem Finnischen)
against enslaving

Eine Welt so ganz ohne Geld

"Benefits Supervisor Awakening" für Menschen, die durch und durch Mensch sind und nicht mehr länger ums Goldene Kalb herumtanzen wollen

mit vielen Überraschungs-Effekten:

interessante Links an Stellen, wo keiner sie vermutet

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Abbild von natürlicher Unbeschwertheit?

Geld-Abschaffungs-Poster

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Musikalisches


Amy Martin
Day of Reckoning

Pekka Pohjola von der finnischen Jazz-Rock-Band Wigwam, verst. im Nov. 2008
Pressure

Wird das arme Sparschweinchen schon irgendwo auf der Welt in seine wohlverdiente Freiheit entlassen?

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"Nachrichten allein bedeuten gar nichts. Man braucht Autoren, die sie deuten können." — Helmut Schmidt

Wie lange sind wir schon mit dabei?

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Zuletzt aktualisiert: 22. Aug, 08:50

Ein Paradies auf Erden kann es geben

aber nur wenn es das Geld nicht mehr gibt. Packen wir's an, es wegzupacken!