26
Apr
2009

Lebensbeichte eines dreifachen Mörders — Lauri Johansson - der zum Glauben bekehrte Natural Born Killer

Am 16.9.2001 erschoss Lauri Johansson in Porvoo Sami Huhtimo. Huhtimo wollte sich von Johanssons krimineller Vereinigung NBK trennen. So etwas durfte nicht sein. Im Dezember 2002 wurde Late Johansson zu einer lebenslänglichen Gefängnisstrafe verurteilt. Am 28.11.2007 fand er zum Glauben. Jetzt erzählte er seine Geschichte dem Reporter Panu Räty, deren Spur ich hier folge.

Der lebenslängliche Gefangene Lauri Johansson tritt, begleitet von einem Wächter, in den Raum, wo die Gefangenen ihre Familien treffen, und setzt sich auf einem Lehnstuhl in der Ecke des Raums ab. Der Wächter verbleibt hinter einer mit einem Fenster ausgestatteten Wand, von wo aus er Sichtkontakt zu Johansson hat.

Johansson ist in Finnland bekannt geworden als der Anführer der kriminellen Vereinigung Natural Born Killers, die Drogenhandel und das gewaltsame Eintreiben von Schulden betrieb. Er büßt im Sicherheitstrakt des Gefängnisses der Stadt Riihimäki eine lebenslängliche Gefängnisstrafe ab, die er für den Mord an seinem Gangsterkameraden Sami Huhtimo erhielt. Johansson hatte im September 2001 Huhtimo, der sich von der Gang absetzen wollte, mit einem Revolver in den Kopf geschossen.

Jetzt vermisst man an Johansson seine Cliquenweste und die von den Prozeßbildern der Zeitungen her bekannte Sonnenbrille. In seinem T-Shirt, seinen Shorts und seinen Pantoffeln schaut er eher aus wie ein gemütlicher Onkel aus der Nachbarschaft als wie ein abgebrühter Berufsverbrecher und Mörder.

Die Nachrichten der letzten Monate bezüglich Johansson nahmen sich angesichts von dessen Ruf als Berufsverbrecher sonderbar aus.

Ist doch berichtet worden, der Gangsterboss hätte bei Chefredakteur Mika Lahtonen des Kriminalblattes Alibi angerufen, hätte ihm von Gott gesprochen und sich gleichzeitig zu zwei dunklen, vormals unaufgeklärten Morden bekannt.

Gewiß finden einige im Gefängnis zum Glauben.

Aber daß das ausgerechnet bei Johansson so sein soll, der eine mit dem Bild eines Schädels versehene Cliquenweste trug?

Also jener gleiche Johansson, der als Bedingung für die Aufnahme in seine Clique ein gewährleistetes Tötungsdelikt forderte?

Johansson kommt ins Stocken, wenn er davon erzählt, daß sein zum Glauben Finden eine echte Sache sei. Es hätte mit einem Jesusbild angefangen, das ihm der Gefängnispastor zusteckte, und mit Bibellesungen und Besuchen in der Kirche des Gefängnisses sowie im Bibelzirkel des Gefängnisses seine Fortsetzung gefunden.

"Am Mittwoch abend, den 28. November 2007 betete ich, daß Jesus in mein Herz käme."

Schließlich kam denn auch Jesus.

"Etliche Stunden war ich bitter am Weinen. Ich fühlte es, daß mir meine Sünden vergeben wurden."

Johansson brachte mit sich aus der Zelle eine in Rot gebundene Bibel. Lassen wir diese aber noch eine Weile beiseite gestellt.

Die beiden von Johansson eingestandenen Morde hatten mit den Verbrechen im Umfeld von Rauschgift zu tun. Der länger zurückliegende der Fälle betrifft Pauli Saastamoinen, dessen Leiche im Juli 1992 im Hafenbecken von Halla zu Kotka aufstieg. Der zweite Mord ereignete sich im August 1998. Das Opfer war Jari Aaltonen, der Bruder des Stratovarius-Leadgitarristen Remu Aaltonen. Der Mann verschwand spurlos, als er auf dem Mellunmäki-Hügel in einen dunkelblauen Audi gestiegen war.

Die Polizei hatte bei beiden Morden Johansson im Verdacht gehabt, es fehlten aber die stichhaltigen Beweise.

"Die Geschichte mit Aaltonen hat mich von Anfang an belastet. Ich wollte vor allem, daß die Verwandtschaft die Beerdigung abhalten könnte", sagt Johansson.

Der Mord an Aaltonen war seiner Ansicht nach schon allein von daher töricht, daß die Schulden, die Aaltonen bei ihm hatte, verhältnismäßig gering waren.

"Lediglich so um die 63'000 Finnmark. Wenigen einigen zehntausend Mark schoss ich ihm in den Kopf. Leicht unüberlegt, wenngleich es ein vorsätzlich geplanter Mord war."

Die Polizei ging mit allem Ernst auf Johanssons Gesprächigkeit ein. Ende Februar berichteten Zeitungen und das Fernsehen von einer weitläufigen Suchaktion der Polizei in den mittelsüdfinnischen Bezirken von Uusimaa. Johansson hatte der Polizei gezeigt, wo er die Leiche von Aaltonen vergraben hatte.

"Ganz genau zeigte ich ihnen die Stelle, aber sie wollte nicht gefunden werden. Eine ärgerliche Geschichte, falls sie verschwunden bliebe."

Das Fenster in dem Raum für die Familienbesuche der Häftlinge geht auf den Innenhof des Gefängnisses von Riihimäki hinaus. Vor dem Fenster sind ein niedriger Tisch und zwei für die Kleinsten der Familien bestimmte Stühlchen aufgestellt. In einer Regalablage liegen Farbstifte, ein paar Märchenbücher und ein Buch mit Bildern zum Bemalen aus.

Johanssons eigene Kindheit im Dorf Pukaro nahe der Stadt Lapinjärvi hört sich denn auch genauso an, wie man von der Wahl der beruflichen Laufbahn her schlußfolgern könnte.

Nebenbei sei in diesem Zusammenhang auch hier wieder mein geflissentlicher Verweis auf die onomatomantische Qualität des relevanten Umfelds einer heranwachsenden Person bemerkt: Pukari bezeichnet in der finnischen Sprache den Streithahn, so daß sich Pukaro für einen Finnen zumindest unterschwellig wie nach einem für Streithansel unter sich verabredeten Ort des Treffens anhört.

Der Vater war ein Säufer und peitschte regelmäßig sowohl seine Frau als auch seinen erstgeborenen Sohn Lauri aus.

"Die typische Geschichte. Selbst beim größten Schneegestöber und mit den Zehen im Eis, nichts wie auf und davon hinüber zum Nachbarn! Vom Nachbarn aus die Polizei telefonisch verständigt, die Vati ins Kittchen abholte. Hernach kehrte man ins ramponierte Zuhause zurück."

Mit dreizehn hat Lauri endgültig die Schnauze voll von Riemenschlägen. Er setzt sich dem Vater zur Wehr, indem er ihm eine Abreibung mit Kohlenruß verpasst, im finnischen Slang ranstakka genannt. Die Mutter reicht die Scheidung ein und nimmt Lauri und dessen fünf Jahre jüngeren Bruder mit in einen Mietblock der Gemeinde, wo sie unterkommen kann. Um die Knirpse durchzubringen, fährt die Mutter Taxi.

"Ich habe schon immer gesagt, daß die, die im Zirkus Schwerte schlucken, nichts gegen meinen Vater wären. Bei Väterchen lief alles die Kehle hinunter, der 10-Zoll-Rad-Scania, das Eigenheim und Vaters Grundstück."

Das erste Mal zieht Lauri los auf Tour im Alter von vierzehn, indem er zusammen mit einem Kumpel in einen Kooperativladen in Lapinjärvi einbricht. Die Beute fällt nicht besonders groß aus. Lauri stopft sich die in der Kasse vorgefunden sieben Zehnmarkscheine in die Hosentasche, der Kumpel ließ Zigaretten mitgehen.

Der Leiter der Lehranstalt macht dem Jungen etwas von der EDV-Branche vor. Anstelle von Computern bringt sich Johansson das Stehlen von Autos, das Kämpfen mit Fäusten und das Zechen mit den Landstreichern im Ort bei. Seine Schulkarriere kam zu einem jähen Ende, als er in einer Pausenstunde einem Lehrer die Mütze über die Augen zog und so auf ihn eindrosch, daß dieser bewußtlos wurde.

Die Zelle des Untersuchungsgefängnisses von Katajanokka bekam Lauri das erste Mal als Sechzehnjähriger zu sehen. Eine nicht zur Bewährung ausgesetzte Gefängnisstrafe erhielt der beginnende Kriminelle, als er gerade achtzehn geworden war.

"Vier Jahre, einen Monat und fünfzehn Tage. Das war für ein paar schwere Mißhandlungen und für einen versuchten Totschlag. Einem Kontrahenten schnitt ich die Gurgel durch, er ist aber nicht draufgegangen."

Aufgrund des schweren Urteils wird der jugendliche Häftling nicht in die Jugendgefängnisanstalt von Kerava geschafft. Johansson wird nach Konnunsuo überstellt, in die gleiche Zelle zusammen mit dem erfahrenen Berufsverbrecher Lusu Ahlqvist.

"Von da ab ging's mit meiner Karriere aufwärts", sagt Johansson.

Später unternahm Johansson dann Touren in der Clique von Ahlqvist, auf denen er kreuz und quer mit einem Heisassa durch Finnland tingelte. Ein bekannter Autolackierer spritzte den Kleinlaster der Räuberbande allwöchentlich auf eine andere Farbe um.

"Lusu hatte gute Beziehungen. Wir ließen alles in den Läden mitgehen, einschließlich Süßwaren und Wurst."

Jedes weitere von Johansson eingestrichene Urteil bietet neue Vernetzungsmöglichkeiten mit professionellen Kollegen. Er versuchte sich im Handel von Kifferrauchwaren und spezialisierte sich auf den Vertrieb von Amphetamin. Amphetamin war als die in Finnland am meisten benutzte, gespritzte Droge, eine taugliche Handelsware.

Der Verkaufsartikel taugte auch dem Händler selber. So wie auch wie mit den anderen Rauschmitteln.

"Kokain, Amphetamin, Heroin,
Kiffen - alles wurde ausprobiert und gleich richtig anständig. Ich habe nie gestochen, dafür aber geschluckt, geraucht und durch die Nase gezogen."

Wieder hat Johansson etwas zu bekennen. Diesmal setzt sich das Bekenntnis mit gesundheitlichen Dingen auseinander.

Er erzählt, daß er an einer bipolaren Störung der Gemütsverfassung leide, an manischen Depressionen. Die Krankheit bedürfe beständiger Medikamentenverabreichungen.

Als Johansson zu Jesus fand, war es aus mit dem Pillenschlucken. Ihm kam es vor, als ob der Heilige Geist ihn beisammenhielte.

"Ich knallte in eine fürchterliche Psychose hinein. Ich betrachtete den Erdball vom Weltall aus und der Lord hatte dort ein Fest. Hört sich vielleicht lustig an, aber für mich war es alles andere als lustig gewesen."

Gerade in den letzten Augenblicken vor seiner geistigen Umnachtung rief er bei Alibi und bei der Kriminalpolizei von Helsinki an. Ein paar Tage nach den Bekenntnissen wurde er nach Turku in die Gefangenen-Nervenheilanstalt abtransportiert.

Die Zeitschrift Alibi paßte deshalb als Beichtvater, da das Blatt bereits zuvor sein Interesse an seinen Lebensprüfungen gezeigt hatte. Johansson erinnert sich daran, wie er von der Zeitschrift zum Beispiel dafür einen Tausenderlappen zugesteckt bekam, daß er während eines Gerichtsgangs eine Schildkappe mit dem Werbelogo des Blatts aufbehalten hatte.

Er bereut es jedoch keineswegs, die Morde gestanden zu haben.

"Es war eine plötzliche Eingebung, bei Alibi anzurufen. Ich konnte das, was ich da erzählt hatte, dann nicht mehr zurücknehmen. Dann wäre ich ja erst recht wie der Arsch dagestanden, wenn ich in dem Moment meinen Glauben verleugnet hätte," sagt er.

Jetzt nimmt er es schließlich hin, daß er permanent Medikamente schlucken muß. Gott hilft denen, die sich selbst zu helfen wissen.

Viele Male war er auch zuvor schon in Therapie gestanden. Genau genommen hatte er sich sogar die Natural Born Killers zu einem Zeitpunkt ausgedacht, als er 1999 in Niuvanniemi in Therapie war, grinst Johansson und sagt, daß es wohl keine anderen Bandenwesten geben dürfte, die gleichfalls in einer staatlichen Nervenheilanstalt für Geisteskranke entworfen worden wären.

"Wo ich doch eben nun einmal ein extrovertierter Typ und ein Narzist bin, mußten natürlich auch wir unsere Westen haben, so daß alle es sehen würden."

Die ersten beiden von einem Schuster genähten Westen, hell leuchtend mit der Aufschrift Natural Born Killers beschriftet, gehörten Johansson und einem zweiten Berufsverbrecher, Tapio Kekkonen, auch "Maija, die Mörder-Biene" genannt. Zu jener Zeit gehörte zu den Aufnahmebedingungen der Bande ein unaufgeklärtes Tötungsdelikt.

Johansson atmet schwer auf.

"Ganz schön dumm von uns zweien damals! Gehe heute einer mal hin und frage in einer Clique nach, ob einer ein unaufgeklärtes Tötungsdelikt gemacht hat. Es wurde die Regel so abgeändert, daß auch ein aufgeklärtes durchging."

Der Zweck, weshalb es zur Gründung der NBK kam, war es, die Geschäftstätigkeiten durch eine harte Organisation abzusichern. Im nachhinein betrachtet waren die Bandenwesten und der Öffentlichkeitsrummel nicht die schlausten der Strategien. Die Polizei war umso mehr nur an den Umtrieben von Johansson interessiert.

"Wir schossen uns ins eigene Genick", sagt Johansson.

Bis in die letzten Wochen unterhielt NBK sogar eigene Internet-Seiten und hatte einen Handel übers Netz laufen, bei dem zur Unterstützung der Gang T-Shirts verkauft wurden. Die Seiten zierte lange Zeit ein Bild mit einem Schädel, der an der Stirnfront ein Loch aufwies. Der Schädel gehörte dem von Johansson erschossenen Huhtimo. Auf Wunsch der Mutter von Huhtimo ließ Johansson das Bild entfernen.

"Bei den Untersuchungen auf meinen geistigen Zustand wurde festgestellt, daß ich gar keine Manie hätte, sondern eine Megalomanie, also den Größenwahn. War ich doch gleich nach Gott der nächstfolgende, zumindest meiner eigenen Anschauung zufolge."

Wiederum ereifert sich Johansson, um im Tenor eines Laienpredigers zu sprechen. Der Gangsterboss scheint sich mit gleicher Entschlossenheit auf das Leben eines Christen gestürzt zu haben wie seinerzeit auf die Karriere als Berufsverbrecher. Er beschreibt den Autoritätsverlust, den sein zum Glauben Finden selbst Satan verursacht hätte.

"Eines jeden Knie muss vor mir erzittern, sagt der Herr. Mir wurden die Knie auch weich", behauptet er.

Laut Zeitungsberichten soll Johansson unter Androhung, ermordet zu werden, falls ja, zum Glauben übergewechselt sein. Die Kumpels der Gang würden den Boss bedrohen, da dieser mit den Regeln der NBK gebrochen hätte, die ein Sprechen mit der Polizei verbieten.

Johansson hält die Zeitungsgeschichten für gegenstandslos, wenn auch manch ein Kollege aus alten Tagen einen Haß auf ihn schob. Es hätten ihm aber trotzdem längst nicht alle den Rücken zugekehrt.

Als er mit der Polizei sprach, war er laut seinen Worten nicht mehr Mitglied der NBK. Die Verbrecherlaufbahn endete in dem Augenblick, als er zum Glauben fand.

"Die Regel des alten Verbunds lautete, daß man eigene Geschichten bekennen darf, wenn kein anderer darunter leidet. Das befolge ich sogar heute noch."

Er sagt, daß ihm sein früheres Leben jetzt wie nach einer Rolle aussieht, die er durchziehen mußte.

"Ich ging in der Rolle ganz schön weit: drei kaltblütige Morde, hunderte von Kilo an Drogen - Verbrechen aller möglicher Art außer erzwungenem Beischlaf und Landesbetrug."

Seiner Anschauung nach ist der mit der Welt des professionellen Verbrechertums in Verbindung gebrachte Glamour übertrieben. Er erinnert an den "Boss der Bosse" der Mafia von Sizilien, an Bernardo Provenzano. Provenzano gelang es über Jahrzehnte hinweg, sich vor der Polizei versteckt zu halten. Am Ende wurde der Mafioso in der Nähe seiner Heimatstadt Carleone dingfest gemacht.

"Der hatte irgendwo in einem Heuschober gehaust und auf Papierzettel Nachrichten geschrieben. Das hat nicht viel mit Glamour zu tun. Gerade hieß es im Text-Fernsehen, daß in Süditalien 100'000 Menschen an einer Demonstration gegen die Mafia teilnahmen. Die ursprüngliche, an der Bauernkultur orientierte Mafia der Mitte des 19. Jahrhunderts hatte noch die Unterstützung des Volks hinter sich gehabt, aber diese Zeiten sind vorbei."

Die Schurkenstücke gehören auch bei ihm nun der Vergangenheit an, hebt er immer wieder betonend hervor.

"Am Ende des Weges hätte mich ein vorzeitiges Grab erwartet. Wer zum Schwert greift, kommt durchs Schwert um. Entweder hätte ich mich mit Drogen kaputtgemacht oder ich wäre umgebracht worden."

Johansson greift sich die Bibel. Er neigt sich zum Buch hin und sucht einen Brief des Paulus an die Römer.

Laut liest er vor: "Ein jeder muß sich in die Unterwürfigkeit vor der Macht der Obrigkeit einfügen. Gibt es doch keine Autorität, die nicht von Gott käme. Wer sich der Vormacht der Autorität widersetzt, lehnt sich daher gegen das Regelwerk Gottes auf, und die, die solches tun, werden ihre Strafen erhalten . . . Deshalb muß man sich in die Unterwürfigkeit vor der Macht der Obrigkeit einfügen, nicht nur aus der Furcht vor einer Strafe heraus, sondern auch aus dem Verlangen des eigenen Gewissens."

Oder anders ausgedrückt: indem man der Autorität der Obrigkeit die Ehre bezeigt, bezeigt man sie auch Gott.

Von diesen Regeln hinweg ist es ein gehöriger Sprung zu den Reden von Johansson in der Sendung Kriminalreport auf Programm Vier des finnischen Fernsehens bald nach der Gründung der NBK. Damals sprach Johansson davon, daß seine Verurteilungen zu Gefängnisstrafen aus einem Motiv heraus erfolgt wären. Dann versprach er es, daß er, falls er ein falsches Urteil absitzen müßte, den Polizisten, der das verursachte, ermorden lassen wird.

"Die Faustregel der NBK war der zwölfte Vers des siebten Kapitels des Matthäusevangeliums: "Tuet deshalb ihnen all das an, von dem ihr wünschtet, daß es die anderen auch Euch antäten." Wenn ich einem Kalb in den Kopf schoss, ging ich davon aus, daß man niemanden drangsalieren und an der Nase führen darf. Wenn getötet wird, dann aber mit einem Schlag.

Er gibt zu, daß ihm die Bluttaten im Traum kommen.

"Das ist für den Täter immer eine gräßliche Tragödie. Deshalb bekennen so viele auch ihre Tat. Sie bringen es nicht fertig, damit zu leben."

In Albträumen schiessen Johanssons Opfer immer wieder ihm selber in den Kopf und Polizisten stellen seinen Wagen, in dessen Kofferraum Leichen liegen.

"Dann wache ich auf und stelle fest, daß ich mich im Gefängnis befinde und dabei bin, mein Lebenslänglich abzubrummen - die Welt ist wieder in Ordnung."

Aber jetzt ist reichlich und zur Genüge von diesen professionellen Dingen gesprochen worden. Hat doch der Räuberhauptmann auch sein Privatleben.

Johansson verehelichte sich im gleichen Sommer, in dem er seine Gang gründete. Die Frau arbeitet als Abteilungsleiterin in einem K-Supermarkt, zahlt ein Wohndarlehen ab für ihr Heim im Grünen Tal zu Espoo, lebt also trotz ihres Mannes ein gewöhnliches Alltagsleben.

Johansson weiß, daß die Geduld der Frau auf eine harte Probe gestellt ist. Im zivilen Leben stand er als Ehemann oft erst auf, als die Gattin schon zur Arbeit aufgebrochen war, und begann seinen Morgen mit einem mit Amphetamin gestreckten Red Bull-Energiedrink.

"Die Gattin ging einer regelmäßigen Erwerbstätigkeit nach. Ich hingegen brachte alles mögliche Volk nach haus ins heimische Gemach. Die Versammlungen der NBK hielten wir zum Beispiel auf unserer Terrasse ab. Als die Gattin im Zusammenhang mit der Geschichte von Huhtimo vernommen wurde, wurde sie gefragt, was die Männer der NBK immer alles so gemacht hätten. Die Frau gab zur Antwort, daß sie sich Crack reinzogen, Mau Mau und einen scharfen Kerl spielten."

Vor ein paar Wochen schickte die Gattin nun mit der Post die Scheidungspapiere. Als er die gesehen hatte, verkreuzte Johansson seine Hände vor sich: Dein Wille geschehe, o Herr.

Er berichtet, daß die Gattin sich vor Gerüchten auf Internet-Diskussionsforen verschreckt hätte. Denen zufolge dürfte die NBK an den Nächststehenden des Verbrecherchefs für dessen plötzliche Änderung der Lebensart Rache nehmen. Johansson brummt etwas davon, was das für eine Schaumschlägerei im Netz sei, die diese Teenies da betrieben.

"Ich antwortete meiner Frau, daß es schon eigenartig sei, daß ich ihr als mördernder Mann und als Drogenhändler taugte -- und jetzt, wo ich mich aufgemacht hätte, ein ehrlicher Mensch zu werden, taugte ich ihr nicht mehr. Soweit ich es begriffen habe, hat die Gattin jetzt auch ihre Scheidungsabsicht zurückgezogen."

Johansson hat nun sechs Jahre von seinem Lebenslänglich abgesessen. Eine Begnadigung steht frühestens nach Ablauf weiterer sechs Jahre in Aussicht.

Auf eine lebenslängliche Haftstrafe kann man in Finnland niemanden obendrauf zu einem zweiten Lebenslänglich verurteilen. Johansson kann jetzt drei Morde gleichwie zum Preis von einem absitzen. Den Augenblick des Freikommens dürften seine Geständnisse zwar um einiges noch hinausschieben.

Wen wundert es, daß sich die Ehefrau jetzt einen Schäferhundwelpen zu ihrer Gesellschaft angeschafft hat.

"Wenn man sechs Jahre vorausdenkt, werden wir vierzehn Jahre verheiratet gewesen sein, von denen ich dreizehn im Knast dann verbracht habe."

Hinter dem Glasfenster deutet der Wärter auf sein Handgelenk. Zeit, langsam aufzuhören.

Über die Situation nach der Entlassung hat Johansson noch nicht nachgedacht. Seine neue Weltanschauung macht ihm immer noch etwas zu schaffen.

"Momente des Zweifelns am Glauben kommen fast täglich," sagt er.

Seinen früheren Gangmitgliedern wünscht Johansson das beste. Er sagt, daß er jeden Abend für die Männer bete.

"Ich bin der letzte Mensch, der auf jemanden mit dem Finger zeigt. Aber die Welt wäre erst dann ein richtig guter Ort, wenn alle den Lehren des Jesus Folge leisteten."

22
Apr
2009

Muß der Gärtner wirklich immer der Mörder sein?

Es gibt im stolzen Tamilenvolk, einem der wenigen Völker, das am längsten durch sämtliche geschichtlichen Perioden hindurch ohne viel Untermischung sich seine eigenständige Identität bewahrt hat, eine sehr schön die real-soziokulturellen Grenzen des Rechtswesens eines Staates illustrierende Geschichte. Es geht in ihr darum, daß sich ein in der jüngeren Süßholzraspler-Kultur tamilischer [tamil = süßklingend] Zungen, also zu einer Zeit, als noch nicht alles richtig paragraphisch festgeschrieben war, vor Gericht gestellter Einbrecher sich aus seiner Schuld an der Tat herauswindet, indem seinerseits er denjenigen anklägt, der durch seine Fehlerhaftigkeit im Handeln überhaupt dazu beigetragen hat, den Hauseinbruch technisch zu ermöglichen, woraufhin der nächst Angeklagte aber einen noch originelleren Schuldigen vorführt, welcher dann wieder die Schuld an einen, der erst noch zuvor käme in der langen Kette der Ursächlichkeiten, weiterreicht: der richtige Täter, der der Versuchung nicht widerstehen konnte, einen Ring mitzunehmen, als er unversehens mitten in einer fremden protzigen Wohnung zu stehen kommt, ist ja nur ins Haus geschlüpft, weil plötzlich, als er draußen auf der Straße beim Herumsitzen und Palavern mit seinen Freunden war, genau da ein Loch in die Mauer brach, wo er sich mit dem Rücken dagegen gelehnt hatte - die Stelle, an der bei dessen Errichtung der Mörtelmischer, der die Hausmauer gebaut hatte, mehr Wasser als nötig, zuviel des Guten, in den anzumischenden Mörtel goß, da just in dem Moment eine wunderschöne Dame des Weges kam, die ihn bei der Arbeit ablenkte. Wäre die Dame nie in jenem fatalen Moment dort vorbeigelaufen, hätte auch nie jemals jene besagte Wand nachgegeben, was letztlich späterhin zum Verschwinden des Rings führte. Doch wäre die Dame auch ihrerseits bestimmt an jenem Tag nie persönlich dort vorbeigekommen, um den armen Maurer zur folgenreichen Unachtsamkeit zu verleiten, sondern es wäre, wie sonst auch, nur ihre Hausmagd des Weges gekommen, wenn nicht plötzlich der Gatte am Tag davor an einem Fieber erkrankt gewesen wäre, weshalb gerade zur Zeit im Haus kein Geld vorhanden war, sodaß die Dame des Hauses selbst zum Bäcker gehen mußte, um ihre Brötchen auf Borg zu kaufen, ein welches der Hausmagd womöglich nicht gewährt worden wäre. Allein, warum nur hatte sich der Ehegatte ausgerechnet zu jener Zeit ein Fieber zugezogen, und warum hat man für seine Arznei einen so sündhaft teuren Preis verlangt, daß nicht mal mehr Kleingeld für Brötchen übriggeblieben war? Und wie ist diese Kette der Anschuldigungsdelegierung noch weitergegangen? Und wie hat sich zum Schluß der jungtamilische Richter der Geschichte in dem Fall entschieden?

Auf die letztgenannten Fragen weiß auch ich keine Antworten mehr, indem mir der genaue Ausgang der Geschichte entfallen ist, da mir selbst bei einer Beraubung des häuslichen Besitzstands vor nicht allzu langer Zeit das Büchlein Folk Tales of Tamil Nadu, dem sie entnommen ist, abhanden gekommen ist, - ein Verbrechen, das wiederum seine eigene Ursachenkette aufweist, eine zwar völlig andere wie die in der Geschichte, aber dennoch nicht gänzlich ihr unähnlich, wo nur kein Maurer eine Schuld auf sich geladen hat und von sich weisen kann, sondern eher der Gärtner eines falschen Fuffzigers aus der bessersituierten Nachbarschaft, und wo es deshalb in meinem Fall, zumal in der heutigen Zeit, schon erst zu gar keiner konkreten Anklage gekommen ist.

Die Lektion der Geschichte war und ist natürlich, daß der gesunde Menschenverstand bei der Beurteilung von Geschehnissen nach klaren Schnitten verlangt, wo sich die Grenzen der Schuldhaftigkeit bei fehlerhaftem Verhalten einer Person nicht über Zufälligkeiten im Vorfeld der eigentlichen Handlung, wie fatal auch immer diese sich ausgewirkt haben mögen, sondern über die Eigenverantwortlichkeit über die vorgelegte Handlungsweise definieren. Alles andere wäre auch verrückt und ohne Ende.

Auf der anderen Seite ließe sich aber sehr wohl EIN solch ein zwischenpersönlich interspatieller, verdeckt arbeitender, letztlich aber bei tieferer Betrachtung der Dinge relativ schnell auszumachender Hauptschuldiger finden, der in den meisten Fällen passte, wo immer irgendwo gegen die Stränge geschlagen worden ist und man deshalb vor Gericht zieht: — das Geld. Denn meistens geht's bei allen möglichen zwischenmenschlichen Querelen und Zwistigkeiten ums liebe Geld. All die vielen Familienväter, die gerade in letzter Zeit, wo auch immer, ihre Familien samt Kind und Kegel, und dann sich selbst eiskalt ausgelöscht haben - alles nur wegen des verflixten Geldes, an dem es hinten und vorn immer wieder fehlt. Und auch in der frühgeschichtlichen, oben erzählten Tamilen-Geschichte und bei deren Varianten in der Neuzeit geht es letztlich ebenso um die wie auch immer geartete Raffgier, die sich klar in unserer Welt im Geld am besten kristallisiert.

So gesehen, könnte man, mit einem gehörigen Schuss Wahrheit bei aller dem Thema innewohnender Ironie, sagen, daß das Geld als solches, das hinter all seinen Handlangern des Bösen als deren eigentlicher Auftraggeber steht, der größte, am längsten unerkannt und am längsten unbestraft gebliebene Despot und Schwerverbrecher aller Zeiten ist, der bis heute aufs rücksichtsloseste allenthalben nach wie vor fröhlich sein fürchterliches Unwesen treiben darf, ohne daß man es endlich im Kittchen einer überwundenen, abgelegten Vergangenheit weggesteckt hätte.

Wie können die Menschen nur so versessen an dieser verfahrenen Zweckgemeinschaft mit dem Geld festhalten wollen, wenn dieses sture Festhalten offensichtlich tagtäglich an allen Ecken und Enden auf der Welt so viel Unheil sät und Schaden anrichtet? Sollte man sich angesichts dieser mittlerweile so schwer auflaufenden Lösung des alten Dilemmas des Wie-miteinander-Auskommens nicht endlich einmal vom Einzelnen wie auch von den politischen Kräften ein entschiedenes Maß mehr an Zivilcourage wünschen dürfen, das es schließlich fertigbrächte, zum Wohle der Menschen heute und aller künftigen Menschengeschlechter endlich mit diesem das Gesicht der Menschheit so verunstaltenden Geldwesen ein für alle mal aufzuräumen?!


Ein Arbeiter, der im finnischen Ort Tammela einen Abwassergraben ausschaufelte, wurde erschossen

(ein Bericht aus den Neuesten Heimatnachrichten der finnischen Zeitung Turun Sanomat vom 21.4.2009, übersetzt aus dem Finnischen )

Tammela, STT
Ein älterer Mann hat in Tammela, im südwestfinnischen Bezirk Kanta-Häme, zum Abschluß einer Streiterei einen Arbeiter erschossen. Laut den Angaben der Polizei ging dem Schießen ein Streit bezüglich den Grabungsarbeiten für einen Abwassergraben voraus.

Der 70-jährige Mann aus Tammela hätte ein paar Mal die drei an der Grenze zu seinem Grundstück ihre Arbeit verrichtenden Männer zunächst aufgefordert, zu verschwinden.

Nach Ansicht des Mannes schädigten die Grabungsarbeiten seinem Hof. Als die Arbeiter aber daraufhin nicht verschwanden, ging er eine Miniaturpistole holen, womit er sodann gegen die Männer einige Schüsse abfeuerte.

Die Arbeiter rannten fluchtartig davon. Einer der Männer starb jedoch an seinen erlittenen Schußwunden. Vor seinem Tod war es dem 60-Jährigen aus Tammela noch gelungen, die Notrufzentrale anzurufen.

Die zwei anderen kamen bei der Schießerei ohne Verletzungen davon.

Die Polizei stellte den Todesschützen in dessen Haus nahe des Neuen Dorfwegs. Er ergab sich gelassen und ruhig, ohne Widerstand zu leisten. Laut Polizei besitzt der Mann mehrere lizenzierte Schußwaffen.

Die Polizei untersucht den Fall als einen Mord sowie als zweifachen versuchten Mord.

Die Polizei war um drei Uhr nachmittag zu der Schießerei alarmiert worden.

21
Apr
2009

Stunde der Wahrheit in Sachen unserer geschädigten Umwelt bald im Aufwind von Europas Aurora Borealis?

Zehn Länder Europas planen zur Erforschung der Polarmeergebiete den Bau eines stattlichen Forschungseisbrechers.

Das Aurora Borealis genannte Schiff wird zur gleichen Zeit ein besatzungsstarker Polareisbrecher, ein Schiff, das wissenschaftliche Bohrungen ausführt, sowie ein ultramodernes Meereserforschungsschiff sein.

Dr. Paul Egerton von der Europäischen Wissenschaftsstiftung spekuliert nun, daß der endgültige Baubeschluß zum auf 700 Millionen Euro veranschlagten Schiffsfahrzeug Ende nächsten Jahres vielleicht gefaßt wird.

Die Aurora Borealis wird das erste Forschungsschiff sein, das überall im nördlichen wie auch im südlichen Polarmeergebiet zu einem völlig auf sich selbst gestellten Einsatz fähig ist.

Die Steuerungs-Achsenwirkkraft der Aurora Borealis wird 81 Megawatt betragen. Das entspricht der Kraft, die etwa 60 aneinandergereihte mittelgroße Stromgeneratoren erzeugen. Es wird der Welt leistungsstärkstes Eisbrecherschiff werden.

Wenn alles wie geplant verläuft, wird der wehrhafte, durchs Packeis seinen Weg mit Gewalt sich bahnende schwimmende Untersatz bis zum Jahr 2014 fertiggestellt sein.

In der Gruppe der an dem Projekt Beteiligten sind bislang zehn Länder mit dabei, zu deren Schar als der Welt vortrefflichstes Erbauerland von Eisbrechern auch Finnland zählt. Die weiteren Teilhaber sind Deutschland, Rußland, Norwegen, Holland, Italien, Frankreich, Bulgarien, Rumänien und Belgien. Auch Spanien und Dänemark haben ihr Interesse an einer Teilnahme am Projekt angemeldet.

Europa und die Welt wollen endlich die Wahrheit darüber erfahren, was an all den düsteren Umweltprognosen, die uns beständig um die Ohren sausen und uns bald kaum noch erschrecken können, wirklich dran ist und wie es tatsächlich um die Erde als unserem Wirtsplaneten bestellt ist. Es leuchte der Zukunft unseres Seins der Stern der Aurora Borealis!


Herzlich-willkommen-zur-allgemeinen-Abschaffung-des-verteufelten-Geldes

20
Apr
2009

Faustdick unterwegs — aber wohin geht die Reise in dieser Gesellschaft?

Immer rauher und brutaler schlägt mit der Zeit diese knochenharte Ellbogengesellschaft zurück, in der wir alle leben, in der es keinen öffentlichen Raum für Gefühle zu geben hat, da in einer zackigen Welt des hektischen Verteilungskampfes wie der unseren, wo ein jeder auf sich selbst gestellt ist und jeder gegen jeden antritt, ein mancher auch bereit ist, wenn es um die Verteidigung der eigenen Interessensphäre geht, einem anderen, der einem unvermittelt zunahe tritt oder in die Quere gekommen ist, - wenn nötig auch saftig - eins auszuwischen, um damit einen unerwünschten persönlichen Störfaktor loszuwerden. Was der andere dabei denkt und fühlt und wie bei der eigenen Zurechtweisung der andere getroffen wird, hat natürlich für jemanden mit so einer Einstellung nicht weiter zu stören, schließlich hätte der andere ja eigentlich beizeiten sich arrangieren - sprich: aus dem Weg gehen - oder gleich erst gar nicht sich in die Quere stellen sollen.

Da sitzt zum Beispiel im Nahverkehrszug im Umkreis von Helsinki am letzten Ostermontag ein 50-jähriger Fahrgast, den es stört, daß ein anderer Mann, nur etwas jünger als er selber, mit dem Kamera-Handy laufend vor ihm herumfuchtelt und die netten Mädels knipst, die neben ihm auf der anderen Seite im Zugabteil sich kuscheln. Bis er dann letztlich die Ruhe verliert, und dem ungehaltenen Kameramann damit kommt, daß es nicht angebracht wäre, in einem öffentlichen Verkehrsmittel unbekannte Personen zu photographieren: da verliert nun der andere seine Ruhe, und zwar gleich noch viel ärger wie der eine - richtig böse wird der Mensch auf einmal, ausfallend. Er zischt dem, der sich da beschwert hat, mit der Faust dermaßen ins Gesicht, daß dem überraschten Opfer gleich die Knochen brechen und es für kurze Zeit das Bewußtsein verliert. Schon kurz darauf - der jählings so unwirsch Behandelte ist gerade wieder erwacht, noch sehr benommen von dem heftigen Schlag - kommt für beide Männer die Haltestation zum Aussteigen. Der rücksichtslose Schläger verschwindet im Nu im Getümmel der Menschen. Der Verletzte sucht um Hilfe und wird umgehend im nächsten Krankenhaus notoperiert. Nun sucht die zuständige Polizei nach Zeugen, die sich eventuell an einen mittelgroßen, stoppelbärtigen schlagkräftigen, unbotmäßigen Zeitgenossen mit einer hellen kurzen Jacke erinnern könnten, der die Frechheit besitzt, in der Öffentlichkeit Bilder von Mädchen zu machen. Die indirekt beteiligten Mädchen der Szene im Zug werden sich in einem solchen Zusammenhang nicht ins Rampenlicht des öffentlich-privaten Interesses stellen wollen, vornehmlich wenn sie den brachialen Photographen irgendwie kennen sollten. Und keiner der anderen Zeugen wird sich von der Stelle rühren, da niemand sich so sicher ist, ob nicht auch er unter Umständen in die gleiche Rolle des einen der beiden, — wenn nicht gar in die des anderen — geraten könnte. Besser doch, solche Sachen sich vom Leib zu halten und nichts davon gesehen und gehört zu haben, selbst wenn ja.

Was sollte einer dazu sagen, wenn nicht danach fragen, ob Schreckensszenarios einer Kategorie, von denen hier eine beschrieben wurde, die sich bekanntlicherweise ja nicht nur auf offener Straße ereignen, sondern durchaus auch im privaten Bereich, tatsächlich den Gradmesser für den gegenwärtigen Stand der bereits seit längerem als bedrohlich empfundenen und zumindest in Deutschland spätestens seit Burkhard Driest im öffentlichen Bewußtsein der Massen angelangten Verrohung der Gesellschaft vorstellen könnten?

Und wenn ja — auf welches Ziel hinzu bewegt man sich in solcher Gesellschaft? Wie wird es morgen um die allgemeinmenschlichen Prinzipien stehen, wenn wir sie heute mit Füßen treten?

19
Apr
2009

Im heimeligen Sumpfkrautgarten - Reportage eines zufriedenen Gärtners

Martti Jaanto aus Rymättylä im Südwesten Finnlands ist bei sich zuhause zweitgrößter Züchter der Blume des Sumpfschlangenwurzkrauts. Ansonsten werden in Finnland noch im Städtchen Lapua weiße Drachenwurzblumen zum Verkauf angebaut. Die stattliche, dramatische Blume hält sich inmitten ihrer Riesenblätter bereits seit 30 Jahren in den Gewächshäusern von Jaanto versteckt.

Die Wärme der Frühlingssonne läßt am Wohnheim des Gärtners Martti Jaanto Schmelzwasser aus der Dachrinne tröpfeln. Wenn auch die matschig gestampfte Erde zwischen den Seite an Seite fröstelnden Gewächshäusern noch immer mit Eis bedeckt ist, erblüht versteckt hinter Plastik ein Wildwuchs eigener Art.

"Von uns närrischen Schweinsohrenkrautzüchtern gibt es in Finnland nicht so arg viele", witzelt Jaanto, als er zum Türgriff des Gewächshauses greift.

Die mit Plastik überzogene Tür geht auf und es eröffnet sich ein Ausblick auf eine Welt aus Riesenblättern, die von der einen Seite des Gewächshauses bis hinüber zur anderen am Wuchern ist, welche einem den Atem verschlägt.

In der feuchten Hitze lauft einem die Brille an. Jaanto nimmt über die Brillengläser hinweg seine urwaldmäßige Schlangenwurzkrautplantage in Augenschein.

Die mit stämmigen Stielen abgestützten glänzenden Krautblätter kommen auf eine Höhe von über anderthalb Metern und füllen das Gewächshaus von allen Seiten her wie ein flauschiger Teppich aus.

Es blicken aber einem eigentlich keine Blumen aus dem Blattwerk entgegen. Genau hierin liegt vielleicht der Hauptgrund dafür, warum der Anbau der Sumpfschlangenwurzblume finnische Gärtner nicht begeistern kann.

"Der Blumenertrag pro Quadratmeter fällt recht mäßig aus. Da läßt sich nicht so recht das große Geld damit machen", gibt Jaanto zu.

Aber auch hier hat es jetzt Blumen, sogar jede Menge davon. Die Blume des Schweinsohrenkrauts liebt es, Verstecken zu spielen. Obgleich sie in der Vase so großartig anzuschauen ist, in der Natur geht sie ganz in der Fülle der Pflanze unter.

Jaanto baut sein langstieliges Drachenwurzgewächs schon dreißig Jahre lang an.

"Ich schaffte mir seinerzeit zum Anfangen ein paar Pflanzen aus dem städtischen Garten von Rauma an, und von da ab ging es dann damit los."

Zunächst waren es nur ein paar Wurzelknollen gewesen, jetzt sind es bereits schon zwei Gewächshäuser voller dschungelartigem Wachstum. Eine Artenbezeichnung weiß Jaanto für seine Schweinsohrenpflanzen nicht anzugeben, aber das würde weiters nichts ausmachen. Am wichtigsten sei, daß die Pflanzen richtig zum Blühen kommen.

"Es gibt unzählig viele Abarten von Drachenwurzeln, auch von dieser weißen hier. Die Größe der Blume, die Form, die Farbe, und wie die Blüten aufgehen, ist von Art zu Art unterschiedlich," erzählt Jaanto.

"Bei einigen Arten ist die Blume leicht plattgedrückt. Meine eigenen sind becherförmig," berichtet Jaanto, während er mittendrin in den Blättern sich eine ausgewachsene Einzelkreatur pflückt.

Sehr vorsichtig fährt die Hand des Mannes über die weiße Blütenpracht.

"In Finnland werden hauptsächlich weiße Schlangensumpfblumen angebaut. Deren Ertragsperiode fällt hierzulande in die Zeit von Oktober bis Mai. Bunte Schweinsohrenblumen hingegen blühen in Finnland nur im Sommer," spricht Jaanto weiter.

"Für die weißen Schweinsohren wiederum ist der Sommer hier zu heiß, so daß sie zum Blühen kämen. Das ist die Zeit, in der ich meinen Drachenwurzkräutern eine Ruhepause verordne, indem ich die Wassermenge verringere."

"Die Schlangenwurzblume verlangt nach viel Platz und kommt auf Transporten leicht zu Schaden. Sie läßt sich nicht zu dichten Bündeln verpacken wie das bei vielen anderen Arten der Fall ist."

Der Drachenwurz ist ein altes finnisches Gartengewächs. In früheren Zeiten ist er viel in den Gärten von Herrenhäusern und Krankenhäusern gewachsen.

"Sumpfwurzelkraut wurde auch in den Innenräumen in jeder Ecke einer Stube gehalten," weiß Jaanto.

Jaanto schnappt sich das Messer und macht sich auf Blumenlese auf. Die Blütenstände werden jeden zweiten Tag gepflückt. Behutsam schreitet er zwischen den Pflanzen und streicht mit zarter Hand die Blätter aus seinem Weg.

"Die Sumpfblume wird im halbgeöffneten Zustand gepflückt, der Stiel auf mindestens 60 Zentimeter Länge geschnitten."

Außer weißer Schlangenwurzblumen züchtet Jaanto in einem gewissen Umfang auch blassgelbe.

"Sumpfwurzblumen gibt es in unzähligen Farben. Die bunten Sumpfwurzblumen sind im allgemeinen kleiner als die weißen und blühen auf dem Breitengrad Finnlands im Sommer," weiß Jaanto.

Jaanto baut in seinem Garten noch vieles andere außer Sumpfwurzpflanzen an, zusammengenommen ein paar hundert unterschiedliche Arten und Sorten von Gewächsen. Bei Jaanto zuhause blühen immerzu frische Blumensträuße, denn in seinen zehn Gewächshäusern gedeihen hauptsächlich Blumen.

"Mit einem Blumenstrauß ließe sich die Gattin nicht mehr zufriedenstellen, so viele wie ich von denen schon nach hause getragen habe," schmunzelt Jaanto.

"Aber man braucht nicht weit weg schauen zu gehen, falls die Gattin wirklich einmal richtig böse würde, wo doch der Pfeffer so nahbei wächst. Jedem Ehegatten ist denn ein eigener Pfefferstrauch zu empfehlen, auch ich besitze derer einen."

Jaanto ist bereits in der zweiten Generation Gärtnereiunternehmer.

"Meine Eltern gründeten seinerzeit diese Gärtnerei. Ich schlüpfte ins Gewächshaus hinein und habe immer noch nicht herausgefunden," lacht Jaanto auf.

Neben dem Anbau und der Zucht verkauft Jaanto auch Blumen direkt auf dem Hof. Nachbarn und Sommerhäusler aus der Umgebung gehen ein und aus im Haus.

"Das Blumengeschäft ist das ganze Jahr über offen, und zu jeder Zeit rund um die Uhr, so beim Herrn des Hauses nicht gerade zu ist. Manche kommen bis aus Helsinki, um sich Sumpfschlangenwurzblumen anzuschaffen", erzählt Jaanto.

Der Preis für die große weiße Sumpfschlangenwurzblume in finnischen Blumenhandlungen fängt angeblich bei zehn Euro pro Stück an

17
Apr
2009

Wenn die makabre Königsschloßbegaffer-Zeit von heute naturgemäß zu ihrem Ende käm'

Zur Zeit wird, gestern bereits mit ersten Ausschreitungen - und an fünf weiteren Wahltagen bis zum 13. Mai, in Indien, der größten Demokratie der Welt, vom Volk eine neue Regierung gewählt. Was dabei herauskommen wird, dürfte sich schwerlich von dem unterscheiden, was seit Einführung der Wahldemokratie gerade dort vorgeherrscht hat: die Puppenkiste von Neu-Delhi wird für die kommenden Jahre mit einem bestimmten Schuß neuer, meist altbekannter Gesichter ein weiteres politisches Marionettentheaterrahmenprogramm aufstellen, an welches man sich wahrscheinlich dann eh nicht halten wird, da zum Schluß doch immer alles kommt, wie man sich's anfangs ausgerechnet hatte und plötzlich eingetretene, unvorhersehbare Belange, Nöte und Interessen ihren Tribut den Lenkern des Landes abfordern werden. Dabei dürfte Indien hierbei gar nicht mal eine Ausnahme darstellen. Man denke nur mal an die vielen bankrott gewirtschafteten afrikanischen Länder, denen die Volksabstimmungsdemokratie als System der durchtriebenen Vorwände der amtlich zum Schwindeln Privilegierten und der geschmierten Volksgängelung durch die Gewitzteren unter den Zeitgenossen, real gesehen, also von der durchschnittlichen Lebensqualität der zum für diese - meistens indem sie dafür bezahlt werden - Abstimmen gehenden, und dann vernachlässigten Vasallen her, gleich gar nicht gut bekommen ist.

Oder man schaue sich Thailand an, was dort schon seit längerem auf der politischen Ebene abgeht, und derzeit gerade sich wieder einmal richtig zugespitzt hat: eine total in sich zerrissene Szene, mit kaum einer Aussicht auf ein schnelles Ende der allgemeinen Unzufriedenheit quer durchs Volk.

Wo nur sind die strahlenden, sonnengleichen Könige und Fürsten der alten Zeit abgeblieben, als noch ein jeder im Lande so richtig glücklich war, die mit unendlich weiser Miene die Geschicke des Volkes mit althergebrachter Voraussicht lenkten, zum besten aller, die einer nach dem anderen von der Bühne abgetreten sind, oder in der Versenkung zu einem Schattendasein verurteilt wurden, nachdem sich im Zuge der Industrialisierung und der Kolonialisation der Welt im vorigen Jahrhundert überall zwangspsychosenhaft die Unart der vom Volk gewählten parlamentarischen Demokratie durchgesetzt hatte, selbst dort, wo das gemeine Volk kaum des Lesens und Schreibens mächtig ist?

Aber auch in den westlichen Ländern als den geschichtlichen Brutstätten dieser modernen Abstimmzettel-Demokratie, kann man sich oft genug nicht des Eindrucks erwehren, daß man sehr wohl auch dort im großen und ganzen weitaus besser beraten wäre, wenn, nur um ein Beispiel zu nennen, ein deutscher Freistaat wie Bayern sich wieder darauf verlegte, anstelle davon, von München und von Berlin aus durch zwielichtig gewählte Volksvertreter, wieder von einem gestandenen Landesfürsten, einem wahren König unter den Menschen, der es verstünde, nabelschauhaft volksnah, wie vormals zu den besten Zeiten, von entsprechend königlich hoher Warte aus, wie zum Beispiel von Neuschwanstein aus, über dem Volk zu thronen, regiert zu werden — allein was für eine Symbolwirkung auf all die armen Länder solch ein westlich beflügelter Umschwung auf dem Felde der Politik haben könnte, die bei der Zwangsdemokratisierung ihrer Länder, ohne ein korrupt-egozentrisches Spiel der Macht für sich daraus gemacht zu haben, nicht mehr mitgekommen wären!

Je größer ein Land, desto undurchsichtiger die Lage des Interessengemenges. Ein in dutzend- und hunderterlei unterschiedliche, polytheistisch bewegte Landsmannschaften zersplittertes Kulturland wie Indien läßt sich als ganzes wohl niemals so richtig unter den Hut eines gemeinsamen politischen Willens bringen, und würde wohl tatsächlich viel besser fahren, wenn es zur glorreichen Zeit der Maharadschas zurückkehrte. Doch leider haben sich dort, wie auch sonst überall auf der Welt, die jungen Prinzen der alten Garde, deren Vorväter noch das Zepter in der Hand hielten, längst vom politischen Tagesgeschäft abgewandt, und sich zu hoffnungslosen Eigenbrötlern, allenfalls zu verzogenen Playboys der Nation gewandelt. Auch im Westen ist die alteingesessene politisch-orientierte Aristokratie längst hoffnungsvoll einer unfruchtbaren Dekadenz anheimgefallen. Neuschwanstein ließe sich also nicht so ohne weiteres mit einer neuen und noch dazu vernunftbegabten, tüchtigen landesväterlichen Königsfamilie besetzen.

Doch halt, wie wäre es denn damit, einfach den Papst, in Absprache mit dem Höchsten unter den Evangelischen und dem der anderen Christenscharen, als einen höchsten Potentaten seines politisch-kulturellen Umfelds damit zu betrauen, frische Königsgeschlechter fürs christliche Abendland, dort wo die alten verschütt gegangen sind, zu bestimmen, dort wo man wieder gerne, im Gewand der Moderne, zur schönen, alten Zeit zurückkehren wollte?

Gleichfalls könnten im asiatisch-schmissigen Indien die höchsten Gott-Schiwa- und Gott-Wischnu-Köpfe des Landes im Verein mit allen anderen vorausblickenden göttlichen Figuren zum Wohle aller Gläubigen wie auch zum Gegenbeweis für alle Ungläubigen neue Maharadscha-Geschlechter einsetzen.

Wäre doch an und für sich nichts schlechtes, wenn man dann zum Schluß genau überall dort, wo von der Sprache her anders gedacht und geredet wird, seinen eigenen Herrn und seine eigene Erste Dame im Haus hätte — abseits der geschichtlich verrückten Grenzverläufe und Verhältnisse von heute, deretwegen wir uns heute alle gegenseitig und miteinander so arg die Finger verbrennen beim heißen Geschäft der ökonomischen politischen Führung der eigenen Reihen und der Welt.

Im krisengeschüttelten Berlin von 2009 tanzt man wieder gerne nach der Mode der 1920er Jahre. Fehlte nicht viel, wenn der Trend so weiter liefe wie bisher, daß man in einhundert Jahren noch nostalgischeren Reizen nachgäbe und die Demokratie zugunsten einer neuen besonnenen Monarchie abwählte.

Dann hätten vielleicht all die wichtigen, anstehenden gesellschaftlichen Erneuerungen, denen sich die gewählten Regenten auf Zeit - nach dem Motto: "das sollen nur gefälligst die angehen, die nach mir kommen" - versagen, eine echte Chance, in nächster Zukunft verwirklicht zu werden.

16
Apr
2009

Flache Ebene quer zur Extreme zwischen den politisch-moralischen Eckpositionen der Welt

Die politisch-moralische Ebene, auf der, auf alle Fälle in dem Punkt, wie es um die heranwachsende Jugend im eigenen Volk bestellt ist, das verruchte Seeräubervolk am Goldenen Horn Afrikas auf das der Weltpolizisten der ubiquitären sternchen- und streifenbewehrten Schlagtruppenstaaten-Anführernation auftrifft, muß bedenklich stimmen. Denn hat nicht gerade diese Ebene sinnfälligerweise als ein Parameter für die wahren Aussichten auf den so sehr erwünschten Weltfrieden zu gelten — die Grundvoraussetzung dafür, daß die langsam zueinander findende globale Menschheit wirklich auch dazu bereit ist, sich gemeinsam ausgearbeiteter wichtiger Ziele zu verschrieben, zum Nutzen aller Menschen in allen Ländern?

In amerikanischen Gefängnissen vegetieren derzeit über siebzig Jugendliche, die, ohne daß ihnen eine Chance auf die Aussetzung ihres Urteils zur Bewährungsprobe gegeben worden wäre, zu lebenslänglicher Haft verurteilt worden sind. Sie alle sind zum Zeitpunkt ihrer Tat zwischen 13 und 14 Jahre alt gewesen, vor Gericht jedoch gleich den Erwachsenen behandelt worden.

Gemäß den statistischen Erhebungen der Organisation Equal Justice Initiative (EJI) beträgt die Anzahl derer, die jünger als 17-jährig zu einer lebenslänglichen Strafe verurteilt wurden, quer über die Gefängnisse Amerikas verteilt, mehr als 2000, wobei deren Großteil Minderheiten angehört.

Zum Teil hätten sich einige derer nicht einmal eines Verbrechens gegen das Leben schuldig gemacht, sondern hätte sich nur zur falschen Zeit am falschen Ort aufgehalten.

So versucht denn auch die Organisation EJI eine Gesetzesänderung zuwege zu bringen, aufgrund derer man 13-14-Jährigen Ersttätern eine Chance zur Bewährung geben könnte.

Laut der Organisation verletze die gegenwärtige Praxis die Proklamation der Rechte der Kinder, die alle anderen Staaten, außer den Vereinigten Staaten und Somalia, unterzeichnet haben.

Die Organisation erinnert auch daran, daß etliche berüchtigte erwachsene Serienmörder zahlreiche in den Gesetzen vorgesehene Möglichkeiten zugesprochen bekamen, um zu einer auf Bewährung ausgesetzten Strafe zugelassen zu werden.

15
Apr
2009

Von menschlichen und weniger menschlichen Tiergeschichten

Egal, um was für ein Tier es sich dreht, der Mensch will den Tieren, außerhalb der eigenen Art, in keinem Fall einen für zukünftige Dinge planenden bewußten Willen zugestehen. Einen solchen will man sich gefälligst dem eigenen Primat im Reich der Schöpfung vorbehalten sehen. Und kommt es zwischendurch einmal zu einer sensationellen Lebensrettung eines Menschen durch die helle Wachsamkeit eines Tieres, wie im Falle von Katzen oder Hunden, die bei einem auszubrechen drohenden Feuer in der Wohnung das eingenickte Herrchen oder Frauchen aufgeweckt und damit vor schlimmerem bewahrt haben, was irgendwie von einem willentlichen Akt auf Seiten des Tieres zeugen könnte, treten sogleich die gelahrten Tierwissenschaftler auf den Plan, die alles besser wissen, und die den vermeintlich willentlich geplanten Rettungsakt eines Tieres schnell abtun als nur eine zufällig für den Menschen günstig verlaufene nervöse Überreaktion aufgrund des Furchtverhaltens des Tiers - selbst wenn der Kater mit der Tatze ins Gesicht der Schlafenden gehauen haben soll, um für Rettung gesorgt zu haben, oder ein Schäferhund in Phoenix, Arizona, Buddy genannt, mit seinem Gebiss, wie lange zuvor mit seinem Herrchen für den Ernstfall geübt, bei einem tatsächlich eingetretenen Notfall, einem Schlaganfall seines Herrn und Gebieter, die Notrufnummer übers Handy anwählt.

Es gibt aber auch den eigenartigen Fall eines Hundes, der mit seinem Herrchen im Wald auf der Jagd gewesen war: Als der Hundebesitzer dieser Geschichte einen Schrotflintenschuß hoch in die Luft abfeuert und es ihn deshalb zu Boden schmettert, bemerkt der Hund, wie dessen Atem nur noch recht schwer geht; woraufhin der getreue Tiergefährte sofort instinktiv loszieht, zurück ins Dorf, um von dort Hilfe zu holen. Als der Hund jedoch dann zusammen mit der von ihm auf den Weg gebrachten menschlichen Hilfe auf dem Waldpfad das Herrchen ihnen beiden fröhlich entgegenlaufen kommen sieht, so als wäre rein gar nichts geschehen, die ganze Liebesmühe also umsonst gewesen, soll sich jener Hund bitter beleidigt gezeigt haben, und zwar gleich so arg, daß er noch wochenlang hernach schmollte und vor sich hin keifte.

Von ganz anderem Kaliber dürfte jedoch die Geschichte von Antis, dem berühmt gewordenen Bombenabwerfer-Hund der Royal Air Force Großbritanniens sein, der während des zweiten Weltkriegs 30 mal auf Bombardement-Flügen gegen Nazi-Deutschland mitgenommen wurde, während derer er die Arbeit der Sechsmann-Besatzung der Wellington erleichterte, die schweren Bomben aus dem Flieger zu wuchten. Hatte der Hund unter den Wolken überhaupt mitgekriegt, was da gespielt wird und weit unter ihnen dank seinem gräßlichen Arbeitsbeitrag auf der Erde mit großer Zerstörerkraft aufklatscht?

Dieser Hund, der eigentlich einem im Krieg auf der Seite Englands gekämpft habenden Tschechen namens Václav Bozdech gehörte, wurde — für seinen heldenhaften Einsatz? — 1949 mit der PDSA-Medaille, dem Victoria-Kreuz für Tiere, ausgezeichnet. Das Tier brachte es, trotzdem es gleich zweimal von Granatensplittern der Nazi-Abwehr verwundet worden war, dann noch auf ein stattliches Lebensalter von 13 Jahren, während derer es sich noch einmal als recht brauchbarer Lebensgefährte auszeichnete - Antis hatte sich späterhin seinem Herrchen gegenüber als behilflich erwiesen auf dessen Flucht aus der für ihn ungemütlich gewordenen kommunistischen Tschechoslowakei.

Andererseits ist ebenso zu Zeiten des letzten Weltkriegs die Geschichte einer Propaganda-Botengängerinnen-Katze bekannt geworden, die während der Stellungsschlachtenphase des sog. Folgekriegs zwischen Sowjetrußland und Finnland mit gleich mehreren Gesichtern auf der karelischen Landzunge von der einen oder der anderen Seite aus als gestreifter Peter mit Tarnstiefelchen die Frontlinie mit vertraulich geheimen Nachrichten überquerte, je nachdem, wo ihm das Futter jeweils am besten zu schmecken kam.

Vorher im mit nur sehr wenigen Passagieren besetzten Sammelbus unterwegs in die Stadt saß hinten an, am weitesten vom Fahrer entfernt, eine einfach wirkende Dame mittleren Alters, die dann bald den Fahrer anhalten hieß, um auszusteigen. Vor dem Verlassen wollte sie einer mittelmäßig schwerbeleibten Person, die ein, zwei Plätze weiter nach vorne saß, also fast noch genauso weit weg vom Fahrer wie sie selber, die einzige außer mir an weiteren Insassen, das Fahrgeld zurecken zum Weiterreichen an den Fahrer. Ein solches wollte sich aber die schwere Frau, die vermutlich nicht so leicht, wenn sie einmal sitzt, wieder von der Sitzgelegenheit hochkommt, nicht gefallen lassen. "Lauf' du gefälligst nach vorne und drück's dem Fahrer selber in die Hand," raunte sie und der Blick, den sie der anderen hinterherwarf, schien zu sagen: "Ich bin doch nicht dein Laufbursche." Fahrgeld kann man von hinten her jederzeit zur Weitergabe vorrecken, wenn die lange Sitzbank geschlossen mit Leuten voll ist bis zum Fahrer hin. Genau dieses muß auch der abwesend wirkenden Frau sogleich aufgegangen sein. Zumindest war es das, was ihr leicht verlegener Blick entschuldigend zu sagen schien, als sie schließlich nach dem Bezahlen ihrer kurzen Fahrt vom Bus abdrehte.

Hätte irgendwann je ein Wissenschaftler der Tiere behauptet, nur Tiere hätten die Fähigkeit zu instinktivem Verhalten, nicht auch wir Menschen?

Nicht alle Dinge auf der Welt stimmen automatisch auch immer im umgekehrten Fall,
oder doch?

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Eine Welt so ganz ohne Geld

"Benefits Supervisor Awakening" für Menschen, die durch und durch Mensch sind und nicht mehr länger ums Goldene Kalb herumtanzen wollen

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Day of Reckoning

Pekka Pohjola von der finnischen Jazz-Rock-Band Wigwam, verst. im Nov. 2008
Pressure

Wird das arme Sparschweinchen schon irgendwo auf der Welt in seine wohlverdiente Freiheit entlassen?

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