13
Sep
2007

Wie schön wäre es, wenn die großen Rockbands endlich auch vom Geldabschaffen spielten

Led Zeppelin trat im November zu einem Konzert auf

(aus den Neuesten Nachrichten der Turun Sanomat vom 12.9.2007, übersetzt aus dem Finnischen)

Die zu den erfolgreichsten Rockbands zählende Gruppe Led Zeppelin gab im November 2007 in London ein Konzert. Ort des Konzerts war die 20'000 Menschen fassende 02 Arena. Das im Jahre 1980 aufgelöste Zeppelin-Quartett setzte sich aus dem Gitarristen Jimmy Page, dem Bassisten John Paul Jones, dem Solisten Robert Plant und dem Trommler John Bonham zusammen. Den Platz am Schlagzeug des verstorbenen John Bonham würde beim Konzert im November wahrscheinlich dessen Sohn Jason Bonham übernehmen. Um Led Zeppelin herum würde sich im November auch weiteres ereignen. Aus dem Werk der Band sollte ein Sampleralbum produziert werden.
__________________________________

12
Sep
2007

Ein Patent für die "Erfindung" eines Systems von Wirtschaften zum Überleben, aber auch zum Lebensgenusse der Massen in allen Ländern, das gänzlich ohne jegliche Zahlungsmittel auskommen soll, müßte wohl denn auch der gesamten Menschheit als solcher überschrieben sein, damit dasselbige einwandfrei, aber auch reibungslos funktionierte

Als die tatsächliche Kehrseite, nur als ein Beispiel davon, was historisch noch unaustariert, wenn auch heute im betroffenen Land mit einem Lächeln darüber hinweggegangen wird, hinter dem jüngsten alberich kleinlichen, aber großbatzig zuschlagenden Schnippchen einer Patentklage der US/kanadischen electronic solutions Co. InterDigital gegen Finnlands Nokia in Verbindung von angeblich 'geklauten' rechtlich-geschützten Kleinst-Teilen in deren 3G-Handy-Geräten im Raume steht, gibt es die in den Annalen Finnlands belegte Geschichte einer Erfinder-Begebenheit, aus der hervorgeht, daß Finnland zu Anfang des 20. Jahrhunderts vom amerikanischen FBI auf mysteriöse Art und Weise im Endeffekt um das rechtliche Patent eines finnischen Erfinders gebracht wurde, der sich offensichtlich nach dem 'Schwindel' nicht weiters auf die erlittene Mißhandlung hin gerührt hatte, womit der andern Partei signalisiert war, daß der 'Patentklau' quasi stillschweigend hingenommen wird.

Derzeit findet im Spionagemuseum von Finnland in der Stadt Tampere eine Ausstellung statt für Fesseln aller Art, die ausser aus Finnland selbst, auch aus allen moglichen anderen Ländern der Welt dort zusammengetragen worden sind - angefangen von Modellen von modernen Handschellen der verschiedenen Länder über deren noch erhaltene historische Modelle, z.B. von sogar durch langen Gebrauch durchgewetzten Fußeisen, oder die zu Idi Amins Zeiten in dessen schwer geknechteten afrikanischen Land im Gebrauch üblichen Ganzkörper-, Hand- und Fußeisen, die allesamt, einmalig in der Welt, mit nach innengerichteten Spikes ausgerüstet waren, bis hin zu den Handeisen des späten Mittelalters, mittels welchen ertappte Schandtäter an den öffentlichen Pranger angekettet waren, um so die Allgemeinheit an deren Züchtigung durch peinigende demütigende Straftiraden und Rutenschläge zur Abschreckung teilhaben zu lassen.

Bei all der Vielfalt der ausgestellten Eisenstücke und den Hintergründen zu deren Anwendung weiß man auf der Ausstellung in Finnland aber auch darauf hinzuweisen, daß es eigentlich einer der ihren, ein Finne, war, der zu Anfang des 20. Jahrhunderts das bis heute in allen Gefängnissen der Welt übliche Handschellenpaar-Einweg-Verschlußsystem erfand, bei welchem das Schloß sich in der Mitte des die beiden Teile des Handschellenpaars verbindenden Eisenglieds befindet, und bei welchem es somit dem damit gefesselten Gefangenen unmöglich ist, eventuell selbst den Schlüssel an seinen eigenen Fesseln anzuwenden.

Kurz nachdem die Erfindung in der Welt bekannt gemacht worden war, vor ungefähr 100 Jahren, trat das amerikanische FBI schnell handelnd als erste vor Ort auf, somit das FBI sodann auch gleichsam die erste Institution wurde, welche die neuartigen Handschellen in Gebrauch genommen hatte.

Die Bemühungen des Erfinders um seine Rechte am Patent seiner Erfindung blieben aber dann aus irgendwelchen weiter unerklärten Gründen damals auf halbem Wege beim Durchmarsch durch die Patentgerichte einfach stecken.

Den Rest der Geschichte kann man sich nur allzugut selber ausdenken.

Ist diese Geschichte den Unglückshähern und Halsabschneidern von InterDigital, die jetzt schon zum wiederholten Male in Sachen Patente um höchste Beträge gegen Nokia Finnland ruchlos ausholen, nicht bekannt? Daß eigentlich Amerika, vor allem wenn man alles im gesamten betrachtete, in wessen Schuld stünde, wenn nur die andere Partei, wir, in der Alten Welt also, die Dinge genauso eng sehen würden, wie sie da drüben selber, die da wie die lausigen Banausen, die Hobos und Tramps...

7
Sep
2007

Des weiteren muß dann erst mal ein Konsens her zwischen Aktivisten und Politikern, bevor es dazu kommen kann, das marktwirtschaftliche Handeln mit Geld gänzlich abzuschaffen

Bei Hausbesetzungen muß man eingreifen

(ein Beitrag aus der Spalte Kommentare und Meinungen der finnischen Zeitung Turun Sanomat vom 6.9.2007, übersetzt aus dem Finnischen)

Häuser zu besetzen liegt im Trend der Zeit. Auch in der Stadt Turku haben sich innerhalb eines Jahres einige Hausbesetzungen zugetragen. Sowohl Behörden als auch Beamte setzen sich routinemäßig, oft fast gleichgültig, damit auseinander. Das illegitime Vorgehen wird leger als ziviler Ungehorsam bezeichnet.

Als denn dennoch Hausbesetzer, die sich in der Östlichen Langen Strasse einquartiert hatten, von der Stadt anderntags einen Ausweisungsbescheid erhielten, zeigten sich die jungen Aktivisten überrascht. Das "Autonome Center fürs Soziale" der Jugendlichen, eine Art von kultureller Aktivität, unabhängig von Staat, Stadt und Marktwirtschaft, war erst gar nicht aus seinen Startlöchern gekommen.

Auf ungesetzliches Handeln hin muß in einem Rechtsstaat reagiert werden. Auch vor dem Erstellen einer Strafanzeige darf nicht zurückgeschreckt werden. Ansonsten droht die Grenze zwischen dem, was gesetzlich erlaubt, und dem, was vom Gesetz her verboten ist, zu verwischen.

6
Sep
2007

Was kann ich tun, um selbst mitzuhelfen, das Geld abgeschaffen zu bekommen

Erst geht es mal darum, die Idee als solche der Abschaffung des Geldes mehr und mehr Menschen schmackhaft zu machen

Was habe ich selbst bereits dafür getan, ausserdem, daß ich mir hier auf diesem Blog die Knöchel wund schreibe?

Des öfteren, wenn hier auf den Strassen unterwegs, und ich werde nach Beendigung meiner Fahrt im öffentlichen Verkehrsmittel dazu aufgefordert, für die Fahrt zu bezahlen, lasse ich, wenn es sich um ein annehmbares oder zugängliches Gegenüber handelt, folgenden Spruch vom Stapel, der dazu dienen soll, die Idee der Abschaffung des Geldes unter den Menschen weiter herumzureichen:

"Wenn es Ihm recht sei, werde ich Ihn hier für diesen Dienst, den er mir
eben anwachsen ließ, nichts in Geld bezahlen, aber nur, wenn es Ihm recht sei.
Nicht daß ich Ihn um seinen gerechten Lohn bringen wolle, nein, ganz im Gegenteil sogar! Er müsse denn auch folgendes verstehen: Ich gehöre nämlich einer neuartigen Organisation an, die mehr und mehr sogar weltweit im Kommen ist. Es ist eine Organisation, die sich 'Wir schaffen das Geld ab' nennt, und die es sich zum Ziel gemacht hat, wie ihr Name ja bereits sagt, letztendlich das Geld aus der Welt zu schaffen.
Nun, da es leider ja noch nicht so weit ist, kann noch kein Mitglied der Gruppe wirklich darauf bestehen, für irgendetwas, das man erstanden oder für einen Dienst, den man in Anspruch genommen hat, nicht zu bezahlen.
Aber ich kann Ihm immerhin im Rahmen der genannten Organisation das folgende Angebot machen: Sollte Er nun tatsächlich es von mir annehmen, nicht bezahlt zu werden für den an mir geleisteten Dienst, hat Er selbst dann automatisch das Privileg, der Organisation 'Wir schaffen das Geld ab' dazugerechnet zu werden, so daß Er dann auch seinerseits losgehen und, genau wie ich jetzt hier bei Ihm, einem Handelsmann oder Dienstleistenden seiner Wahl mit dem Angebot die Aufwartung machen kann, das Bezahlen unter den Menschen erstmals abzustellen, um so auf diesem Wege z.B. sein Bier umsonst zu bekommen, auf daß der Bierlieferant seinerseits wiederum seinen Schweinebauch z.B. umsonst kriegt u.s.w.....
Wenn Er jetzt aber seinen Lohngroschen noch ausbezahlt haben wolle, so solle Er ihn denn gleich auch haben."


Und zum Schluß bezahle ich natürlich den guten Mann anstandslos, und meine dann dazu nur noch so viel, mit einem breiten Lächeln im Gesicht, daß das ganze - leider, leider - vorläufig nur erst mal ein Spaß wäre.

Und die Freude im Gesicht meines zu bezahlenden Gebenübers über meinen Spaß, den ich mir geleistet habe und den man selber nur allzugern ernst nehmen wollen könnte, ist noch immer eine größere gewesen als in meinem eigenen.

Will's irgendwer nicht glauben? Soll er oder sie es doch selber ausprobieren!

5
Sep
2007

Geld schafft sich nicht von alleine ab - ein bißchen muß man schon erst dafür tun, vor allem es ernsthaft wollen

Wenn das Kindlein schreit, die Mutter es stillt!
Du mußt dich melden, wenn du etwas haben willst.

Das Leben ist ein Feu'r, die Luft muß es erquicken;
sobald die Luft ihm fehlt, wird es in sich ersticken.

Auf Künft'ges rechne nicht, und zähl' nicht auf Versproch'nes;
klag um Verlor'nes nicht, und denk nicht an Zerbroch'nes.

Geld für Beleidigung ist niederer Gewinn,
sich Rächen edler Mut, Verzeihen hoher Sinn.

Wenn Freund zu Freunde kommt, stirbt des Verleumders Macht,
und alle Reden hat ein Blick zunicht gemacht.

Das Höchste ist die Gunst, womit der Himmel schaltet,
das Nächste ist die Kunst, womit der Gärtner waltet.

Sei dem gefällig, der an dir Gefallen trägt,
und frage dem nicht nach, der selbst nach dir nicht frägt.

Ein schlechter Jagdhund ist, der vorlaut bellend scheucht
das Wild, und atemlos dann hintendrein ihm keucht.

Der Pfeil ist gut geschnitzt, allein nicht zugespitzt;
mach erst die Spitze dran, und sag, ein Pfeil ist's jetzt.

Des Toren Herz und Geld sind nie recht einverständig;
du machst einander sie mit leichter Kunst abwendig.

Aus bittern Meeren zieht die Sonne süßes Wasser,
so zieh auch Liebe du aus Herzen deiner Hasser.

Wirfst du nach einem Hund, der hungrig ist, den Stein,
so springt er darauf zu, und denkt es sei ein Bein.

Nicht großes nur ist groß, nicht Kleines nur ist klein;
nicht die Gestalt ist es, nur der Gedank' allein.

Ein Gotteskasten ist des Armen leerer Bauch,
und wer ihn füllt, erfüllt den Willen Brahmans auch.

4
Sep
2007

"Laufend wird doch dem Menschen schon beigebracht, Sachen, an die man sich gewöhnt hat, aufzugeben"

Pekka Rahkasuo hat 44 Jahre am Steuer eines Gemischtwarenladen-Kleinlasters zugebracht

Die letzte Fahrt eines Ladens auf Rädern

(ein Bericht aus der Wirtschaftsspalte der südwestfinnischen Zeitung Turun Sanomat vom 1.9.2007, übersetzt aus dem Finnischen)

Es ist Donnerstag, am frühen Morgen um sieben Uhr. Auf dem Hinterhof der Kooperative des Orts Sale im Bezirk von Kyrö ein gewohnter Anblick: Geschäftsmann Pekka Rahkasuo verstaut Brot in seinen Laden-Wagen. Rahkasuo ist schon um fünf Uhr zur Arbeit zur Stelle, da um diese Zeit die Lastwagen von der Expresslinie die ersten Frachtgüter mit verkaufbarer Ware in den Hof einfahren werden.

Bald wird sich Rahkasuo mit seinem Ladengeschäfts-Brummi das letzte Mal auf Fahrt begeben, um für naheliegende Gemeinden Einkäufe auszufahren. Durchgestartet, und der Laden-Wagen fährt los, in Richtung der ersten Etappe, nach Rahkio.

Auf dem Kilometerzähler des 1987 aus der Fabrik angeschafften Kleinlasters sind bereits über eine Million zusammengekommen. Aber noch kein einziges Mal hat er seinen Chauffeur vorsätzlich, wenn unterwegs, im Stich gelassen, mal von den drei Malen abgesehen, da die Fahrt aufgrund von glitschigen Straßenverhältnissen in einem Graben beendet war.

- Aber dieser hier ist auch ein Mercedes, ereifert sich Rahkasuo, der als einziger je das Auto gefahren hat, zu erwähnen.

Die Fahrt geht auf Wegen des Kreises Kyrö dahin, und bald gelangen wir nach Rahkio, wo wir in den Hof der Familie Leino einbiegen. Bald auch öffnet sich schon die Haustür und Pertti Leino kommt hergelaufen, um seine Einkäufe zu tätigen.

In Rahkio gab es einen Dorfladen, der aber vor nicht ganz 10 Jahren eingestellt wurde. Seither waren die Leinos in dem Laden auf Rädern beim Einkaufen. Zweimal die Woche, und dies jede Woche.

- Freilich ist das bei unserer Lage immerhin eine überwältigend gute Sache gewesen. Und gerade das richtige für unsereiner Schlag von Finnen, der im Walde haust, entfährt es Pertti Leino mit einem Lacher, während er die Sachen, die er einkauft, in einen Korb schlichtet.

Auch Gevatter Martti gesellt sich dazu und verfolgt den Einkaufsvorgang. Da als ein Mann des Gesangs sowie als ein routinierter Ziehharmonikaspieler bekannt, schickt sich Vater Martti gleich auch an, etwas zu musizieren, begnügt sich zum Schluß aber dann damit, mit dem Rahkasuo zu quasseln.

- Wieder einmal kommen Sachen von Waren zusammen, als hätten's wir hier mit einem Hungersnotstand zu tun, bemerkt Pertti, derweil er seinen Einkauf macht. Er nimmt die Neuigkeit vom Einstellen des Ladengeschäfts-Wagens gelassen entgegen.

- Laufend wird doch dem Menschen schon beigebracht, Sachen, an die man sich gewöhnt hat, aufzugeben, kommentiert dazu Pertti.

Die edle Kunst des Verkaufens ist wichtig

Die Leinos bringen ihren Einkauf zum Abschluß, und das Ladengeschäftsgefährt kurvt bald anderen Kurven entlang, in die Richtung des Dorfes Ollila. Während der Fahrt erzählt Rahkasuo mit Begeisterung von ehemaliger Kundschaft. Er zeigt einen Zeitungsausschnitt her, auf dessen Bild Kike Elomaa [Miss Olympia 1981] zu sehen ist. Und laut Rahkasuo hatte auch Lola (Wallinkoski) [Miss Finnland 1996, heute eine Schauspielerin] schon in seinem Laden-Wagen eingekauft. Was wäre innerhalb von 44 Arbeitsjahren nicht schon alles erlebt worden?! Häuser und Menschen sind bestens in den großräumigen Speicherräumen der Verschläge des Gedächtnisses abgelegt.

- Diese Arbeit hat den Vorteil, daß man bei ihr dazu kommt, mit den Leuten einen Plausch zu halten. Noch vor Jahren kochten karelische Mütterchen für einen sogar Kaffee, und boten Butterbrote an, schwelgt Rahkasuo in seinen Erinnerungen.

Heute sind diese Zeiten vorbei. Das flache Land entvölkert sich, und immer mehr und mehr Menschen, die dort leben, gehen irgendwoanders einer Arbeit nach und erledigen auf demselben Weg ihre Einkäufe. Außerdem ruhten viele der alten Kunden mittlerweile unterm Humus. Rahkasuo berichtet denn auch, daß der Umschlag im Vergleich zu den vorhergehenden Jahren abgenommen hat.

- Heutzutage hat man einen Verkaufsumsatz und ein Geschäftsergebnis aufzubringen, setzt er hierzu drauf.

- Dieses hier ist auf eine Art eine zum Aussterben verurteilte Branche, insofern, als daß, wenn man es nicht versucht, seine Waren anzupreisen, der Umsatz um die Hälfte geringer ausfällt.

Aber Rahkasuo versteht sich natürlich auf die edle Kunst des Verkaufens. Er muß die Einkaufslisten der Kundschaft nicht einmal überfliegen, denn Rahkasuo weiß genau, welche Milch und welche anderen Dinge der einzelne Kunde wünscht.

Nostalgie liegt in der Luft

Die Gefriertruhe wird während des Morgens recht schnell leer, und inbesondere auch die Eiskrem läßt sich selbst bei kühlem Wetter sehr gut absetzen. Wenn man die Pinguin-Eistüten sieht, kommen einem die sonnigen Sommer aus der Kindheit und das gespannte Zuwarten auf das rollende Geschäft zuhause bei Großmuttern auf dem sandigen Weg draußen in den Sinn. Wann immer dann das Gefährt in den Weg gebogen kam, war die Freude eine große, und erst recht am Schmunzeln war man, bekam man eine der berühmt-berüchtigten Pinguin-Tüten in die Hand gesteckt.

Etwas Nostalgisches hat auch diese letzte Fahrt des Laden-Wagens an sich. Die Kunden wünschen dem Händler gute Rentnertage, während sie ihre letzten Einkäufe tätigen. Es ist zu beobachten, daß viele das Eingestelltwerden des Ladens auf Rädern hart ankommt. Auch im vierten Haus, dem wir aufwarten, bedauert eine Toimi Kivelä das Ende des Wagen-Geschäfts. Sie hat sich auf die Zukunft eingestellt, indem sie sich ein Kleinmotorrad anschaffte, auf dem sie nach Sale ins Kirchdorf zum Einkaufen kommt.

Als wir uns vom Hof der Kivelä entfernen, ist es bereits halb zehn Uhr. Rahkasuo setzt seine Tagesrundfahrt noch einige Stunden fort. Hernach wird der Wagen auf den Park hinter Sale gefahren, und dort wird er bleiben und auf eine nächste Verwendungsmöglichkeit für ihn warten.

- Eigentlich bekäme man einen ganz guten Camper-Wagen hin aus dem Gefährt, trägt Rahkasuo sich mit Plänen.

Das rollende Ladengeschäft kratzt die Kurven zum nächsten Etappenpunkt und zuletzt dann schließlich richtung Tervasjoki. Auch auf den 63-jährigen Rahkasuo werden bald die Rentnertage warten. Kaum jedoch wird es ein derart geschäftiger Mann fertigbringen, lange an einem Platz kleben zu bleiben, wie innerhalb der Kundschaft laut nachgedacht wird.

Marianne Tikka

29
Aug
2007

Eine Schlüsselrolle wird beim Abschaffen des Geldes dem industriellen Sektor zufallen

Die vom Inhaltlichen her wertvolle Produktion

Kultur und Produktion brauchen und ergänzen sich gegenseitig. Dies ist so selbstverständlich, daß es gar nicht vorstellbar ist, diese Bereiche des Lebens könnten je zueinander in einem Widerspruch stehen. Ein Vorwärtskommen in der Technologie hat immer neue Möglichkeiten mit sich gebracht, Inhalte anzufertigen und zu verbreiten, die typisch als ein Ergebnis von in kulturellen Kreisen verrichteter Arbeit - im weitesten Sinne aufgefaßt - entstehen. Diese Entwicklung hat sich im Zuge der Digitalisierung nur beschleunigt. Auf der andern Seite braucht die Technologie Kultur und eine vom Inhaltlichen her wertvolle Produktion, denn diese machen bei den vielen technologischen Erfindungen und Geraten erst Sinn und vernünftigen Gebrauch aus.

Pertti Huuskonen
Geschäftsführer
Technopolis Oyj

Wo Wirklichkeit wie Musik schwingt - fast so flott wie in einer Welt, wo alles fließend auch ganz ohne Geld zusammenharmoniert

Musik für Augen - der Avantgarde-Film des Frankreichs der 1920er: Germaine Dulac, Abel Gance, Henri Chomette, Man Ray...

Konsumenten der Hochkultur suchen ihre Kunstgenüsse wohl kaum im Angebot des Music Television. Überraschenderweise zeigt sich jedoch in der Kulturerscheinung der Musikvideos der Einfluß der Ästhetik des französischen Avantgarde-Films der 1920er

(ein Beitrag des finnischen Kulturjournals Kaltio aus Anlaß des Musikvideofestivals von Oulu vom 28. & 29. August 2004, übersetzt aus dem Finnischen)

"Musik aus Licht"

"Visuelle Symphonie". In derlei Begriffen sprach man vom Film im Frankreich der 1920er. Den führenden Köpfen der Avantgarde jener Zeit bestand der wichtigste Charakterzug des Stummfilms nicht in seiner Fähigkeit, Geschichten erzählen zu können, sondern in seinen visuellen Möglichkeiten. Anstelle davon, daß der Film als etwas den erzählerischen Formen in der Kunst, dem Theater und dem Roman Ähnliches begriffen wurde, vertrat man die Ansicht, daß er vor allen Dingen der Musik nahekomme.

Der Ausgangspunkt für einen Vergleich mit Musik war an und für sich einleuchtend gewesen: was die Musik für die Ohren ist, dies sollte der Film für die Augen sein - eine sichtbar werdende Musik. Paradoxerweise wurde diese Denkart gerade durch die Stummheit des Films noch unterstrichen: wo der Ton fehlt, hat der Film auf sein Publikum durch visuelle Mittel Einfluß zu nehmen. Wenn Musik mittels von Klängen, ohne, daß sie eine Geschichte erzählte, Gedanken und Gefühle erregen kann, dachte man sich, der Film könne mittels von Bildern das gleiche tun. Diese Idee formierte sich zu einer These der Avantgarde des französischen Films, die ganz im Mittelpunkt zu stehen kam.

Geschichten sind oberflächlich

Die Avantgarde der 1920er Frankreichs wird für gewöhnlich in eine erste und eine zweite Avantgarde aufgeteilt. Besonders der zu Anfang der 1920er vorherrschenden, als Erste Avantgarde oder Impressionismus bezeichneten Ausrichtung galt es als etwas wichtiges, die besondere Natur des Films aufzuspüren, einen Charakterzug zu finden, der ihn von den anderen Formen der Kunst unterschiede. Einen solchen sah man in der "Photogénie", der Fähigkeit der Filmkamera, die aufgezeichnete Realität zu einem Niveau anzuheben, wo diese sich auf eine neue und zuvor nicht wahrgenommene Art und Weise präsentiere. Obwohl impressionistische Filme denn auch Geschichten erzählten, war die Story oft nur Ausgangsbasis zum Hervorbringen der als dem Medium Film eigentlich innewohnend betrachteten Eigenschaften. Der den Spitzennamen der Impressionisten zuzurechnende Jean Epstein bemerkte im Jahre 1921: "Im allgemeinen vermittelt ein Film Geschichten nicht gut. (...) Warum also Geschichten erzählen, Stories, die immer eine Chronologie, hintereinander ablaufende Geschehnisse, ein graduelles Wechselspiel von Fakten und Emotionen voraussetzen? (...) Es gibt gar keine Geschichten. Geschichten hat es nie gegeben. Es gibt nur Situationen, ohne Kopf und Schwanz; ohne Anfang, ohne Mittelpunkt oder Schluß." "Natürlich kann ein Film eine Geschichte erzählen," bemerkte ihrerseits die sich zu den im Mittelpunkt stehenden Impressionisten zählende Germaine Dulac, "aber die Story allein ist noch nichts. Die Geschichte ist etwas oberflächliches."

Obwohl als erzählerisch einzustufende impressionistische Filme bis zum Ende der 1920er gemacht wurden, begann bereits vor Mitte der 1920er die Idee, daß man völlig und ganz auf eine Story verzichten könnte, immer stärker an Boden zu gewinnen. Der Gedanke als solcher war eigentlich nichts neues. Bereits im Jahre 1914 hatte der Kunstmaler Léopold Survage seine Vorstellung vom Film als einer Fortsetzung der abstrakten Kunstmalerei vorgestellt, als einer nicht-darstellenden, nicht-erzählerischen Malerei, als einen "Rhytmus von bunten Farben". Die Grundelemente eines "bunten Rhytmus" seien abstrakte visuelle Form, Rhytmus (anders herum gesagt, Bewegung und die mit ihr in der Form passierenden Veränderungen) und Farbe. Weiterhin stellte Survage fest, daß ein solches Werk vor allem mit Musik zu vergleichen wäre: auch bei einem "Rhytmus von bunten Farben" handelte es sich um Veränderungen in der Form, die in der Zeit vonstatten gehen.

Durchbruch des rhytmischen Schnitts

Einen bemerkenswerten Anschub der Idee des "musikalischen Films" leistete das von Abel Gance, dem vielleicht bekanntesten Vertreter des impressionistischen Films, im Jahre 1922 fertiggestellte, ins Eisenbahn-Milieu platzierte Melodrama La Roue ("Das Rad"). Der Film wurde zu einem Ereignis, von dem man im Frankreich der anfänglichen 1920er Notiz nahm. Dessen ursprüngliche Version belief sich von der Spieldauer her auf fast neun Stunden, und die Uraufführung für ein geladenes Publikum von 6000 Menschen im Dezember 1922 mußte auf drei aufeinander folgende Donnerstage verteilt werden. Nachdem die letzte Show beendet war, brach das Publikum in einen derartigen Sturm der Begeisterung aus, daß er nicht mehr enden wollte, vordem daß des Films letzter Streifen ein weiteres Mal abgespielt würde.

La Roue bereicherte den Impressionismus um ein neues Element. Obwohl der Film auch weiterhin eine Story hatte, enthielt er ebenso neuartige, rhytmisch geschnittene Montage-Abschnitte, die nahezu eigenständige, von der Erzählung und Geschichte abstehende Zusammenhänge bildeten - wie in belebten, blitzlichtartigen Bildern, von schneller werdendem Rhytmus, einer Eisenbahnstrecke, der Räder eines Zuges und Teile der Lok. Der rhytmische Schnitt des Films rief weit und breit Interesse hervor, und es gebrauchten ihn als ihr Lehrmaterial zum Beispiel die heranwachsenden Repräsentanten der Montage-Strömung in der Sowjet-Union. Den bedeutendsten Einfluß übte La Roue jedoch in Frankreich aus. Der Film-Klub C.A.S.A (Club des amis du septième art, "Klub der Freunde der siebenten Kunst") veranstaltete eine Sonderaufführung, während welcher von dem Film La Roue einzig und allein die nicht-erzählerischen Sequenzen, die hauptsächlich aus rhytmischen Schnitten bestanden, gezeigt wurden. Die Montage-Abschnitte des Films haben ganz entschieden dazu beigetragen, daß die sogenannte "Zweite Avantgarde" in den 1920ern zum Leben entfacht wurde, die sich schlußendlich vollständig vom Erzählerischen lossagte.

Kino Pur

Zu den sichtbarsten Bewunderern von La Roue zählte Germaine Dulac. Dulac war eine der bemerkenswertesten und vielseitigsten Gestalten der 1920er sowohl als Filme-Macherin als auch als Theoretikerin und eine der wenigen weiblichen Filme-Macher ihrer Zeit. Sie hatte sich zu Beginn ihrer Karriere gleich darauf verlegt, impressionistische Filme zu produzieren; zu den bekanntesten Werken aus Dulacs impressionistischer Zeit gehört die ironische Inszenierung einer unglücklichen Ehe, La Souriante Mme Beudet ("Die lächelnde Frau Beudet, 1923). Dulac machte sich auch als Regisseurin für einen der wenigen surrealistischen Filme, den auf das Drehbuch von Anton Artaud zurückgehenden Film La Coquille et le Clergyman ("Die Schnecke und der Pfaffe", 1927). Am ehesten erinnert man sich jedoch an Dulac als eine Verfechterin des sogenannten Kino Pur (cinema pur) - und gerade hier stellte das Stück La Roue von Gance eine äusserst wichtige Quelle der Inspiration dar. "Die menschlichen Figuren waren nicht mehr nur der einzige Faktor; neben diesen gelangten eher auch die Dauer von Bildern, deren Kontraste und Harmonien zu einer Schlüsselstellung. Die Schienen, die Lokomotive, der Dampfkessel, die Räder, der Druckmesser, der Rauch und die Tunnel: das jüngste Drama entfaltet sich mit ungeschliffenen, aufeinander abfolgenden Bewegungsablaufen und mit sich krümmenden Linien, und es bekommt die Anschauung, daß in Bewegung eine Kunst liegt ihre Berechtigung; endlich führt uns diese, rationell besehen, einem symphonischen Gedicht von Bildern, einer visuellen Symphonie entgegen, die alle bisher bekannten Schablonen sprengt," schrieb Dulac über La Roue.

Der Grundgedanke des reinen Films im Kino Pur war der, daß der Film zu reinem Gefühl zurückkehre, welches anstelle von einer Geschichte mit Hilfe von Mitteln erreicht würde, die ureigentümlich für den Film seien - die der Visualität, der Bewegung und des Rhytmus. Zielstellung des reinen Films war es, rein durch das Visuelle einen Einfluß auf Gefühle geltend zu machen, anders wie der sich auf das Theater gründende erzählende Spielfilm, welcher Gefühle durch äußere Mittel zu erreichen sucht, indem er Figuren von Personen und deren Schicksale als "Vermittler" der Gefühle einsetzt. Im Gegensatz zu theatralischer Sentimentalität sollte der Film nach Art von Musik Gefühle erwecken, indem er direkt auf die Wahrnehmung und die Sinnlichkeit einwirken kann. Dulac erklärt ihre Vorstellungen anhand des Beispiels von einem Blinden in einem Lichtspielhaus. Wenn in einem Kino ein gewöhnlicher Film mit einer Story vorgestellt würde, und der Blinde eine Begleitperson bei sich hätte, die ihm berichtete, was sich in dem Film tut, könnte der Blinde von den emotionellen Eindrücken des Films zumindest eine gute Hälfte erfahren. Anstelle davon sei der reine Film etwas, dessen visuelle Erfahrung einem Blinden zu erklären unmöglich ist.

Dulac setzte in der Praxis ihre Prinzipien auch in Taten um. Zu Ende der 1920er schuf sie eine Reihe von Kurzfilmen, die den Grundsätzen des reinen Films folgten, wie zum Beispiel Disque 972 ("Scheibe 972", 1928), Thèmes et variations, ("Themen und Variationen", 1928) und Étude cinégraphique sur un arabesque ("Lichtspieltechnische Übung zu einer Arabesque", 1929). Doch schon zuvor hatte ein gewisser Henri Chamotte sich die Idee des reinen Films in Kurzfilmen von ihm zur Mitte der 1920er zueigen gemacht, die so klingende Namen hatten wie Les jeux des reflets et de la vitesse ("Spiele von Reflexionen und Geschwindigkeit", 1925) und Cinq minutes de cinéma pur ("Fünf Minuten Kino Pur", 1925).

Fragmente: Ballet Mécanique

Ähnlich wie Dulac begeisterte sich auch der kubistische Kunstmaler Fernand Léger für die Montage-Sequenzen in La Roue. Außerdem, daß Léger bei dessen Erstaufführung unter den geladenen Gästen war, hatte er auch die Aufnahmen des Films vor Ort mitverfolgt. Beflügelt durch die Montage-Sequenzen des Films, schrieb Léger in einem Essay, daß in La Roue "aus der Maschine die führende Personengestalt, der führende Darsteller wird", und verglich den Film mit moderner Malkunst, bei der die Fragmentation des vorgestellten Objekts und der visuelle Wert des Objekts als solcher im Mittelpunkt stehe. Léger machte sich auch daran, einen völlig abstrakten Film zu entwerfen, bei dem das narrative Element ganz und gar ausgelichtet würde. Er konnte den amerikanischen Filme-Macher Dudley Murphy als seinen Kollegen gewinnen, und als das Endergebnis war im Jahre 1924 das Mechanische Ballett (Ballet Mécanique) fertiggestellt worden. Ballet Mécanique dürfte wohl der bekannteste Film der 1920er sein, von dem man sagen kann, daß er den Grundsätzen des puren Films folgt. Der Film baut sich auf gewissen sich wiederholenden Formen und Bewegungen auf. Zentrales Thema sind darin runde Formen und Kreisbewegungen, welche im Film auf vielerlei Art variiert werden. In dem Film kommen sowohl auf die gewöhnliche Weise gedrehte, als auch animierte Sequenzen vor (wie z.B. eine gezeichnete Chaplin-Figur). Aber auch die gewöhnlichen "etwas darstellenden" Bilder jedoch werden abstrahiert präsentiert, indem sie zu Fragmenten gemacht, sie aus ihren Bezügen herausgelöst sind. Durch den Einsatz von Nahaufnahmen werden gewöhnliche Gegenstände - oft verschiedenerlei Maschinen - so verändert dargestellt, daß sie nicht erkenntlich werden. Andererseits wird das Darstellerische der Bilder durch Wiederholungen zunichtegemacht. Ein markanteste Beispiel dafür ist eine vielmals hintereinander sich wiederholende Aufnahme einer treppensteigenden Waschsalon-Dame. Die Wiederholungen lenken das Beachten dessen, was das bewegte Bild eigentlich darstellt, ab, dahingehend, daß man auf das Bild als solches aufmerksam wird, welches sich rein in einer mechanischen Bewegung erschöpft. "In erster Linie wollte ich das Publikum verblüffen," erklärt Léger zu den Aufnahmen, "dann sollten sie dazu gebracht werden, verzweifelt nach einer Lösung des ganzen zu suchen, und zum Schluß dahin, daß sie ganz der Verzweiflung verfallen." Um die Anzahl der Wiederholungen zeitlich richtig abzustimmen, präsentierte Léger verschiedenen Publiken verschiedene Versionen, um herauszufinden, was am ehesten den von ihm erstrebten Effekt zeitigt.

"100% Dada"

Die von der Erzählkunst sich befreiende Zweite Avantgarde war jedoch nicht nur der "reine Film". Das Feld der Avantgarde in der Zeit wies eine Fülle von auseinanderlaufenden Gruppierungen und Strömungen auf. Ein und der gleiche Film konnte sehr wohl unter unterschiedlichen Betitelungen laufen. So wurde zum Beispiel vom Mechanischen Ballett als einem "abstrakten Film" und einem "kubistischen Film" gesprochen; ein gewisser Schriftsteller bemerkte sogar, daß "obwohl Léger eigentlich kein Dadaist ist, sein Ballet Mécanique 100% Dada ist." Gerade der Dadaismus und der als dessen Nachfolger zur Mitte der 1920er aufgekommene Surrealismus zählten neben dem "reinen Film" zu den bemerkenswertesten Strömungen der Zweiten Avantgarde. Anders wie Impressionismus und der reine Film suchten jedoch Dadaismus und Surrealismus nicht danach, den Film zur Kunst werden zu lassen; viel eher ließen sie sich eine Provokation, eine Opposition zu jeglicher Rationalität und ein In-Frage-Stellen der Position der Kunst angelegen sein. Wenn der Film keine "Kunst" war, bestand auch keine Notwendigkeit, ihn als "Musik" zu begreifen. Obwohl die Ausgangspunkte der Dadaisten und Surrealisten zur Idee des reinen Films von einander abwichen, gab es in etlichen fertiggestellten Filmen die gleichen Züge. Eine der auffallendsten Figuren sowohl auf dem Lager des Dada wie auch des Surrealismus war der in Frankreich sich eingelebte, amerikanische Photograph und bildende Künstler Man Ray (eig. Emmanuel Rudnitsky). Im Juli 1923 hatte Man Ray in Eile für eine von Tristan Tzara, der Leitfigur des Pariser Dada, in Szene gesetzte Abendgesellschaft, der "Coeur à barbe" (Bärtiges Herzen), den mehrminütigen Film Retour à la raison ("Die Rückkehr zur Vernunft") zusammengestellt. Der Film von Ray beinhaltet unter anderem auf Straßen und in Lustgärten aufgenommenes Material sowie direkt auf Film belichtetes Stückwerk. "In einige Fetzen des Films streute ich Salz und Pfeffer hinein wie ein Koch, der einen Braten zubereitet, in anderen vermischte ich kreuz und quer Pflöckchen und Stecknadeln, und ich belichtete dieses dann ein bis zwei Minuten," beschrieb Man Ray den Herstellungsprozeß des Films. Obwohl die ursprüngliche Idee zu diesem Film eine andere war, kann man auch diesen Film ähnlich dem Ballet Mécanique als einen abstrakten und vielleicht auch in gewisser Weise als einen "musikalischen" Film sehen. Das Soirée zum Coeur à barbe endete in einem skandalösen Zwischenfall, als der Anführer der opponierenden Gruppe von Surrealisten, André Breton, sich dazu hatte hinreißen lassen, auf einen bestimmten der aufgetretenen Schauspieler mit seinem Spazierstock einzuschlagen. Dieses Ereignis wird als die Beendigung der eigentlichen Dada-Strömung angesehen, welche durch den Surrealismus von Breton und Kollegen verdrängt wurde.

Der Traumblick

Auch die Surrealisten waren am Film interessiert. Für viele Surrealisten stellte der Film an und für sich etwas surrealistisches dar - er eröffnete den Weg zu einer die Alltäglichkeit übersteigenden, traumgleichen Erfahrung. André Breton pflegte die Angewohnheit, an Sonntagnachmittagen sich zufällig herausgesuchte Filmvorführungen anschauen zu gehen, und zwar solcherweise, daß er eine Zeitlang einem Film zuschaute, sich dann sogleich aufmachte, einem anderen eine Weile zuzuschauen, und so weiter fortfahrend. Das Resultat davon war, daß eine surrealistische Filmerfahrung aufkam, eine im Geiste des Betrachtenden entstehende, aus losen, aufblitzenden Streifenbildern sich zusammensetzende, unlogische, traumgleiche Bildmontage. Mit der gleichen Masche ging auch Man Ray vor, der zusätzlich an seine Augengläser farbige, das Licht brechende Prismen geklebt hatte, sodaß Filme in Schwarz-Weiß sich ihm als abstrakte Farbbilder zeigten. Surrealisten schrieben auch zahlreiche Filmdrehbücher, im Endeffekt wurden aber nur wenige richtiggehend surrealistische Filme gedreht. Der "Papst des Surrealismus" Breton hielt steif und fest an seinem Recht fest, bestimmen zu dürfen, was "echter" Surrealismus ist und was nicht. Der Abend der Erstaufführung von Dulacs La Coquille et le Clergyman geriet zu einem Chaos, da Breton und Kollegen im Lichtspielhaus eine skandalöse Szene anzettelten und Dulac blöde Kuh schimpften. Zum Schluß war der einzige Film in den 1920ern, den Breton mit seiner Gruppe - selbst darüber verblüfft - als surrealistisch durchgehen ließ, Un Chien andalou ("Ein andalusischer Hund", 1929) von Luis Buñuel und Salvador Dalí - wenngleich Dalí sich auf ein mögliches Szenario vorbereitet hatte, indem er Straßensteine im Vorführungssaal sich als Wurfgeschosse aufgebaut hatte.

Ein weiterer Versuch auf einen surrealistischen Film stellte das durch Man Ray im Jahre 1926 zustande gekommene "Filmgedicht" Emak Bakia vor; der Titel des Films war in baskischer Sprache und bedeutete "Laß mich in Frieden". In dem Film war teilweise gleiches Material zu sehen wie im Film Retour à la raison, doch ist er entschieden länger. Man Ray gibt von sich, daß er in dem Film versucht hätte, allen zugrundeliegenden Leitgedanken des Surrealismus Folge zu leisten - dem Irrationalismus, dem Automatismus, dem Sich-Lossagen von sichtbarer, dramatischer Logik und vom gewöhnlichen Erzählverlauf. Die bekannteste Bilderreihe des Films ist zu dessen Schluß, in der eine Frau mit glotzigen Augen in die Kamera schaut. Plötzlich öffnet sie dann ihre Augen: es zeigt sich, daß die zuvor gesehenen "Augen" nur auf die Lider aufgemalt waren. Diese Bildersequenz ist so ausgelegt worden, als daß sie sich auf die zwei unterschiedlichen Arten des "Sehens" beziehe - zum einen auf das Betrachten der gewöhnlichen Wirklichkeit und zum andern auf die mit geschlossenen Augen "zu schauende" surrealistische Welt der Träume und des Unbewußten. Zum Verdruß von Man Ray akzeptierte die Gruppe der Surrealisten den Film nicht. Weitere Filme von Man Ray waren L'étoile de mer ("Der Meeresstern", 1928) und Les Mystères du château du dé ("Die Geheimnisse des Loswürfel-Schlosses", 1929), für die der surrealistische Dichter Robert Desnos die Drehbücher handgeschrieben hatte.

Man Ray ist ein gutes Beispiel für eine Figur, die zwischen den verschiedenen Gruppen hin- und herlavierte. Eine Zeitlang war er mit dabei beim Drehprozeß für das Ballet Mécanique, wobei er offensichtlich auch einige für den Film verwendete Einstellungen aufgenommen hatte. Als mitwirkender Schauspieler war Man Ray 1924 in einem zweiten, wichtigen Film des gleichen Jahres mit von der Partie gewesen, in dem unter der Regie von Henri Chamottes Bruder René Clair (eig. René Chamotte) entstandenen Film Entr'acte ("Zwischenspiel"). Obwohl die eigentliche Dada-Bewegung mit der Szene auf der Coeur à barbe-Abendgesellschaft ihr Ende gefunden hatte, wurde Entr'acte weiterhin als ein dadaistischer Film angesehen. Seinem Namen zufolge war er als Zwischenspiel gedacht, und zwar für das avantgardistische Ballett Relâche ("Auftrittspause") von Francis Picabia. Das Drehbuch stammte von Picabia, nebst welchem, von hervorstehenden Avantgarde-Figuren, Man Ray, der bekannte Dada-Künstler Marcel Duchamp sowie der Komponist Eric Satie in dem Film Auftritte hatten. Eine "Tonspur" des Films sollte sich aus Gelärme und Gegenreden des aufgebrachten Publikums ergeben. Der Film selbst setzt sich aus einer Reihe von komischen Gags zusammen, in denen zum Beispiel unter anderen eine bärtige Ballerina, Picabia selbst, wie er mit einem Feuerwehrschlauch den Schach spielenden Man Ray und Duchamp vollspritzt, eine Jagd auf ein Straußenei, sowie eine Beerdigungsgesellschaft, die zu einem verworrenen Durcheinander ausartet, zu sehen sind. Im Programmprospekt der Inszenierung schrieb Picabia: "Das 'Entr'acte' bekennt sich nicht zu sehr vielem, vielleicht jedoch zum Genießen des Lebens; es glaubt eben an den Spaß des Erfinderischseins, es respektiert nichts weiter als das Verlangen, in Lachen auszubrechen."

Die Nachklänge: von der Musik der Bilder zum Musikvideo

Der Durchbruch des Tonfilms, als man auf die 1930er zuging, brachte das Ende eines Films mit sich, der sich an der Kraft des Bildes orientiert hatte. Die Sprache ersetzte die mit bildlichen Mitteln erzielten Effekte und der Film wurde zu dem von der Generation der 1920er scheel beäugten "gefilmten Theaterspiel". Die "reine", von jeglicher Erzählhandlung losgelöste Art und Weise, durch bewegte Bilder etwas zum Ausdruck zu bringen, war jedoch damit nicht ganz und gar verschwunden, sondern hatte ihren Fortbestand in verschiedenen Projekten der Avantgarde und bis zu einem gewissen Grad auch innerhalb des Mainstream-Films für die breiten Massen. Ein neues Beispiel für dessen Lebendigkeit ist das seit gut letzten zwei Jahrzehnten sich durch die Räume bewegende Musikvideo. Bei einem Musikvideo kann man vielleicht nicht gerade von einem Avantgarde-Film im eigentlichen Sinne des Wortes sprechen. Als eine Erscheinungsform des Ausdrucks hat es jedoch auf den weitspurigen Gefilden des Films als marginal verbliebene Mittel des filmischen Ausdrucks erneut zu einem sichtbaren Bestandteil der audiovisuellen Kultur gemacht. Da die Aufmachung bei einem Musikvideo nichts mit dem Erzählen von einer Geschichte zu tun zu haben braucht, bietet es sich an, dadurch sich Ausdruck zu verleihen, indem das Bild und die visuelle Kunst an der Stelle einer Story ganz in den Fokus genommen wird.

Ein "reines" Musikvideo gibt es jedoch nicht; in einzelnen Videos lassen sich auf unterschiedlichsten Wegen verschiedenartigste audiovisuelle und andere kulturelle Ausdrucksformen nutzen. In Anbetracht der Stellung des erzählenden Spielfilms ist es kein Wunder, daß in etlichen Videos auch dessen Methoden zur Anwendung kommen. Ein typisches erzählerisches Element in einem Video ist der auftretende Artist oder die Gruppe, um die herum das Ganze verankert ist. Auch mit Hilfe von Plätzen, seinem Aufzug und mit bestimmten Gegenständen kann eine "Erzählwelt" um die Auftretenden herum aufgebaut werden. Oft enthalten Videos Bruchstücke einer Erzählung oder sie formieren sich zu in sich abgeschlossene Minigeschichten.

Nichtsdestotrotz haben die Musikvideos dazu beigetragen, Stilmittel, die ohne ein Erzählen auskommen, die früher der Avantgarde zugerechnet wurden, zu einem festen Teil der populären Mainstream-Kultur werden zu lassen. Bei Musikvideos kann man innerhalb den Einstellungen beliebig von einem Ort und einer Zeit zur andern springen, und beim Schnitt kommen oft Rhytmus und Bewegungen eine wichtigere Bedeutung zu als dem Aufrechterhalten einer erzählerischen Einheit. Die Erkennungsmerkmale des "reinen" Films der 1920er, die Betonung des Visuellen, Bewegungsabläufe und deren Rhytmik machen den Kern ebenso des Musikvideos aus.

Die drei Grundpfeiler beim Aufbau eines erzählenden Spielfilms sind Ursache-Folge-Relation, Ort und Zeit. Ein Spielfilm bietet einem Ort über eine gewisse Zeit einen Platz der Fortsetzung, auf dem Ursächlichkeiten und Resultate aufeinander abfolgen können. In einem Spielfilm verbindet und motiviert die Elemente eine fiktive Wirklichkeit oder Welt, in die der Film gleichsam den Blick eröffnet.

Vom Standpunkt des Aufbaus eines Musikvideos her ist eine solche erzählerische Welt nicht unbedingt vonnöten, da vor allem die Musik es zusammenhält. Eine konkret hörbare Musik (und nicht nur eine "sichtbare", wie beim reinen Film der 1920er) begründet und berechtigt auch die "Musikalisierung" der Bilder, läßt daraus etwas entstehen, das auch von einem, dem eine nicht-erzählende Bildersprache befremdlich vorkommt, angenommen werden kann. Wenn die hörbare Stimme und nicht die sichtbare Örtlichkeit dem ganzen Dauer und Zusammengehörigkeit verleiht, müssen die Bilder nicht dadurch motiviert sein, wie sie sich in einen bestimmten Erzählverlauf einfügen. Es reicht aus, daß der Bilderstrom im Einklang mit der Musik "klingt" oder "swingt". Anstelle der realistischen Ästhetik (bei der der Film in gewisser Weise das Fenster für eine in Bildern festgehaltene Wirklichkeit ist) stellt die visuelle Ästhetik des Musikvideos an erster Stelle eine Ästhetik der Attraktivität dar, bei der das Anschauen und das Aufführen als solches schon das wichtigste sind, ohne eine eigentliche Notwendigkeit, von etwas "erzählt" zu haben.

Das Loslösung der Bilder weg vom Erzählen von Geschichten hin zu einer reinen Visualität, Beweglichkeit und Rhytmik ist zwar auch beim Musikvideo keine unbedingte Notwendigkeit. Sie ist jedoch eine Möglichkeit, die die Filmart des Musikvideos bereithält. Ein Musikvideo kann sehr wohl nichts weiter als eine mit Bildern untermalte Musik sein. Trotzdem kann sich von Zeit zu Zeit in ihnen die Utopie der Avantgardisten der 1920er realisieren, daß bewegte Bilder aus sich selbst heraus zur Musik werden.


Antti Pönni

Lektor an der Universität Oulu für das Fach Filmkunde

[Auf dem Musikvideofestival von Oulu am 28. & 29. August 2004 wurden jeweils zwei Kurzfilme von Germaine Dulac, Man Ray & Henri Chamotte vorgestellt]

28
Aug
2007

Jedem, was einem frei zusteht

Bär schleckte in Imkereien Honig

(ein Bericht aus den Neuesten Nachrichten der finnischen Zeitung Turun Sanomat vom 28.8.2007, übersetzt aus dem Finnischen)

Ein Bär hat in zwei verschiedenen Imkereien in Söderby bei Liljendal in der finnischen Provinz Ost-Neuland Honig geschmeckt. Die Schäden in den Imkereien, die auf Grundstücken, die an die Gemeinden Pernaja und Loviisa angrenzen, liegen, waren am Sonntag bemerkt worden. Die Polizei von Loviisa hatte bereits am letzten Dienstag von einem auf dem Gebiet von Röisuo herumschleichenden Honigbären berichtet. In der einen Imkerei waren vier Bienennistkästen aufgestellt, von denen der Bär ganze drei leer machte. Der andere Immenstand war ein abgesperrter Bienenpavillon mit acht Nistkästen. Da kam der Bär durch eine schmale Eingangsöffnung an die Bienentrommeln heran, zog an die zehn Waben heraus und machte sich darüber genüßlich her.
against enslaving

Eine Welt so ganz ohne Geld

"Benefits Supervisor Awakening" für Menschen, die durch und durch Mensch sind und nicht mehr länger ums Goldene Kalb herumtanzen wollen

mit vielen Überraschungs-Effekten:

interessante Links an Stellen, wo keiner sie vermutet

Bayern3 Radio hören

Melden auch Sie sich zum Thema zu Wort, lieber Leser!

Du bist nicht angemeldet.

Abbild von natürlicher Unbeschwertheit?

worth more than gold - the gold of freedom from money

Gern gelesene Beiträge dieses elektronischen Magazins

Kisah Sex Nyata | Cerita...
Cerita Dewasa, Cerita Sex, Cerita Mesum, Cerita Bokep,...
Cerita Dewasa (Gast) - 21. Okt, 16:19
Very nice blog, it contains...
Very nice blog, it contains lot of informations. Articles...
Cerita Sex (Gast) - 14. Okt, 15:17
Prediksi Togel | Bocoran...
Prediksi Togel Hari Ini | Keluaran Angka Jitu | Ramalan...
Togel Hari Ini (Gast) - 14. Okt, 15:13
Seine Pappenheimer kennenlernen,...
Hier der Link zur Geschichte von Pentti Haanpää http://libidopter.twoday.n et/stories/5533136/ Geste rn...
libidopter - 3. Okt, 13:26
Sternschnuppen verwirrter...
Vorgeschichte zum Artikel: Im Frühsommer 1975 war...
libidopter - 3. Okt, 13:07
Anneli Auer IS FREE FINALLY...
In the Finnish murder case of Anneli Auer who is suspected...
libidopter - 1. Sep, 22:30
Founder and abbot of...
Dr Choje Akong Rinpoche, the founder and abbot of the...
libidopter - 9. Okt, 17:26
Most tragically misinterpteted...
"This is a story that recently unfolded: While meeting...
libidopter - 17. Sep, 17:28

Musikalisches


Amy Martin
Day of Reckoning

Pekka Pohjola von der finnischen Jazz-Rock-Band Wigwam, verst. im Nov. 2008
Pressure

Wird das arme Sparschweinchen schon irgendwo auf der Welt in seine wohlverdiente Freiheit entlassen?

Suche

 

* * *

"Nachrichten allein bedeuten gar nichts. Man braucht Autoren, die sie deuten können." — Helmut Schmidt

Wie lange sind wir schon mit dabei?

Online seit 6961 Tagen
Zuletzt aktualisiert: 21. Okt, 16:19

Immer mehr sind fürs Geldabschaffen!

Ein Paradies auf Erden kann es geben

aber nur wenn es das Geld nicht mehr gibt. Packen wir's an, es wegzupacken!