Malakat Aymanukum - Im Nahen Osten werden erste Schritte gemacht hinzu zu einer liberaleren Moslem-Gesellschaft
Eine syrische Fernsehserie stochert herum in den wunden Punkten der Menschen im Islam
Muslime, die ihren heiligen Monat, den Ramadan, wahrgenommen haben, sind in Syrien heuer mit einer Seifenoper verwöhnt worden, die mit einer harten Hand in den wunden Punkten der islamischen Welt herumstochert. Die Serie setzt sich unter anderem mit Homosexualität, Korruption und vorehelichem Sex auseinander.
"Als ich die ersten Folgen der Serie sah, fragte ich mich: handelt es sich hier wirklich um eine syrische Filmreihe?", zeigt sich ein Schullehrer namens Najiba verblüfft.
"Daß derlei Szenen im Fernsehen in Syrien gezeigt werden, ist unerhört, so etwas hat es noch nie gegeben", setzt Hautarzt Rouba hinzu.
Der Titel der Fernsehserie, Malakat Aymanukum, bedeutet frei übersetzt 'Was deine rechte Hand tut'. Bezüglich der rechten Auslegung dieses Ausspruches, der aus dem Koran stammt, hat es jahrhundertelang einen Zwist gegeben, es sei dieser ursprünglich jedoch als eine Anleitung zu sexuellem Verkehr mit Sklaven angesehen worden.
Sex ist zwar auch mit von der Partie bei der syrischen Filmreihe, in erster Linie konzentriert sie sich aber auf das Leben junger Frauen, auf die in der chauvinistischen Gesellschaft von unterschiedlichen Seiten her Druck ausgeübt wird. Ihren Anteil an den satirischen Betrachtungen bekommen allerdings auch die Selbstmordanschläge und die fanatischen Islamprediger ab.
Eine in einen Ganzkörperschleier gewandete Leila ringt mit den Verlockungen von Lastern, bis sie schließlich zum Schluß umgebracht und ihr Körper zerstückelt wird. Die syrische Schauspielerin Sulafa Memar spielt die Rolle dieser Leila, die ein hitzköpfiger Bruder in der Serie auspeitscht.
Alia wiederum endet als Prostituierte, um ihrer Familie zu helfen, während Gharams Ehemann seine Frau dazu anhält, Beziehungen zu knüpfen zu einflußreichen Männern.
Die Fernsehserie hat es natürlich bereits fertiggebracht, die konservativen Anhänger des Islam in Rage zu versetzen. Scheich Saida Ramadan al-Buti, auf den viele Leute hören, hat in seinen Predigten die Muslime aufgefordert, die Serie zu boykottieren, und verlangt, daß kein islamischer Fernsehkanal sie zeigen darf. Laut Scheich würde in der Fernsehserie ein falsches Bild vom Islam gezeichnet und der Koran verunglimpft.
Der Regisseur der Fernsehfilmreihe, Najdat Anzur, sagt, er wolle "die Schattenseiten der Gesellschaft herausstellen", wie die im Schatten der Religion sich abspielende Erniedrigung der Menschen, die Korruption und die Gewalt.
"Meine Rolle ist es, gemäßigten Kräften mit einem Kanal aufzuwarten. Wir brechen Tabus auf; ich bin nicht daran interessiert, ob jemand einen Schleier anhat oder nicht, ich bin daran interessiert, wie sich die Menschen benehmen", erklärt Anzur.
Die Seifenoper spielt derzeit auf dem staatlichen Satellitenkanal in Syrien und auf dem libanesischen Kanal al-Mustaqbal.
libidopter - 12. Sep, 11:12