Der erste Hirsch ist erlegt worden, bevor die Waidmänner in der Ansitzhütte anlangten
Den ehemaligen Polizisten Juhani Kajava wird man von jetzt ab bis Weihnachten nicht mehr viel an den Wochenenden zuhause sehen. Am letzten Samstag fing nämlich die Jagdsaison für die Hirsche an, und in einer Woche geht es ab in den Wald, dem Elch hinterher.
"Dem Jagen kommt regelmäßig der Vorrang über das häusliche Dasein zu," grinst Kajava, der örtliche Hirschhauptmann des traditionellen Jagdvereins Tapio.
Für den Abend war ein stundenlanges Herumsitzen alleine in einem am Feldrain errichteten, engen Holzverschlag angesagt.
Für den Beginn der Jagdsaison trafen in der Gemeinde Piikkiö nahe dem südwestfinnischen Städtchen Kaarina vier Männer zusammen: Hirschhauptmann Kajava, der Jagdanführer der Truppe, Elchhauptmann Pekka Särkilahti, sowie die Gebrüder Jaakko und Jouko Rumpunen.
Hunde sind keine dabei, ein solcher kann zur Aufspürhilfe hergeordert werden, wenn es gilt, im Gebüsch einen Weißwedelhirsch, der einen Treffer abbekommen hat, aufzufinden.
Die Männer feilen keine Strategie aus wie bei der Jagd auf den Elch, da es jetzt auf eine Jagd aus dem Hinterhalt geht. Ein jeder von ihnen begibt sich in einen eigenen Waldverschlag auf die Lauer, auf daß erspäht wird, wann ein Weißwedelhirsch an den Futterplatz kommt. Bis auf Jouko Rumpunen, der auf einen Baum steigt, auf dessen Ast eine fertige Sitzunterlage angebracht ist.
Shampoo verjagt die Tiere
Dem Hirschen muß man leise aufstellen, denn er nimmt sich vor jedem noch so kleinen Geräusch sehr in Acht. Er nimmt sogar den Geruch eines Shampoo wahr. In der Thermosflasche hat es zwar Kaffee.
"Wenn das Tier an die Äsungsstelle herankommt, ist es besonders sensibel. Sowie in der Umgebung ein Geräusch zu hören ist, oder ein fremder Geruch in der Luft liegt, kommt es nicht näher," berichtet Särkilahti.
In der Zeit, wenn Schnee liegt, lassen sich bei Mondscheinlicht die Hirsche zum Beispiel gar nicht blicken.
"Die fürchten sich vielleicht vor ihrem eigenen Schatten."
Am Futterplatz sind haufenweise Äpfel ausgebreitet.
"Äpfel sind für die Rehe ein Leckerbissen, die können bis in den Vorgarten eines Eigenheims kommen, um sie sich von den Bäumen zu holen. Gelbe Rübchen mögen sie auch gerne, und mitten im Winter taugt auch Getreide. Der Elch interessiert sich für Äpfel nicht, aber einige Elche können sich für Karotten derart begeistern, daß sie eine quadratmetergroße Schachtel voll davon mit Leichtigkeit wegputzen."
Es kann auch leer ausgegangen werden
Nicht in allen Fällen läßt sich eine Beute erjagen, wenn man auch noch so lange herumsitzt und darauf wartet.
"Man kann 5 - 10 Mal auf der Lauer sitzen, aber es kann sein, daß man dabei nur ein Wildtier erwischt," sagt Särkilahti.
Auf jeden Fall gehen die Jäger davon aus, daß einer von ihnen an diesem Abend einen Hirschen als den ersten der Saison erlegen wird.
Sollte man aber auch leer ausgehen, so dürfte dies nicht die Stimmung verderben.
"Das ist ein richtiger Hirschenauflauerer, der, wenn er sich jetzt zur Frühsaison aufmacht, sollte er auch kein Blätterrasseln zu hören kriegen, bei alledem zufrieden bleibt," sagt Särkilahti.
Man muß sich auch wieder davonmachen können.
"Man ist verführt, bis es dunkel wird, auszuharren, besonders dann, lauert man auf einen alten Hirschbock. Oft können als erstes die Weibchen, die Kälber und die jungen Bocke ins Bild treten, während der König des Reviers, der alte Bock, sich irgendwo weiter entfernt aufhält, und erst dann kommt, wenn es dunkel geworden ist. Als Gebieter über eine Herde vermag er es sicherlich schon instinktiv, umsichtig zu sein," wie Särkilahti sinniert.
Als eine besondere Ehrensache sehen es die Jäger an, daß der Schuß treffsicher ist und das Tier nicht nur verletzt wird. Man muß ausreichend Nervenfestigkeit mitbringen, denn leicht kann einem ein Einschätzungsfehler unterkommen," sagt Särkilahti und begibt sich in seine Lauerhütte.
Hinten an seiner Waffe dran sind Sticker von Schießgelegenheiten des Jägerbunds bei finnischen Meisterschaften angebracht.
Irgendwo kreischt ein Eichelhäher.
Särkilahti ist die Zeit im Waldverschlag nie langweilig geworden.
"Die Gedanken streifen immer irgendwohin. Und von hier aus läßt sich so manches beobachten und verfolgen, und wenn es auch nur irgendein Specht ist, der klopft."
Schon bald eine Textnachricht
Dann pfeift das Telefon. Von Juhani Kajava kommt eine Textnachricht: "Hirsch liegt flach. Kann ich 'nen Beffzger haben?"
Hirschhauptmann Kajava hat einen Volltreffer erzielt.
"Ich zählte (vor dem Schuß) bis zehn, um die Truppe nicht zu enttäuschen," sagt ein zufriedener Kajava.
Er hat vordem betont, daß es der letzte Fehler sei, schludrig zu werden, wenn ein Hirsch im Blickfeld auftaucht.
Jetzt war die Situation schnell eingetreten. Kajava war nicht einmal in seiner Ansitzhütte angelangt, als er auf einem Feld vier Rehe vor sich sah. Er gab einen Schuß ab und stützte sich dabei gegen einen Baum ab.
"Manchmal wird's einem so leicht gemacht."
Vom ersten Fleisch wird eine Promo-Wurst gemacht, die zum Beispiel an die Besitzer der Ländereien vergeben wird.
Späterhin während der laufenden Saison erst kommt der Braten den Jägern selbst zugute.
Weißwedelhirsche gibt es in Finnland erst seit 1934
Für das Gebiet des Wildpflegevereins des Umlands von Turku sind 52 Genehmigungen für das Erlegen eines Elches und 200 für das eines Hirschen ausgestellt worden. Der Jagdverein Tapio ist berechtigt, in und um Piikkiö herum zehn Hirsche, einen ausgewachsenen Elchen und zwei Hirschkälber zu erlegen. Dem Klub steht in Piikkiö ein Jagdgebiet von 2'000 Hektar zu, und außerdem nochmals eins mit 4'500 Hektar in Laitila.
Der Hirschbestand hat in den letzten Jahren zugenommen.
Der Weißwedelhirsch ist eine amerikanische Steinbockart, und lebt in Finnland als eine vom Menschen eingeführte Fremdart. Im Jahre 1934 wurden sieben Weißwedelhirsche aus Minnesota nach Finnland transportiert, für ein Tiergehege, das auf den Ländereien eines Gehöfts Laukko gegründet war. Nur eins der männlichen und vier weibliche Tiere hatten die lange Reise von Übersee überstanden. Von jenen vieren, sowie den Nachkommen späterhin zur Kräftigung des Bestands noch eingeführter und ausgesetzter Tiere stammt der gesamte gegenwärtige Bestand Finnlands von Weißwedelhirschen ab, schätzungsweise um die 30'000 Einzeltiere herum.
Bei Zusammenprallunfällen mit Waldtieren handelt es sich im allgemeinen um den Wedelhirsch
Die Jagdvereine leisten der Polizei Amtshilfe, indem sie sich aufmachen, Elche und Hirsche aufzuspuren und deren Leben zu beenden, die bei einem Zusammenprall im Straßenverkehr verunfallt sind.
Die Jäger nehmen sich auch der Pflege des Tierbestands an, organisieren unter anderem die Futterung der Tiere den Winter über - mit Hunderten von Kilo von Äpfeln, Karotten und Getreide.
"Dem Jagen kommt regelmäßig der Vorrang über das häusliche Dasein zu," grinst Kajava, der örtliche Hirschhauptmann des traditionellen Jagdvereins Tapio.
Für den Abend war ein stundenlanges Herumsitzen alleine in einem am Feldrain errichteten, engen Holzverschlag angesagt.
Für den Beginn der Jagdsaison trafen in der Gemeinde Piikkiö nahe dem südwestfinnischen Städtchen Kaarina vier Männer zusammen: Hirschhauptmann Kajava, der Jagdanführer der Truppe, Elchhauptmann Pekka Särkilahti, sowie die Gebrüder Jaakko und Jouko Rumpunen.
Hunde sind keine dabei, ein solcher kann zur Aufspürhilfe hergeordert werden, wenn es gilt, im Gebüsch einen Weißwedelhirsch, der einen Treffer abbekommen hat, aufzufinden.
Die Männer feilen keine Strategie aus wie bei der Jagd auf den Elch, da es jetzt auf eine Jagd aus dem Hinterhalt geht. Ein jeder von ihnen begibt sich in einen eigenen Waldverschlag auf die Lauer, auf daß erspäht wird, wann ein Weißwedelhirsch an den Futterplatz kommt. Bis auf Jouko Rumpunen, der auf einen Baum steigt, auf dessen Ast eine fertige Sitzunterlage angebracht ist.
Shampoo verjagt die Tiere
Dem Hirschen muß man leise aufstellen, denn er nimmt sich vor jedem noch so kleinen Geräusch sehr in Acht. Er nimmt sogar den Geruch eines Shampoo wahr. In der Thermosflasche hat es zwar Kaffee.
"Wenn das Tier an die Äsungsstelle herankommt, ist es besonders sensibel. Sowie in der Umgebung ein Geräusch zu hören ist, oder ein fremder Geruch in der Luft liegt, kommt es nicht näher," berichtet Särkilahti.
In der Zeit, wenn Schnee liegt, lassen sich bei Mondscheinlicht die Hirsche zum Beispiel gar nicht blicken.
"Die fürchten sich vielleicht vor ihrem eigenen Schatten."
Am Futterplatz sind haufenweise Äpfel ausgebreitet.
"Äpfel sind für die Rehe ein Leckerbissen, die können bis in den Vorgarten eines Eigenheims kommen, um sie sich von den Bäumen zu holen. Gelbe Rübchen mögen sie auch gerne, und mitten im Winter taugt auch Getreide. Der Elch interessiert sich für Äpfel nicht, aber einige Elche können sich für Karotten derart begeistern, daß sie eine quadratmetergroße Schachtel voll davon mit Leichtigkeit wegputzen."
Es kann auch leer ausgegangen werden
Nicht in allen Fällen läßt sich eine Beute erjagen, wenn man auch noch so lange herumsitzt und darauf wartet.
"Man kann 5 - 10 Mal auf der Lauer sitzen, aber es kann sein, daß man dabei nur ein Wildtier erwischt," sagt Särkilahti.
Auf jeden Fall gehen die Jäger davon aus, daß einer von ihnen an diesem Abend einen Hirschen als den ersten der Saison erlegen wird.
Sollte man aber auch leer ausgehen, so dürfte dies nicht die Stimmung verderben.
"Das ist ein richtiger Hirschenauflauerer, der, wenn er sich jetzt zur Frühsaison aufmacht, sollte er auch kein Blätterrasseln zu hören kriegen, bei alledem zufrieden bleibt," sagt Särkilahti.
Man muß sich auch wieder davonmachen können.
"Man ist verführt, bis es dunkel wird, auszuharren, besonders dann, lauert man auf einen alten Hirschbock. Oft können als erstes die Weibchen, die Kälber und die jungen Bocke ins Bild treten, während der König des Reviers, der alte Bock, sich irgendwo weiter entfernt aufhält, und erst dann kommt, wenn es dunkel geworden ist. Als Gebieter über eine Herde vermag er es sicherlich schon instinktiv, umsichtig zu sein," wie Särkilahti sinniert.
Als eine besondere Ehrensache sehen es die Jäger an, daß der Schuß treffsicher ist und das Tier nicht nur verletzt wird. Man muß ausreichend Nervenfestigkeit mitbringen, denn leicht kann einem ein Einschätzungsfehler unterkommen," sagt Särkilahti und begibt sich in seine Lauerhütte.
Hinten an seiner Waffe dran sind Sticker von Schießgelegenheiten des Jägerbunds bei finnischen Meisterschaften angebracht.
Irgendwo kreischt ein Eichelhäher.
Särkilahti ist die Zeit im Waldverschlag nie langweilig geworden.
"Die Gedanken streifen immer irgendwohin. Und von hier aus läßt sich so manches beobachten und verfolgen, und wenn es auch nur irgendein Specht ist, der klopft."
Schon bald eine Textnachricht
Dann pfeift das Telefon. Von Juhani Kajava kommt eine Textnachricht: "Hirsch liegt flach. Kann ich 'nen Beffzger haben?"
Hirschhauptmann Kajava hat einen Volltreffer erzielt.
"Ich zählte (vor dem Schuß) bis zehn, um die Truppe nicht zu enttäuschen," sagt ein zufriedener Kajava.
Er hat vordem betont, daß es der letzte Fehler sei, schludrig zu werden, wenn ein Hirsch im Blickfeld auftaucht.
Jetzt war die Situation schnell eingetreten. Kajava war nicht einmal in seiner Ansitzhütte angelangt, als er auf einem Feld vier Rehe vor sich sah. Er gab einen Schuß ab und stützte sich dabei gegen einen Baum ab.
"Manchmal wird's einem so leicht gemacht."
Vom ersten Fleisch wird eine Promo-Wurst gemacht, die zum Beispiel an die Besitzer der Ländereien vergeben wird.
Späterhin während der laufenden Saison erst kommt der Braten den Jägern selbst zugute.
Weißwedelhirsche gibt es in Finnland erst seit 1934
Für das Gebiet des Wildpflegevereins des Umlands von Turku sind 52 Genehmigungen für das Erlegen eines Elches und 200 für das eines Hirschen ausgestellt worden. Der Jagdverein Tapio ist berechtigt, in und um Piikkiö herum zehn Hirsche, einen ausgewachsenen Elchen und zwei Hirschkälber zu erlegen. Dem Klub steht in Piikkiö ein Jagdgebiet von 2'000 Hektar zu, und außerdem nochmals eins mit 4'500 Hektar in Laitila.
Der Hirschbestand hat in den letzten Jahren zugenommen.
Der Weißwedelhirsch ist eine amerikanische Steinbockart, und lebt in Finnland als eine vom Menschen eingeführte Fremdart. Im Jahre 1934 wurden sieben Weißwedelhirsche aus Minnesota nach Finnland transportiert, für ein Tiergehege, das auf den Ländereien eines Gehöfts Laukko gegründet war. Nur eins der männlichen und vier weibliche Tiere hatten die lange Reise von Übersee überstanden. Von jenen vieren, sowie den Nachkommen späterhin zur Kräftigung des Bestands noch eingeführter und ausgesetzter Tiere stammt der gesamte gegenwärtige Bestand Finnlands von Weißwedelhirschen ab, schätzungsweise um die 30'000 Einzeltiere herum.
Bei Zusammenprallunfällen mit Waldtieren handelt es sich im allgemeinen um den Wedelhirsch
Die Jagdvereine leisten der Polizei Amtshilfe, indem sie sich aufmachen, Elche und Hirsche aufzuspuren und deren Leben zu beenden, die bei einem Zusammenprall im Straßenverkehr verunfallt sind.
Die Jäger nehmen sich auch der Pflege des Tierbestands an, organisieren unter anderem die Futterung der Tiere den Winter über - mit Hunderten von Kilo von Äpfeln, Karotten und Getreide.
libidopter - 28. Sep, 14:20