29
Aug
2010

"All das wäre vielleicht etwas sanfter abgelaufen, wenn nicht..." — eine bayrische Geschichte aus meinem Leben

Es lassen sich, nebst etlichen anderen schönen Erlebnissen aus meinem Leben, durchaus auch meine Eskapaden als jungendlicher Ausreißer von vor über vierzig Jahren, als ich einmal mitten in der neunten Klasse Gymnasium, das ich damals im schwäbischen Lauingen besuchte, von zu Hause durchbrannte, unter "Geschichten aus Bayern" einreihen, zumal mein damaliger Ausflug mich in keine geringere als in unsere prächtige und so vielseitige bayrische Landeshauptstadt entführte. Konsequenterweise hatte ich daraufhin damals leider die Schule wechseln müssen.

Ganz klar! Es hatte mich, nachdem das Erstmal-auf-Abtauchstation-Gehen in einer angrenzenden Stadt ausgereizt war, nach München gezogen - per Anhalter war es die gut 150 Kilometer quer über die Landstraßen gegangen - wo ich, wiewohl von einem gewissen Esprit getragen, nichtsdestotrotz ein weltunerfahrenes 14-jähriges Küken aus der Provinz, das ich war und nun plötzlich mitten in einer Großstadt war, fürs erste ganz schön verloren in der Häuserlandschaft dastand.

Doch bevor ich irgendwo in der Stadt länger zu stehen gekommen wäre, hatte es mich - bezeichnenderweise? - vorab bereits nach München-Haar gespült, wo ich in jenem ummauerten Gelände für die sonderbarsten Leuchten des Landes mir höchst verwundert die Beine erst mal vertrat. Es war die letzte Haltestation des erstbesten Omnibusses gewesen, den ich im Stadtinneren in München aufs Geratewohl für eine Erkundigungsfahrt bestiegen hatte, an dessen Endstation ich einfach stehengelassen wurde - und tatsächlich: Von da ab sollte mein weiteres Leben in eher eigenwilligen Bahnen verlaufen, leicht verrückt zu denen herkömmlicher Lebenswege, nachdem die Lauinger mich an der Schule nicht mehr hatten aufnehmen wollen.

'Leicht verrückt, dafür aber sehr schön verrückt.' Das sollte somit zur Devise werden.

Und schön verrückt hatte ich es gleich in der Münchner Innenstadt angetroffen, als ich dorthin wieder zurück war. In Schwabing angekommen, hielt ich mich, da ich ja sonst keinerlei Orientierungspunkte hatte, an die "Langhaareten", die Hippies. Zu denen paßte ich trotz des zarten Alters auf Anhieb von meinem Auftritt her nicht schlecht, hatte ich doch ein recht flippiges altmodisches Jackett an, auf dessen Rückenteil ich ein längliches, schmales geklöppeltes Stück Tischtuch genäht hatte, das sich im Wind erheben sollte, als ob ich quasi mit "fliegenden Fahnen" unterwegs wäre. Als Ersatz für eine Reiselektüre führte ich das deutsche Strafgesetzbuch im Taschenbuchformat mit. Was ich damit eigentlich sagen wollte, ist mir jetzt erst, nach vielen Jahren, klargeworden.

Der Grund meines Ausbüchsens war damals der gewesen, daß meine Eltern mir nicht hatten gestatten wollen, nachts die 20 Kilometer nach Lauingen, dem Ort im bayrisch-schwäbischen Ländle, wo ich tagsüber aufs Gymnasium ging, mit dem Mofa zu fahren, um dort am Faschingsball der Schule teilzunehmen, der in einem Lauinger Restaurant abgehalten wurde. Wo ich mir doch fest vorgenommen hatte, mich endlich richtig an meinen neuen Schwarm heranzumachen.

So fand ich mich also kurze Zeit später mitten in München in jener Hippie- und Studentenburg wieder - in der von
Rainer Langhans & Co. geleiteten Einrichtung in der Nord-End-Straße am Elisabethenplatz, einem zu einem Palast alternativer Jugendkultur mit (damals noch) geduldetem Haschischkonsum im indisch-orientalischen Stil umfunktionierten ehemaligen Kinogebäude, mit weichen Matratzen und Teppichen ausgelegt, auf denen es sich die Leute gruppenweise bequem machen konnten, wo es neben einer Fontäne mit einem Wasserspiel, auch eine Müslibar und eine kleine Konzertbühne mit Lautsprechern gab, an deren einen Ecke die ganze Zeit ein im Rhytmus der gespielten Musik, romantischer früher Bluesrock zumeist, mitwippender Kripobeamter stand, der wie ein Luchs über die Einhaltung der Hausregeln und der Landesgesetze wachte, die den Gebrauch sanfter Rauschmittel erlaubten, alle gefährlicheren Mittel, einschließlich Alkohol, dagegen unter striktes Verbot stellten.

Für mich kleinen Ausreißer waren jene paar Tage, die ich dort zubrachte, Kino pur. Genau in diese Zeit, als ich mich in besagten Kreisen aufhielt, fiel nämlich auch ein hervorragendes Rockkonzert, das in dem "Weißen Haus", wie ebenjenes Etablissement genannt wurde, aufgeführt wurde. Es spielte die damals bekannte amerikanische Jazzrock-Formation Brian Auger & His Trinity. Ich hatte dabei das große Glück gehabt, daß sich einer der Roadies der Band meiner angenommen hatte, der mir angesehen haben mußte, daß mir das Geld für den Eintritt zum Konzert nicht langte, der mich durch den hinteren Laderaumeingang eingeschleust hatte, dank dessen Hilfe ich also vor der Bühne direkt vor dem Orgel spielenden und singenden Brian Auger zu sitzen kam. Ihr mitreißendes
"I wanna take you higher" spielte die Band gleich zweimal hintereinander zum Abschluß des sehr gelungenen Abends. Zu der Uhrzeit hätte ich normalerweise bereits im Bett sein müssen, um anderentags ausgeschlafen in Lauingen auf der Schulbank zu sitzen.

Aber wo war ich am anderen Tag in Wirklichkeit gesessen? Natürlich genau dort wieder in jenem berüchtigten Münchner "Weißen Haus", wo sich mittlerweile, wegen des stattgefundenen starken Konzerts, viele der Spitzen aus der Studenten- und Hippieszene aus ganz Deutschland eingefunden hatten: es sind damals sicherlich
Uschi Obermaier, sehr wahrscheinlich aber auch Ulrike Meinhof, vielleicht auch aus Berlin Fritz Teufel - Gott hab' ihn selig -, unter den vielen anderen dort herumgehuscht. Einer der Studenten, war, wie ich mich erinnere, in meiner letzten Nacht dort splitternackt herumgaloppiert, rauf und runter durchs ganze Haus.

Ich wurde dann am darauffolgenden Morgen in einem Hochhausrohbau in der Nähe Schwabings, in dem ich zusammen mit einer Gruppe Landstreichern genächtigt hatte, von einer Streife entdeckt und mit aufs Revier mitgenommen, in einem Jugendheim in eine Arrestzelle gesteckt, wo mich mein Vater dann einen Tag später abholen kam.

Ich hatte mein ganzes Leben meinen Vater mir gegenüber nie mehr so offen, verständig und fürsorglich erlebt wie an diesem einen Tag im Zuge meiner Rückführung nach Hause. Zuhause angelangt, war alles sofort wieder wie immer sonst.

Es waren mich meine Mutter und mein Vater, nachdem sie einen diesbezüglichen Wink hinsichtlich meines Aufenthaltsortes in München erhalten hatten, persönlich im "Weißen Haus" in München suchen gegangen — zu einem Zeitpunkt, als ich mich bereits in polizeilichem Gewahrsam befand. Damals gab es noch keine Computer, und die richtigen Informationen konnten in einer Großstadt wie München nicht immer schnell genug durchgestellt werden.

Zum Glück war mir das Erlebnis erspart geblieben, von meinen Eltern höchstpersönlich in besagter Einrichtung ertappt zu werden. Da wäre ich ganz schön belämmert und sehr blamiert vor all den anderen dagestanden - vor all jenen Studenten und Hippies, die da, laut meiner Mutter, alle "wie halbverreckt nur so herumlagen."

Kurze Zeit später war dann schnell die Gesetzeslage in Deutschland verschärft worden. Man schrieb das Jahr 1971. Cannabis wurde alsbald unter Androhung von Strafe verboten und das Münchner Weiße Haus für immer geschlossen.

Und die einstmals so friedliche '68er Studenten- und Hippieszene war auf einen Schlag radikalisiert gewesen: Erst nach der Schließung des Weißen Hauses (und wohl ähnlicher kultureller Einrichtungen in Deutschland), sind, wie ich heute glaube, entsprechende Leute von damals erst so richtig bööse geworden. Was ja dann mit der Zeit, wie nur allzu gut bekannt, in jenen Jahren zur Bildung der ersten gewaltbereiten Zellen und dann weiter zu all dem gesellschaftlichen Revoluzzer-Unheil von damals führte.

Manchmal bilde ich mir ein, daß all das vielleicht etwas sanfter abgelaufen wäre, wenn meine Eltern mich damals nur nicht in jenem "Weißen Haus der Hippiebewegung" suchen gegangen wären. Diese Suchaktion meiner Eltern kann sehr gut nach Bekanntwerden in der Landesregierung einen kleinen politischen Eklat ausgelöst haben. Meine Mutter, aus einfachen bäuerlichen Verhältnissen stammend, war angeblich regelrecht in einen Schockzustand verfallen, beim Anblick all des irren Volkes, das dort auf dem blanken Hosenboden herumsaß. Man hätte sogar die Schuhe ablegen müssen, um eingelassen zu werden. Diese schaurige Szene des Entsetzens einer verzweifelnden Mutter kann dem dort wachhabenden Kripobeamten unmöglich entgangen sein. Da waren zwei gänzlich verschiedene Welten aufeinandergeprallt. Daraufhin wurde denn auch tatsächlich bald, wie bereits erwähnt, das Haschisch unter Verbot gestellt und dem Treiben in der besagten Adresse der Garaus gemacht.

Meine Mutter war als lediges Mädchen eine Zeitlang in München einmal in einer Großwäscherei in Stellung gewesen. Aber so etwas, wie sie in dem Münchner Weißen Haus zu Gesicht bekommen hatte, hätte sie zuvor noch nie gesehen.

Obwohl doch im Grunde genommen, im Vergleich zu den späteren Verhältnissen, damals alles noch halb so wild war.

Anstatt ein verträgliches Klima für eine experimentierfreudige Aufbruchsgeneration einer neuen Zeit zu schaffen, war das gemeine Volk vielfach noch in den 1970er Jahren nicht richtig aufgeklärt worden, eher verhetzt...
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